Mehr ist immer besser? Bosch hat dazu eine klare Meinung: Nein. Während die E-MTB-Branche weiter an der Leistungsschraube dreht, setzt Bosch beim Performance Update 2.0 bewusst keine höheren Peak-Watt drauf. Stattdessen steigen das maximale Drehmoment und der Unterstützungsfaktor, dazu gibts einen 12-A-Schnelllader und weitere spannende Features. Wir haben die ersten Eindrücke!

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Bosch zieht nach – schon wieder. Nachdem Avinox mit dem M2S die Messlatte bei Leistung und Datenblattwerten erneut deutlich nach oben verschoben hat, liefert nun auch der schwäbische Hersteller seine Antwort auf das aktuelle Wettrüsten.

Anders als die Konkurrenz bleibt Bosch aber bei 750 W maximaler Leistung. Das passt zur Haltung des Motorenherstellers, der sich weiterhin für eine Selbstregulierung der Branche stark macht. Statt die Peak-Leistung weiter nach oben zu schrauben, setzt Bosch beim Performance Update 2.0 an anderer Stelle an: Drehmoment und Unterstützungsfaktor steigen – beide Parameter sollen aber gezielt und situationsabhängig ansetzen.

Im Zentrum des Bosch Software-Updates stehen die aktuellen Performance Line CX- und CX-R-Antriebe, ergänzt durch neue Features wie einen einstellbaren Extended Boost (Nachlauf), den Drivetrain Tensioner für direkteren Kraftschluss sowie den schon etwas früher vorgestellten Trick Check. Dazu kommt mit dem 12-A-Charger endlich ein lang erwartetes Hardware-Upgrade für kürzere Ladepausen.

Was das Performance Update 2.0 wirklich kann und ob es mehr ist als nur eine Reaktion auf den wachsenden Leistungsdruck im Markt, haben wir bereits für euch auf dem Trail getestet.

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Bosch Performance Line CX Update 2.0 – das Wichtigste zusammengefasst

  • Maximales Drehmoment: bis zu 120 Nm
  • Unterstützungsverhältnis: bis zu 600 %
  • Peak-Leistung: unverändert bei 750 W
  • Drivetrain Tensioner: minimiert den Leerweg im Antrieb für ein direkteres Ansprechverhalten und mehr Kontrolle
  • Extended Boost: jetzt einstellbar
  • Neuer 12-A-Charger: rund 500 W Ladeleistung, verfügbar ab Ende 2026

Was bringt das Bosch E-Bike Performance Update 2.0 alles mit?

Nach dem MY26-Update im vergangenen Jahr legt Bosch erneut nach – mit dem Performance Update 2.0, das ab dem 4. Mai 2026 per Over-the-Air-Update kostenlos über die eBike Flow App verfügbar ist.

Höheres maximales Drehmoment sowie gestiegener Unterstützungsfaktor
Für die Performance Line CX und CX-R-Antriebe lassen sich Drehmoment und Unterstützung – je nach Freigabe des Bike-Herstellers – von den bestehenden 100 Nm und 400 % auf bis zu 120 Nm und 600 % erhöhen. Die zusätzlichen Reserven stehen also nicht automatisch bereit, sondern müssen zuerst vom Bike-Hersteller für das Bike freigegeben und anschließend wie schon im letzten Jahr aktiv vom Fahrer selbst in der App eingestellt werden.

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Einstellbarer Extended Boost: Mehr Nachlauf, mehr Kontrolle
Der Extended Boost ist bei Bosch kein neues Feature, bekommt mit dem Performance Update 2.0 aber mehr Einstellmöglichkeiten. Ebenfalls ab dem 4. Mai lässt sich die Länge des Nachlaufs je Fahrmodus in mehreren Schritten in der Flow App anpassen. Laut Bosch schiebt der Extended Boost maximal bis zu 2 m nach – innerhalb des gesetzlichen Rahmens für E-Bikes.

Relevant ist das vor allem in technischen Uphills: etwa vor Stufen, Wurzeln oder Felskanten, wenn eine volle Pedalumdrehung nicht mehr möglich ist, um das Bike weiter über das Hindernis zu bringen. Je nach Fahrmodus, App-Einstellung und Pedaldruck fällt der Nachlauf kürzer, sanfter oder dynamischer aus.

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Drivetrain Tensioner: Feintuning im Antriebsstrang
Mit dem neuen Drivetrain Tensioner feilt Bosch am Zusammenspiel zwischen Motor, Freilauf und Hinterrad. Durch eine Optimierung der Motorsteuerung soll der Leerweg im Antriebsstrang in den Modi eMTB+ und Race reduziert werden.

Das Hauptziel des Drivetrain Tensioner ist laut Bosch, den Freilauf zu schonen und damit langfristig Verschleiß sowie Reparaturkosten zu reduzieren. Dafür spannt das System den Antriebsstrang leicht vor und reduziert den Leerweg zwischen Motor und Hinterrad. Als Nebeneffekt soll das Ansprechverhalten direkter werden, besonders dann, wenn in technischen Uphills nur kurze Pedalimpulse möglich sind, etwa vor Stufen, in engen Kehren oder in verblockten Passagen.

Neuer 12-A-Schnelllader: Schneller laden, länger fahren?
Spannend: Mit dem neuen 12-A-Charger zieht Bosch auch bei der Ladegeschwindigkeit nach. Rund 500 W Ladeleistung sollen den Akku etwa dreimal schneller füllen als bisher – eine PowerTube 800 erreicht so rund 50 % in etwa einer Stunde. Ein Ladetest mit dem neuen Schnelllader folgt bald.

Möglich macht das die GaN-Technologie (GaN: Galliumnitrid), die effizienteres Wärmemanagement erlaubt und gleichzeitig ein kompaktes Design mit einem Gewicht von unter einem kg ermöglicht. Der Schnelllader ist im Vergleich zum 4-A-Ladegerät in seiner Größe fast unverändert und legt nur beim Gewicht deutlich zu. Einstellungen für Ladelimits wie bei Avinox über die App oder bei Specialized direkt am Ladegerät gibt es vorerst nicht.

Der 12-A-Charger ist ein sinnvolles Upgrade für Rider, die mehrere Runden am Tag fahren oder spontan nachladen wollen. Für alle, die ihr E-Bike ohnehin über Nacht laden, bleibt der Mehrwert dagegen überschaubar.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Der neue 12-A-Charger lässt noch auf sich warten. Er soll erst Ende 2026 verfügbar sein – im Aftermarket und bei ausgewählten Bikes direkt ab Werk.

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Trick Check: Bloße Gamification oder echter Mehrwert?
Mit Trick Check bringt Bosch eine spielerische Funktion ins System. Die Software erkennt automatisch Tricks wie Jumps, Wheelies, Manuals oder Stoppies und wertet sie aus, sprich liefert euch live Infos zu Dauer, Höhe, Distanz oder Winkel des Tricks. Die Ergebnisse werden direkt am Display angezeigt und später in der eBike Flow App gesammelt.

Das kann motivieren und Fortschritte sichtbar machen, ist aber eher ein nettes Feature als ein Must-have. Bleibt die Frage, wie relevant dieses Feature im realen Trail-Einsatz wirklich ist.

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Wann und wie ist das Bosch Performance Update 2.0 verfügbar?

Das Update kommt als kostenloses Over-the-Air-Update über die eBike Flow App. Dort könnt ihr optional die höheren Leistungsdaten installieren.

Was heißt das konkret?

  • Maximales Drehmoment: von 100 auf bis zu 120 Nm
  • Maximale Leistung: unverändert bei 750 W
  • Unterstützungsverhältnis: von 400 % auf bis zu 600 %

Wichtig: Die volle Feature-Palette – inklusive bis zu 120 Nm, höherem Unterstützungsfaktor und weiteren Features – gibt es ausschließlich für die neue Performance Line CX und CX-R Gen5. Andere Antriebe wie SX oder Performance Line Speed bekommen nur ausgewählte Funktionen wie den einstellbaren Extended Boost.

Ältere Systeme wie Bosch CX Gen4 oder CX Race Gen4 erhalten ebenfalls einzelne Features wie den höheren Unterstützungsfaktor, den einstellbaren Nachlauf und Trick Check – aber kein Drehmoment-Upgrade auf 120 Nm und nicht das volle Paket.

Zusätzlich kann der Funktionsumfang je nach Region deutlich variieren.

„Wir wollen, dass sich jedes Update auf dem Trail spürbar besser anfühlt – nicht nur auf dem Datenblatt“, sagt Claus Fleischer, Geschäftsleiter von Bosch eBike Systems.

Live Data Interface: Bosch öffnet sich für Garmin & Co.

Mit dem neuen Live Data Interface wird das Bosch-System auch etwas offener: Kompatible Geräte von Drittanbietern können Live-Daten direkt vom E-Bike anzeigen – zum Start vor allem Garmin Edge-Fahrradcomputer. Für euch heißt das: Werte wie Geschwindigkeit, Trittfrequenz, Fahrerleistung, Akku-Stand, Gesamtstrecke und eBike-Lock-Status landen direkt auf dem Garmin-Display. Besonders spannend ist das für sportliche Rider, die ohnehin mit Garmin trainieren und ihre Leistungsdaten, Trainingszonen und Reichweite an einem Ort bündeln wollen. Ein separater Leistungsmesser ist dafür nicht nötig, denn die Fahrerleistung kommt direkt aus dem Bosch-System. Dazu kann Garmin über eBike Smart Range die verbleibende Reichweite auf Basis der geplanten Strecke anzeigen.

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Was bringt das neue Bosch Performance Update 2.0 auf dem Trail?

Gefahren sind wir das Update auf dem Pivot Shuttle LT – ein Bike, das mit zentraler Sitzposition, viel Traktion und starken Klettereigenschaften ohnehin eine extrem stabile Uphill-Plattform liefert.

Die 120 Nm sind auf dem Trail weniger brachial, als es die Zahl vermuten lässt, und das ist kein Zufall. Bosch regelt das zusätzliche Drehmoment stark bedarfsorientiert: Im normalen Fahrbetrieb bleibt der Motor kontrolliert, das höhere Drehmoment wird nur dann freigegeben, wenn es wirklich gebraucht wird. Spürbar wird das dann vor allem in Extremsituationen, bei sehr niedriger Kadenz, wenn man den Motor fast „abwürgt“ und sich über steile, verblockte Passagen hochdrückt. Deutlich präsenter ist der höhere Unterstützungsfaktor, durch den man die 25-km/h-Grenze schneller erreicht und auch auf Anstiegen mit höherem Durchzug belohnt wird.

Der sogenannte Drive Train Tensioner hält die Kette unter leichter Vorspannung. Mechanisch passiert Folgendes: Ein geringes anliegendes Drehmoment im System eliminiert das Spiel zwischen Kassette, Freilauf und Kette. Dadurch entfällt der typische Leerweg, bevor der Motor greift. Das Ergebnis: Beim Antreten, vor allem im eMTB+-Modus, setzt die Unterstützung unmittelbarer ein, ohne Verzögerung oder Lastsprung. Das Bike reagiert präziser auf Pedalimpulse, was vor allem in technischen Uphills entscheidend ist, wenn man mit kurzen, dosierten Tritten arbeitet. Gleichzeitig wird das Fahrgefühl kontrollierter, weil die Leistung nicht mehr schlagartig nach einem Leerweg einsetzt.

Ganz verschwunden ist das Spiel im Antriebsstrang indes nicht und das ist auch sinnvoll. Im Rollen ohne Last fällt der Effekt teilweise wieder ab. Eine permanente Vorspannung würde den Pedal-Kickback je nach Hinterbau bei manchen Bikes verstärken. Der Race-Modus bleibt weiterhin zu aggressiv abgestimmt. Die Leistungsentfaltung ist zu direkt und schwer zu dosieren. Deutlich stimmiger ist der eMTB+-Modus, der jetzt ebenfalls von mehr Drehmoment und Unterstützung profitiert und damit noch vielseitiger einsetzbar ist.

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Beim Extended Boost hat Bosch sinnvoll nachgeschärft: Die Nachlaufzeit lässt sich jetzt direkt in der App einstellen. Auf maximaler Stufe schiebt der Motor deutlich länger nach als bisher. Das hilft, Stufen oder Kanten sauber zu überrollen, ohne erneut antreten zu müssen. Gleichzeitig bleibt der Effekt besser kontrollierbar und weniger vom Fahrstil abhängig.

Akustisch bleibt der Motor auf bekanntem Niveau. Neu sind allerdings die Sound-Feedbacks des Trick-Checks. Im Trail-Einsatz ist das schnell störend, lässt sich aber zum Glück deaktivieren.
Wenn der Motor mehr unterstützt, braucht er auch mehr Energie vom Akku. Und wenn das Bike schneller fährt, hat der Fahrer weniger Zeit, seinen Beitrag zum Energieverbrauch zu erbringen.

Wer also dauernd mit 120 Nm und 600 % bergauf fährt, bezahlt das mit Reichweite und Reichhöhe. Leider kann auch Bosch die Physik nicht aushebeln. Am Ende hat der Fahrer aber die Entscheidung, wann er die hohe Kraft einsetzen will und kann damit mehr Fahrfreude mit nur geringen Einschränkungen erhalten.

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Wie sehr helfen mehr Drehmoment und höhere Unterstützung wirklich beim Fahren?

Unsere Messungen mit Wattmess-Pedalen zeigen: Mit 120 Nm mussten wir auf einer steilen Treppe 15 % weniger Eigenleistung erbringen, waren aber 16,3 % schneller. Die benötigte Fahrerenergie sank sogar um 31,5 %. Am Asphaltanstieg fällt der Effekt noch deutlicher aus: Bei gleicher Geschwindigkeit sank die Eigenleistung von 209 auf 86 W, also um 59 %. Unsere Tests zeigen: Auch mit gleicher Leistung kann dem Fahrer mit mehr Drehmoment und höherer Unterstützung das Fahren deutlich erleichtert oder manche Trail-Abschnitte überhaupt erst ermöglicht werden. Es geht also auch ohne krasse Superlative. Chapeau!

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Fazit zum Bosch Performance Update 2.0

Das Bosch Performance Update 2.0 ist gut, aber kein Gamechanger. Statt die maximale Leistung immer weiter nach oben zu schrauben, bleibt Bosch bei 750 W Spitzenleistung und feilt an Kontrolle, Dosierbarkeit und Haltbarkeit. Das ist sinnvoll und verantwortungsvoll. Auf Augenhöhe mit Avinox M2S ist der CX bzw. CX-R damit nicht: Dafür liegen Themen wie Bauform von Drive Unit und Akkus, Systemgewicht und Konnektivität weiterhin zu klar hinter der Spitze. Fahrtechnisch rückt Bosch aber näher ran. Gerade in technischen Uphills bringt das Update spürbar mehr Kontrolle, Traktion und Feinfühligkeit – Eigenschaften, die Bosch bereits mit der zuletzt eingeführten Traktionskontrolle deutlich verbessert hat. Der Race-Modus bleibt weiterhin zu aggressiv, doch Bosch feilt konsequent an seiner Software, macht vieles besser und punktet nach wie vor mit einem starken Händler- und Servicenetz sowie hoher Zuverlässigkeit. Die großen Schritte müssen jetzt allerdings auf Hardware-Seite kommen: kompaktere Drive Units, bessere Integration, effizientere Akkus, weniger Systemgewicht und geringere Geräuschentwicklung. Unterm Strich ist das Performance Update 2.0 ein gelungenes, kostenloses Upgrade, aber keine Revolution.

Mehr Infos findet ihr unter Bosch.de.


Words: Robin Ulbrich, Benedikt Schmidt Photos: Bosch, Tim Eckermann, Benedikt Schmidt

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