Jetzt wird es real: Die Chinesen erobern mit dem neuen Avinox M2S-System wie im Sturm den Markt. Doch der beste Motor ist nur so gut, wie das Bike in dem er steckt – und hier kann es riesige Unterschiede geben. Welches Avinox-Bike passt wirklich zu dir – und für wen ist das System überhaupt die richtige Wahl?

Inhaltsverzeichnis

  1. Markt und Industrie
  2. Was wir aus acht Avinox-E-MTBs gelernt haben
  3. Alle Avinox E-MTBs:
  4. Das neue Atherton S.170E
  5. Das neue Megamo Reason CRB 01
  6. Das neue Pivot Shuttle AMPD
  7. Das neue AMFLOW PX Carbon Pro
  8. Das neue AMFLOW PR Carbon Pro und PR Carbon
  9. Das neue Mondraker Zendit RR S
  10. Das neue RAYMON Tarok Ultra
  11. Das neue Thömus Oberrider
  12. Fazit

Bikes mit neuen Avinox-M2S oder M2-Motor strömen gerade in den Markt. Wo früher vor allem etablierte Namen und bekannte Plattformen das Segment dominiert haben, tauchen plötzlich neue Bikes, neue Marken und neue Konzepte auf, die alle eines gemeinsam haben: das Avinox M2S oder M2-Motorsystem.

Spannend ist dabei nicht nur der Motor selbst, sondern das, was um ihn herum passiert. Denn die aktuelle Avinox-Welle kommt nicht aus der breiten Mitte des Marktes, sondern vor allem von kleineren Marken, die schnell entwickeln, mutig denken und das System konsequent in moderne, leistungsorientierte E-MTB-Konzepte übersetzen. Große Volumenhersteller halten sich bislang noch zurück.

Doch je mehr Avinox-Bikes auf den Markt drängen, desto klarer wird auch: Avinox-Bike ist nicht gleich Avinox-Bike. Gleiches Motorsystem heißt noch lange nicht gleiches Fahrgefühl. Geometrie, Federweg, Kinematik, Gewicht und Akku-Setup prägen jedes dieser Bikes ganz unterschiedlich. Und genau deshalb ist es völliger Quatsch, auf die reine Motorleistung zu schauen. Die entscheidende Frage lautet: Welches Avinox-E-MTB passt wirklich zu deinem Einsatzbereich und für wen ist dieses System überhaupt die richtige Wahl?

Markt und Industrie

Der Avinox-Boom zeigt gerade sehr deutlich, wie asymmetrisch sich der E-MTB-Markt entwickelt. Während vor allem kleinere und ambitionierte Marken schnell aufspringen, bleiben die ganz großen Stückzahlentreiber bislang zurückhaltend. Große Brands wie Trek, MERIDA oder auch Haibike haben öffentlich derzeit keine Avinox-E-MTBs im Programm, und auch bei Herstellern die auf eigenentwickelte Motor-Systeme in ihren Bikes setzen wie GIANT oder Specialized deutet aktuell wenig darauf hin, dass sie kurzfristig auf das Avinox-System wechseln. Gleichzeitig wächst die Liste an Marken, die Avinox offensiv einsetzen, spürbar weiter.

Auffällig ist dabei auch, wo Avinox im Markt andockt: aktuell noch weniger in gemütlichen Touring-Konzepten, sondern vor allem in sportlichen, leistungsorientierten Full-Power-E-MTBs. Und oft genau dort, wo man im bisherigen Portfolio sonst einen Bosch-Antrieb vermutet hätte. Das ist kein Zufall. Avinox zielt klar auf Rider, die maximale Unterstützung, hohe Systemtiefe und ein modernes, schlankes Bike-Layout wollen – also auf ein Publikum, das bislang oft zwischen Bosch-Zuverlässigkeit, Specialized-Integration und Connectivity und Light-E-MTB-Ästhetik wählen musste.

Was wir aus acht Avinox-E-MTBs gelernt haben

Nach acht unterschiedlichen Avinox-Bikes wird eines schnell klar: Der Motor ist nur die halbe Geschichte. Ja, das System liefert brutal viel Power, hohe Systemtiefe und ein sehr modernes digitales Ökosystem. Noch spannender ist aber, was es mit den Bikes macht. Avinox ermöglicht aktuell einige der cleansten und kompaktesten Full-Power-Layouts am Markt. Die Bikes sind oft aufgeräumter, schlanker als viele etablierte Full-Power-Bikes.

Dazu kommt: Der neue 700-Wh-Akku ist für viele Konzepte gerade der Sweet Spot. Er liefert die volle Systemperformance, spart gegenüber größeren Batterien Volumen und Gewicht und macht Bikes mit Avinox nicht nur brachial schnell, sondern oft auch überraschend harmonisch im Gesamtpaket. Genau deshalb unterscheiden sich die Räder trotz gemeinsamer Basis so stark.

Best eMTB Test 202 Tremp Spain PW WEB 1292

Unser wichtigstes Learning: Avinox ist kein Selbstläufer. Das System kann ein Bike nach vorn katapultieren – oder es in Richtung Overkill kippen lassen. Entscheidend ist, wie gut Marke, Chassis und Einsatzbereich zusammenpassen.

Genau das macht die neue Antriebsgeneration spannend: Mit den neuen Avinox-Bikes wächst nicht nur die Auswahl, sondern auch der Erklärungsbedarf. Denn je nach Geometrie, Federweg, Charakter und Einsatzbereich fühlt sich nicht jedes Modell gleich an. Wir zeigen euch, welche Avinox-Bikes es aktuell gibt, wie sie sich unterscheiden und für wen welches Konzept am meisten Sinn ergibt.

Alle Avinox E-MTBs

Das neue Atherton S.170E

Atherton S170E Avinox First Test WEB
Atherton S.170E | Avinox M2S/700 Wh | 180/170 mm (v/h) | 24 kg in Größe 8 | 8.549,05 € | Hier geht’s zum Test

Das Atherton S.170E ist kompromisslos auf Abfahrts-Performance ausgelegt. Viel Traktion, enorme Laufruhe und ein äußerst potentes Fahrwerk machen es vor allem auf anspruchsvollen Trails und bei hohem Tempo stark. Verspieltheit, Tourenkomfort und eine entspannte Sitzposition rücken dabei etwas in den Hintergrund. Trotzdem ist das Bike nicht sperrig oder einschüchternd, sondern überraschend zugänglich und berechenbar. Das S.170E ist damit ein konsequentes Gravity-E-MTB für alle, die bergab Präzision, Ruhe und maximale Kontrolle suchen.

Das neue Megamo Reason CRB 01

Megamo Reason CRB Test E MTB WEB 6437
Megamo REASON | Avinox M2S/700 Wh | 160/160 mm (v/h) | 22,04 kg in Größe M | 10.999 € | Hier geht’s zum Test

Das Megamo Reason Crb 01 richtet sich an alle, die ein leichtes E-Mountainbike mit lebendigem, verspieltem Handling suchen. Es überzeugt mit intuitivem Fahrverhalten, viel Fahrspaß und genug Reserven, um auch in technischem und grobem Gelände nicht überfordert zu wirken. Damit funktioniert es auf Flowtrails ebenso gut wie auf anspruchsvolleren Trails. Durch die verschiedenen Ausstattungsvarianten spricht das Reason zudem eine vergleichsweise breite Zielgruppe an.

Das neue Pivot Shuttle AMPD

Pivot Shuttle AM PD Test E MOUNTAINBIKE WEB 1557
Pivot Shuttle AMPD | Avinox M2S/800 Wh | 160/150 mm (v/h) | 21,5 kg in Größe L | 11.999 € | Hier geht’s zum Test

Das Pivot Shuttle AMPD richtet sich an alle, die ein vielseitiges E-Mountainbike mit ausgewogenem Charakter suchen. Bergauf überzeugt es mit einer effizienten Kletter-Performance, bergab mit agilem Handling, viel Grip und einem hohen Maß an Kontrolle. Trotz des im Vergleich zu vielen anderen Bikes geringeren Federwegs ist es auf dem Trail dennoch potent und überraschend souverän. Unterm Strich ist das Shuttle AMPD ein gelungener Allrounder, der Agilität und Laufruhe stimmig miteinander verbindet.

Das neue AMFLOW PX Carbon Pro

Amflow PX Carbon Pro 2026 Test E MOUNTAINBIKE WEB PS
AMFLOW PX Carbon Pro | Avinox M2S/700 Wh |160/150 mm (v/h) | 21,4 kg in Größe L | 9.999 € | Hier geht’s zum Test

Das AMFLOW PX Carbon Pro zielt auf Fahrer, denen das PL bergab zu brav bleibt, die aber weder das niedrige Gewicht noch die starke Kletter-Performance aufgeben wollen. Es bringt spürbar mehr Ruhe und Stabilität in die Abfahrt, ohne seinen sportlichen, effizienten Charakter zu verlieren. Damit ist das PX kein plumper Mini-Endurist, sondern ein schnelles Performance-E-MTB mit deutlich mehr Rückgrat für harte Trails, alpine Tage und gemischtes Terrain. Dazu kommt die unauffällige, fast analoge Silhouette, die dem Bike trotz seiner klaren Leistungsorientierung eine angenehm zurückhaltende Präsenz gibt.

Das neue AMFLOW PR Carbon Pro und PR Carbon

Amflow PR Carbon Pro 2026 Test E MOUNTAINBIKE WEB 5846 1
AMFLOW PR Carbon Pro | Avinox M2S/800 Wh | 160/150 mm (v/h) | 24,2 kg in Größe L | 5.899 € | Hier geht’s zum Test

Das AMFLOW PR Carbon Pro ist kein radikales Trail-Werkzeug fürs reine Ballern, sondern ein erstaunlich zugänglicher Allrounder mit klarer Komfort- und Alltagsausrichtung und das für einen erstaunlich erschwinglichen Preis. Bergauf profitiert es massiv vom brachial starken, dabei angenehm kontrollierbaren Avinox-Antrieb, bergab bleibt es gutmütig, agil und leicht zugänglich. Statt mit maximalen Downhill-Eigenschaften zu protzen, setzt das PR auf Vielseitigkeit, intuitive Fahreigenschaften und einen agilen Fahrcharakter.

Das neue Mondraker Zendit RR S

Mondraker Zendit Test E MOUNTAINBIKE WEB 1678
Mondraker Zendit RR S | Avinox M2S/800 Wh | 170/165 mm (v/h)
23,24 kg in Größe M/L | 10.499 € |Hersteller Website

Das Mondraker Zendit RR S ist ganz klar auf Tempo, Ruhe und Kontrolle getrimmt. Seine Stärke liegt nicht in verspieltem Handling oder schnellen Richtungswechseln, sondern darin, selbst auf rauen Trails stoisch die Linie zu halten und bei hohem Speed enorm viel Sicherheit zu vermitteln. Genau dort fühlt es sich am wohlsten: wenn der Untergrund ruppig wird, die Schläge härter einschlagen und andere Bikes nervöser reagieren. Bergauf bleibt das Zendit trotz seiner klaren Downhill-Ausrichtung komfortabel und traktionsstark. Wer ein souveränes E-MTB mit klarer Abfahrtspriorität sucht, findet hier eine extrem vertrauenserweckende Plattform. Wer dagegen ein lebendiges, leichtfüßiges Bike für Airtime und Spielereien sucht, ist hier falsch.

Das neue RAYMON Tarok Ultra

Raymon Tarok Test Avinox E MTB WEB 5925 1
RAYMON Tarok Ultra | Avinox M2S/700 Wh | 160/150 mm (v/h) | 22 kg in Größe L (Herstellerangabe) | 7.499 € | Hier geht’s zum Test

Das RAYMON Tarok fährt bergauf dank kraftvolle Avinox-Antrieb leichtfüßig, die hohe Traktion des Hinterbaus und die sportlich-effiziente Sitzposition machen es zu einem ausgesprochen starken Kletterer. Gleichzeitig bleibt es auf dem Trail vielseitig, gut kontrollierbar und angenehm unkompliziert. Das Handling ist intuitiv, die Laufruhe solide, und vor allem auf flowigen und schnelle Passagen mit vielen Richtungswechseln spielt das Bike seine Stärken aus. Besonders stark ist dabei seine direkte, einfache Art: keine Flip-Chips, keine komplexen Setups, kein langes Herumprobieren – einfach draufsetzen und fahren. Genau diese Mischung aus Uphill-Stärke, Vielseitigkeit und Einfachheit macht das Tarok so stimmig.

Das neue Thömus Oberrider

Thoemus Oberrider Avinox Test E MTB WEB 6201
Thömus Oberrider | Avinox M2S/800 Wh | 170/160 mm (v/h) | 5.490 CHF | Hier geht’s zu den News

(unser Fahreindruck zum neuen Thömus Oberrider folgt in den nächsten Wochen)

Mit dem neuen Thömus Oberrider erweitert der Schweizer Hersteller sein Portfolio um zwei E-Mountainbikes auf Basis des Avinox M2S-System. Die neu entwickelte Carbonrahmen-Plattform kommt als SL mit 150 mm Federweg für den Trail-Einsatz und als ST mit 170 mm für härtere Enduro-Abenteuer. Spannend wirkt vor allem die variable Dämpferaufnahme, über die sich der Federweg anpassen lässt, ergänzt durch einen Progression-Flip-Chip. Dazu kommt eine austauschbare Brücke im Hinterbau, mit der sich der Flex beeinflussen lässt – ein Ansatz, den man sonst eher aus dem Downhill-Rennsport kennt. Ebenfalls auffällig: die Wahl zwischen 600- und 800-Wh-Akku, der tief liegende Schwerpunkt und ein umfangreicher Konfigurator mit vielen Individualisierungsoptionen. Unter 20 kg in der leichtesten Ausstattung, Montage in Oberried bei Bern und ein Einstiegspreis ab 5.490 CHF machen das Oberrider auf dem Papier zu einem sehr spannenden Neuzugang – wie stimmig das Gesamtpaket auf dem Trail wirklich ist, muss ein Test allerdings erst zeigen.

Fazit

Der Launch des Avinox M2S und M2-Motorsystems bringt wieder einmal frischen Wind in den Markt. Das neue M2S-System liefert brutal viel Power, bei hoher Dosierbarkeit, starke Konnektivität und ermöglicht extrem schlanke Full-Power-Bikes – doch: Der Motor allein macht noch kein gutes E-MTB. Unsere acht Bikes zeigen deutlich, wie weit die Charaktere trotz identischem Antriebssystem auseinanderliegen.

Unterm Strich ist Avinox vor allem für Rider spannend, die maximale Unterstützung, ein modernes digitales Ökosystem und ein sportliches, leistungsorientiertes E-MTB suchen, und das Potenzial davon auch nutzen. Wer dagegen ein besonders natürliches Fahrgefühl oder ein bewusst reduziertes Bike-Erlebnis priorisiert, sollte nicht blind auf den aktuellen Hype aufspringen. Avinox ist derzeit eines der spannendsten Motorsysteme am Markt – aber eben kein Selbstläufer. Das beste Avinox-Bike ist nicht das mit der höchsten Leistung, sondern dass, dessen Charakter wirklich zu dir und deinem Fahrstil passt.


Words: Robin Ulbrich, Benedikt Schmidt Photos: diverse

E-MOUNTAINBIKE Magazine

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