Der SX ist Boschs Antwort auf das Light-E-MTB-Segment. Er ist leichter und kleiner als sein großer Bruder CX, aber dennoch alles andere als schwach auf der Brust. Das Light-Segment soll er mit ungewöhnlich viel Maximalleistung aufmischen. Doch Leistung ist bekanntlich nicht alles!

Dieser Artikel gehört zu unserem großen Motoren-Vergleichstest 2026. Klicke hier, um alle elf getesteten Systeme, die neuesten Trends und umfangreiche Ergebnisse aus dem Labor und der Praxis zu lesen.

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Bosch Performance Line SX | 60 Nm | 600 W | 2,06 kg | Hersteller-Website

Das im Juli 2025 ausgerollte Bosch Performance-Update befeuerte nicht nur den CX-Motor mit bis zu 750 Watt und 100 Nm, sondern auch die ohnehin schon hitzige Debatte über eine mögliche Leistungsbeschränkung von E-Bike-Motoren. Mit dem neu erschienenen Software-Update der Flow App auf Version 1.30 bekommt der SX nun ebenfalls mehr Leistung. Der kleine Bruder erzielt jetzt 60 statt 55 Nm Drehmoment und liefert – wie sein großer Bruder – bis zu 400 % Unterstützungsfaktor. Nur die für das Light-Segment mit 600 Watt ohnehin schon ungewöhnlich hohe Maximalleistung blieb unverändert. Bestehen bleibt auch der Slogan zum SX: „Sportliche Leichtigkeit” soll er seinen Fahrern vermitteln. Wir finden heraus, wie viel an dieser Behauptung dran ist und wie er sich mit neuestem Update gegen seine Konkurrenz schlägt.

Der Bosch Performance Line SX im Detail – Möglichkeiten ohne Ende

Die Bosch SX-Antriebseinheit ist mit 2,06 kg stolze 750 g leichter als die des CX der fünften Generation – das soll laut Bosch den Einsatz nicht nur in Light-E-MTBs, sondern auch für E-Gravel- und E-Urban-Bikes ermöglichen.

Der SX ist wie sein großer Bruder Teil des Bosch Smart Systems. Das bedeutet, dass er mit allen Komponenten des Smart Systems kompatibel ist: Hersteller können aus zahlreichen Akkus, Remotes und Displays ihr Wunschsystem konfigurieren. Die große Auswahl an Komponenten ermöglicht einen großen Entwicklungsspielraum, den derzeit kein anderer Hersteller bieten kann. Den leichten SX-Motor mit dem großen 800-Wh-Akku zu kombinieren? Absolut möglich. Die meisten Bikes mit SX-Motor – wie auch das von uns für den Test genutzte Pivot Shuttle SL/AM – setzen jedoch auf den CompactTube 400-Akku, um ein leichtes Gesamtpaket zu erzeugen – beim Pivot bleibt die Waage bei unter 20 kg stehen. Selbstverständlich lässt sich auch der PowerMore 250-Range-Extender mit dem SX-Motorsystem nutzen und so die Reichweite variabel für längere Touren erhöhen.

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Viele Hersteller verbauen in ihren Bikes mit SX-Motor den minimalistischen Bosch System Controller. Wenn – wie hier – schon vorgesorgt worden ist, kann auch ein Kiox 400 C-Display verbaut werden.
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Kompakt und unauffällig: Die Mini Remote passt optimal zum unauffälligen Erscheinungsbild vieler Light-E-MTBs.

Auch bei der Konnektivität profitiert man als SX-Kunde vom umfangreichen und gut etablierten Bosch Smart System. Die langjährig weiterentwickelte Bosch Flow App erlaubt präzise Einstellungen der Fahrmodi und ermöglicht eine Navigationsfunktion. Zudem erlaubt sie Updates over-the-air – vorbildlich. Mit dem kostenpflichtigen Flow+-Abonnement können zusätzliche Features wie eBike Alarm, Battery Lock oder eBike Sharing freigeschaltet werden. Bei der Displayeinheit kombinieren viele Hersteller den SX mit dem minimalistischen Bosch System Controller. Mit seiner einfachen, aber funktionellen Anzeigelogik fügt er sich gut in schlank designte Rahmen ein.

Parameter Unsere Messung Herstellerangabe
Gewicht des Motors (kg) 2,058 kg 2,0 kg
(nominelle) Akkukapazität (Wh) 396 Wh 400 Wh
Ladezeit von 0 auf 100 % SOC 3 h 3 min
Unterstützungsverhältnis (%) 400 %
Maximalleistung (W) 600 W
Maximales Drehmoment (Nm) 60 Nm
Reichweite* 17,8 km
Reichhöhe* 1.413 hm

*Die Werte wurden auf einer identischen Strecke mit durchschnittlich 8,5% Steigung ermittelt – bei einer konstanten Fahrerleistung von 150 W, einem Fahrergewicht von 72 kg sowie mit standardisierten Reifen: vorne MAXXIS HighRoller (DD, MaxxGrip) und hinten MAXXIS Minion DHR II (DD, MaxxTerra)

Der Bosch Performance Line SX im Test – Hochdrehzahlmotor

Der Bosch Performance Line SX-Motor auf dem Trail

600 Watt Maximalleistung sind im Light-Segment eine echte Seltenheit und übertreffen auf dem Papier die Konkurrenten TQ mit seinen 350 Watt und FAZUA mit seinen maximal 450 Watt im Overboost deutlich. Da überrascht es umso mehr, dass der SX gerade an steilen technischen Anstiegen schwächelt. Hier zeigt der SX zwei unterschiedliche Gesichter: Beim Anfahren an steilen Passagen verlangt er trotz gesteigerten Drehmoments auf 60 Nm viel Eigenleistung, bevor die Unterstützung überhaupt einsetzt, ehe sie im Anschluss nur sehr verhalten unterstützt – das kostet Körner und verunsichert. Erst sobald man in Schwung ist, entfaltet der Motor unter höherer Kadenz eine konstant kräftige Unterstützung, die fast an Full-Power-Niveau heranreicht. Doch genau darin liegt aber die Herausforderung im technischen Uphill: Die Dosierung fällt schwer.

Bei hoher Kadenz ist zwar Leistung da, aber es ist schwierig, diese feinfühlig zu modulieren. Zudem ist es unter hohen Kadenzen knifflig, präzise über Hindernisse zu manövrieren, auch wenn der Nachlauf gut ausgeprägt ist. Bei niedriger Kadenz gelingt die Kontrolle über das Bike zwar leichter, doch hier fehlt es beim SX spürbar an Motor-Power, um steile Passagen zu meistern. Verglichen mit der Konkurrenz von TQ, FAZUA oder auch maxon ist der Bosch SX zudem lauter unterwegs.

Im „Normalbetrieb“, d. h. auf Forststraßen etc., ist der SX ein berechenbarer Antrieb, der euch mit sportlicher Fahrweise bergauf höhere Geschwindigkeiten ermöglicht – verglichen zu den Konkurrenten FAZUA und TQ. Rollt man in einer Gruppe mit Full-Power-E-MTBs auf einen Hang zu und schaltet schnell in einen leichten Gang, so schafft man es, das geringere Drehmoment mit einer höheren Trittfrequenz wettzumachen und an den größeren Motoren dranzubleiben.

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Der Bosch Performance Line SX auf dem Prüfstand

Hinweis: Den Labortest hat der Bosch SX noch vor dem Performance-Update durchlaufen.

Im Labortest landet der Bosch SX beim Wirkungsgrad unauffällig im Mittelfeld des Testfelds. Negativ fällt jedoch das Derating-Verhalten auf: Nach nur 6 Minuten zeigt sich beim SX eine deutliche Leistungseinbuße. Danach bleibt das Leistungsniveau des SX stabil, bis nach etwa 27 Minuten die Leistung weiter gedrosselt wird. Im Test zeigte nur der Bosch CX-R ein noch früheres Derating-Verhalten.

Beim Uphill Speed bei einer simulierten Steigung von 15 % und einer Fahrerleistung von 250 Watt ist der Bosch SX kaum schneller als der FAZUA Ride 60. Erklären lässt sich das auch anhand der gemessenen Motoroutput-Leistungen bei unterschiedlichen Fahrerleistungen. Bei einer Testkadenz von 75 U/min liefert der Bosch sehr ähnliche Unterstützung wie der FAZUA Ride 60.

Das zeigt deutlich, dass man als Fahrer von der höheren Motorleistung nur bei entsprechend sportlicher Fahrweise mit höheren Kadenzen profitiert. Bosch gibt selbst eine maximale Motorleistung von 400 W bei einer Kadenz von 70 U/min an. Vom benannten Drehmoment von 55 Nm konnten wir nur 42 Nm messen. Auch hier könnte eine hohe eingestellte Motordynamik und das bei diesen Prüfungen sehr hohe Pendeln der Fahrerleistung um +/-80 % zur Beschränkung der Maximalwerte geführt haben.
In der Geräuschanalyse ist der SX auffallend tonal und bergauf sogar mit am lautesten in der Einzelfrequenz um 600 Hz.

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Tuning-Tipp für Hersteller: Ein besseres Anfahrverhalten für steile Anstiege wäre hilfreich.

Für wen ist der Bosch Performance Line SX, für wen nicht?

Der Bosch SX-Motor ist der richtige Motor für alle, die leichte Bikes präferieren und gleichzeitig die Vorteile des umfangreichen und zuverlässigen Bosch-Ökosystems nutzen möchten. Zudem passt er gut zu sportlichen Fahrern, die trotz E-Bike körperlich gefordert sein möchten. Seid ihr bereit, etwas mehr in die Pedale zu treten, und könnt ihr auf Shuttle-Feeling verzichten? Dann ist der Bosch Performance Line SX eine gute Wahl. Vorausgesetzt, man ist mit entsprechend hoher Trittfrequenz unterwegs, sodass man das geringere Drehmoment im Vergleich zum CX durch höhere Drehzahl kompensiert.

Für Freunde von technischen Climbs fehlt ihm ein besseres Anfahrverhalten sowie eine bessere Dosierbarkeit. Wer genau hier seinen Schwerpunkt setzt, wird im SX vermutlich nicht den idealen Partner finden. Abseits dieser Extremsituationen präsentiert er sich jedoch als berechenbarer, kräftiger und spaßiger Antrieb – gerade auf Forststraßen oder im normalen Trail-Alltag. Auch für lange Touren eignet sich der Motor in Verbindung mit den seltenen verbauten, aber möglichen 600-Wh-Akkuoptionen sehr gut.

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Fazit zum Bosch Performance Line SX

Der Bosch Performance Line SX stellt einen gelungenen Kompromiss aus niedrigem Gewicht und hoher Unterstützungsleistung bei sportlicher Fahrweise dar. Er fordert Einsatz, belohnt hohe Kadenzen mit kräftigem Punch und verkörpert Boschs Idee von aktiver Fahrbeteiligung. Er überzeugt mit guter Unterstützung bei aktiver Fahrweise, guter Smart-System-Integration und globalem Service-Netzwerk. In technischen Anstiegen zeigt der SX-Motor klare Schwächen und bleibt hier trotz höherer Maximalleistung hinter seinen direkten Konkurrenten zurück und ordnet sich in der unteren Hälfte des Testfelds ein.

Tops

  • gutes Leistungsgewicht
  • belohnt aktive Fahrweise mit viel Power
  • Teil des Bosch-Ökosystems

Flops

  • Anfahrverhalten im steilen Gelände
  • weniger schick zu integrieren als die Konkurrenz
  • lauter als die Konkurrenz
  • frühes Derating

Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Bosch.


Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist der beste E-Bike-Motor 2026? E-Bike-Motoren-Test mit 11 Modellen im Vergleich

Alle Motoren im Test:

Avinox M1, Bosch Performance Line CX Gen5, Bosch Performance Line CX-R, Bosch Performance Line SX, FAZUA Ride 60, Mahle M40, maxon Air S, Pinion MGU E1.12, Shimano EP801, S-Works 3.1, TQ HPR60

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Words: Lars Engmann Photos: Peter Walker