Bosch präsentiert ein Software Update für den Performance Line CX-Motor und weitere Modelle, das neben einem um 10 Nm gesteigerten Drehmoment auch zahlreiche Verbesserungen im Fahrverhalten verspricht. Wir haben das Software-Update für den CX-Motor intensiv in zwei identischen FOCUS JAM² im direkten Vergleich gegen die alte Software getestet. Was sich ändert und ob sich das Upgrade lohnt, erfahrt ihr hier!

Bevor wir in den Testbericht einsteigen, möchten wir dich noch kurz auf unsere frisch erschienene Jahresausgabe hinweisen. Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

„Alt“ gegen „Neu“ – das Software-Update haben wir im direkten Vergleich in zwei identischen FOCUS JAM² E-Mountainbikes getestet. Links im Bild E-MOUNTAINBIKE-Testchef Felix Stix, rechts Christoph Schumacher, Produktmanager Performance Line CX bei Bosch.

Ein Jahr nach dem Launch des neuen Performance Line CX 2020 hat Bosch ein neues Software-Update für alle aktuellen eBike-Motoren vorgestellt, mit denen das Fahrverhalten ihres Motoren-Line-ups deutlich besser an das jeweilige Einsatzgebiet angepasst werden soll. Die Charakteristik vom Cargo Line-Motor bis hin zum klassischen Performance-CX-Motor soll so noch ausdifferenzierter sein und mehr Fahrdynamik bieten. Wir hatten bereits vorab die Möglichkeit, das neue Software-Update über einige Wochen in verschiedenen Bikes auf unterschiedlichem Terrain und im direkten Vergleich zur alten Software zu testen.

Darüber hinaus haben wir den Bosch Performance Line CX mit dem Software-Update auch bereits gegen die wichtigsten anderen Motoren getestet. Wie sich der Bosch-Motor gegen die Konkurrenz von Brose, Shimano und Co schlägt, erfahrt ihr in unserem großen Motor-Vergleichstest.

Die neue Bosch-Firmware liefert 10 Nm mehr Drehmoment

Seit der Vorstellung des aktuellen Bosch Performance Line CX im Juni 2019 haben die Bosch-Ingenieure die Motorsoftware weiter verfeinert. Vor allem für den sportiven Einsatz am E-Mountainbike soll der Performance Line CX mit dem neuesten Software-Update noch besser sein. Bei unveränderter Hardware liefert der Motor jetzt bis zu 85 Nm statt 75 Nm Drehmoment und soll somit vor allem bei niedrigen Trittfrequenzen kraftvoller sein. Doch sowohl die Maximalleistung als auch die 340 % maximale Unterstützung im Turbo- und eMTB-Modus bleiben unverändert. Auch wenn das gesteigerte Drehmoment viel Einfluss auf das Fahrverhalten bei niedrigen Trittfrequenzen haben soll, lag das Hauptaugenmerk auf der Verfeinerung des eMTB-Modus. Er soll jetzt noch besser für den Einsatz auf dem Trail abgestimmt sein, indem er seine Leistung jetzt noch dynamischer bereitstellt, schneller auf den Input am Pedal reagiert und noch leichter zu dosieren ist. Vor allem an Hindernissen auf dem Trail soll die neue Extended Boost-Abstimmung für einen situationsbedingt längeren Nachlauf sorgen und das E-Mountainbike über Hindernisse schieben. Auch der nutzbare Trittfrequenzbereich wurde nach oben verschoben, damit dem Performance Line CX beim kurzen Beschleunigen vor einem Hindernis nicht die Puste ausgeht. Laut Bosch soll das Update keinen spürbaren Einfluss auf die Reichweite oder den Verschleiß des Motors haben, da die vollen 85 Nm Drehmoment nur in sehr kleinen beziehungsweise kurzen Kraftspitzen anliegen.

„Nachdem die Hardware stand, hatten wir jetzt ein Jahr Zeit, das Fahrverhalten im eMTB-Modus noch besser für die Begebenheiten auf den Trails abzustimmen.“ – Christoph Schumacher, Produktmanager Performance Line CX Bosch eBike Systems

Lohnt sich das Update? “Alt” gegen “Neu” im direkten Vergleich

Nicht nur der Motor, sondern auch das E-Mountainbike und seine verbauten Komponenten haben einen riesigen Einfluss auf das Fahrgefühl des Motors. Ein ineffizienter Hinterbau, zu schwach profilierte Reifen oder super schwere und damit träge Laufräder sind nur einige Beispiele, die einen riesigen Einfluss auf die subjektiv wahrgenommene Motorcharakteristik haben. Um all diese Störfaktoren zu minimieren und all die kleinen Unterschiede zwischen der alten und neuen Bosch-Motorsoftware zu erfahren haben wir auf zwei nahezu identischen E-Mountainbikes getestet. Das FOCUS JAM² 6.8 Nine kombiniert den Bosch Performance Line CX mit einem internen 625-Wh-PowerTube-Akku. Die 150 mm Federweg werden von einem FOX Fahrwerk bereitgestellt. Als Einheitsreifen entschieden wir uns aufgrund der feuchten Bedingungen am Hinterrad für Schwalbes Magic Mary in 29” x 2,6” und der ADDIX Soft Gummimischung.

Während einer unserer Vergleichsfahrten hatten wir ideale – nämlich super rutschige – Bedingungen, um die Dosierbarkeit und das Ansprechverhalten zu testen

Sind die zusätzlichen 10 Nm Drehmoment durch das neue Bosch Software-Update spürbar?

Wer durch das Software-Update einen deutlich stärkeren Motor erwartet, den müssen wir enttäuschen. Klar liefert der Bosch Performance Line CX mit Update 10 Nm mehr Drehmoment, doch im direkten Vergleich fällt der Unterschied in vielen Fahrsituationen kaum auf. Denn das maximale Level an Unterstützung liegt nach wie vor bei 340 % und auch die maximale Motorleistung bleibt unverändert. Auf dem Trail fällt das zusätzliche Drehmoment selbst im Turbo Modus bei höheren Trittfrequenzen entsprechend nicht auf, da der Motor dann bereits bei geringerem Drehmoment seine maximale Leistung erreicht. Erst bei niedrigeren Trittfrequenzen unterhalb von ca. 70 Umdrehungen pro Minute ist ein Unterschied zwischen der „alten“ und „neuen“ Software spürbar. Auf dem Trail bringt das vor allem an kurzen Zwischenanstiegen oder beim Beschleunigen aus Kurven echte Vorteile, da der Bosch-Motor dann auch bei falscher Gangwahl – und somit niedriger Trittfrequenz – spürbar kraftvoller und dynamischer beschleunigt.

„So viel mehr Power hat der neue ja gar nicht!“ Unser Testchef Felix und Bosch Performance CX Produktmanager Christoph fachsimpeln über den Zusammenhang von Drehmoment, Trittfrequenz und Leistung.

Mit dem Software-Update hat Bosch den bereits besten progressiven Unterstützungsmodus am Markt noch besser gemacht. Am Bosch eMTB-Modus müssen sich alle anderen Motorenhersteller messen.

Am E-Mountainbike ist aber nicht die Steigerung des Drehmoments, sondern der neu abgestimmte eMTB-Modus der Star des Software-Updates. Bereits vor dem Update galt er als die beste progressive Unterstützungsstufe und wurde jetzt noch einmal verbessert. Wie zuvor kann er je nach Fahrer-Input sein Level an die Unterstützung zwischen den Modi Tour (140 %) und Turbo (340 %) anpassen. Bislang waren der Turbo- und eMTB-Modus beim Anfahren recht ähnlich, mit dem neuen Bosch Software-Update sind die Unterschiede zwischen den beiden Modi jetzt wieder deutlich ausdifferenzierter. Beim Anfahren reagiert der eMTB-Modus deutlich subtiler und dem Fahrer-Input angemessen, was ihn sehr kontrollierbar und berechenbar macht. So kann die gesteigerte Motorkraft auch bei rutschigen Bedingungen noch gefühlvoller auf den Trail gebracht werden: durchdrehende Hinterreifen, ade! Mit dem Update lässt sich der Performance Line CX sowohl an steilen Rampen als auch auf dem Trail noch intuitiver mit dem Druck am Pedal dosieren und trifft mit der automatisch gewählten Unterstützung fast immer ins Schwarze. Einzig bei sehr leichten Fahrern reagiert der Motor etwas zu stark auf den Input und schiebt so auf flacheren Trails ungewollt stürmisch an. Hier wären eine individuelle Feinabstimmung der Unterstützungsstufen – z. B. über eine App – sinnvoll.

Mit dem Software-Update lässt sich der Bosch Performance Line CX jetzt noch besser dosieren, …
… das hilft nicht nur beim Wheelie, sondern vor allem in steilen und rutschigen Passagen bergauf

Im technischen Uphill erleichtert das Extend Boost-Feature das Erklimmen von Stufen, Absätzen oder rutschigen Wurzeln. Die Sensorik erkennt, wenn der Fahrer vor einem Hindernis für kurze Zeit besonders stark in die Pedale tritt, und unterstützt ihn nicht nur mit der entsprechenden Motorpower, sondern auch mit einem längeren Nachlauf. Das bedeutet: Wenn der Fahrer kurzzeitig das Pedalieren unterbricht, um beispielsweise nicht mit dem Pedal hängen zu bleiben, oder wenn er sein Körpergewicht weit nach vorne verlagert, um die Kante zu erklimmen, schiebt der Motor weiter an und hilft über das Hindernis. Auch ohne das Software-Update konnte der Performance Line CX mit seinem Nachlauf schon über technische Hindernisse hinweghelfen. Allerdings fiel er danach in ein kurzes Leistungsloch, bei dem er erst wieder neu auf den Input am Pedal reagieren musste. Genau dieser Übergang zwischen aussetzendem Pedalieren bei vollem Nachlauf und gleichbleibender Motorunterstützung beim Weitertreten nach dem Hindernis gelingt dem Performance CX mit der neuesten Software extrem gut. Zusätzlich hat Bosch den Kadenzbereich nach oben erweitert. Dadurch unterstützt der Motor auch noch bei sehr hohen Trittfrequenzen, z. B. beim Fahren in eine Senke oder beim Beschleunigen vor Hindernissen, und fühlt sich dadurch noch natürlicher an.

An vielen Hindernissen bergauf ist das richtige Pedal-Timing gefragt, um nicht hängen zu bleiben. Der neue eMTB-Modus performt in solchen Fahrsituationen dank Extended Boost jetzt noch besser, indem er die Fahrsituation erkennt und bei kurzen Tretunterbrechungen weiter anschiebt.

Ist das neue Bosch-Update mit meinem Motor kompatibel und wie bekomme ich es?

Das neue Software-Update ist nur für den aktuellen Bosch Performance Line CX-Motor der vierten Generation verfügbar. Alle Modelle aus dem Modelljahr 2020 sind damit kompatibel. Auch für andere Motoren der neuesten Generation, wie z. B. der Cargo Line oder Performance Line Speed, erhalten ein Software-Update zur Drehmomentsteigerung, kommen aber ohne eMTB-Modus.
Wie bei Bosch üblich, können tiefgreifende Systemveränderungen nur vom Fachhändler mit spezieller Software vorgenommen werden. Ein Update Over-the-air zu Hause mithilfe des Smartphones ist nicht möglich. Bei S-Pedelecs mit dem Performance Line Speed darf aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen nur der Bike-Hersteller selbst Änderungen an der Motorsoftware vornehmen.

Die neue Motorsoftware ist nur mit dem aktuellen Bosch Performance Line CX 2020 (Gen4) kompatibel. Der alte Motor wird nicht mehr unterstützt.

Was kostet das neue Bosch-Update und ab wann ist es verfügbar?

Das Software-Update wird von Bosch kostenfrei zur Verfügung gestellt. Allerdings kann und darf es nur euer Händler auf eurem E-Mountainbike installieren. Ob und wie viel euch dafür berechnet wird, obliegt dem Händler. Der Zeitaufwand für das Update liegt bei rund 15 Minuten. Sollte bei euch ohnehin ein Werkstatttermin für einen anderen Service an eurem E-Mountainbike anstehen, kann der Händler diesen sicherlich mit einem Software-Update kombinieren. Die neue Motorsoftware steht ab Mitte Juli bei eurem Händler für euch bereit.

Beim aktuellen Andrang auf die Bike-Händler solltet ihr euch am besten sofort einen Service-Termin für das Update sichern.

Das Software-Update wird vom Händler mit dem Bosch DiagnosticTool auf euer E-Mountainbike aufgespielt
Updates Over-the-air, oder zumindest vom heimischen Rechner sind noch nicht möglich

Bosch hat weiterhin einige Hausaufgaben zu machen

Mit der neuen Motorsoftware festigt Bosch die Position des Performance Line CX in Sachen Fahrdynamik und Trail-Performance an der Spitze. Der eMTB-Modus erwies sich bereits vor dem Update als der beste progressive Unterstützungsmodus in unserem großen Motoren-Vergleichstest und ist in der neuesten Version noch besser. Mit dem Update hätten wir uns auch individuell konfigurierbare Unterstützungsstufen, wie sie z. B. bei Shimano oder Specialized via App möglich sind, gewünscht. Auch an der Hardware und der Integrierbarkeit des Performance Line CX in das Gesamtsystem hat sich mit dem Update nichts geändert. Wir sind gespannt, wann und wie Bosch Themen wie externe Geschwindigkeitssensoren, Klappergeräusche und exponierte Displays verbessert.

Das nervige Klappern aus dem Inneren des Motors in Downhill-Passagen bleibt vorerst bestehen. Wir hoffen, dass Bosch hier bald nachbessert.

Bosch Cargo Line und Performance Line Speed bekommen auch ein Update

Was ist besser als Drehmoment? Mehr Drehmoment! Das gilt vor allem, wenn man schwere Lasten transportiert. Aber auch nur, wenn man die Power kontrolliert auf die Straße bringt. Die Bosch Cargo Line-Motoren der neuesten Generation bringen es dank Software-Update nun ebenfalls auf 85 Nm. Das hilft vor allem, um bei niedriger Trittfrequenz nicht am Berg stecken zu bleiben. Doch auch sonst zeigt sich die Charakteristik des Motors nach dem Update deutlich dynamischer, sportlicher und agiler – wie wir in einem exklusiven Vorab-Test für unser neues DOWNTOWN Magazin bereits erfahren konnten, das Anfang Juli erscheinen wird. Vor dem Update war die Abstimmung spürbar träger und mehr auf Fahrsicherheit bedacht.

Auch die S-Pedelecs bis 45 km/h mit dem Performance Line Speed können nach dem Update mit 10 Nm mehr Drehmoment aufwarten. Leider konnten wir den neuesten Softwarestand noch nicht für euch testen. Denn hier obliegt das Update dem Fahrradhersteller, der alle Änderungen am Bike erst homologieren muss.

Auch der Bosch Cargo Line bringt es dank Software-Update auf 85 Nm Drehmoment

Wie sich der Bosch Performance Line CX gegen die anderen Motoren schlägt, erfahrt ihr in unserem großen Motor-Vergleichstest

Mehr Infos zum Bosch-Software-Update findet ihr unter bosch-ebike.com


Endlich da: Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Text: Felix Stix Fotos: Robin Schmitt

Über den Autor

Felix Stix

Felix ist Testchef und unbestritten einer der besten Testfahrer der Welt. Mit seinem abgeschlossenen Sports-Engineering-Studium, exzellenten MTB-Skills, einer Bike-Guide-Ausbildung und seiner Liebe zur Technik hat Felix alles, was es für eine umfassende und faire Beurteilung von Bikes braucht. Seine legendären Vergleichstests sind international bekannt und gefürchtet, werden aber aufgrund der ausführlichen Erläuterungen und technischen Erklärungen gerne mal ein bisschen länger. Pro Jahr testet er rund 100 Bikes, seine Spezialgebiete sind Reifen, Motoren, Fahrwerke – und im Winter auch Ski! Sein Know-how fließt in jeden unserer Tests mit ein und trägt so zur hohen redaktionellen Qualität bei.