Dieser Artikel gehört zu unserem großen Motoren-Vergleichstest 2026. Klickt hier, um alle elf getesteten Systeme, die neuesten Trends und umfangreiche Ergebnisse aus dem Labor und der Praxis zu lesen.

Forbidden, UNNO, ROTWILD, Crestline, COMMENCAL, Megamo – die Liste an Brands, die auf den chinesischen Avinox M1 setzen, wächst rasant. Und das zurecht: Der Vorjahressieger hat eindrucksvoll bewiesen, dass brutale Leistungsdaten und fein dosierbare Power kein Widerspruch sein müssen.
Doch der Druck wächst. Immer mehr Hersteller bringen neue Motoren auf den Markt und etablierte Player wie Bosch und Specialized fordern mit Power-Updates ihrer Motoren die Vormachtstellung des Avinox M1 heraus. Mit dem großen Leistungs-Update im Mai 2025 hat Avinox nicht nur die Peak Power weiter angehoben, sondern auch einen klaren Strategiewechsel vollzogen: Das ehemalige DJI-Entwicklungsteam tritt nun als eigenständige Marke unter dem Namen Avinox auf, ist aber weiterhin das Tochterunternehmen von DJI. Wir haben den Avinox M1 im Labor und auf dem Trail gegen den Bosch Performance Line CX-R, S-Works 3.1 und acht weitere Systeme antreten lassen. Ob er sich erneut aufs Podium katapultiert?
Der Avinox M1-Motor im Detail – Superlative
In unserem Motoren-Vergleichstest trägt das von dem Motorenhersteller gleichzeitig entwickelte AMFLOW PL Carbon Pro den Avinox M1 im Tretlagerbereich. Die Integration ist für einen Full-Power-Motor superschick gelungen und lässt erst auf den zweiten Blick auf ein E-MTB schließen. Damit gehört der Antrieb zusammen mit dem MAHLE M40 zu den am besten integrierten Full-Power-Systemen am Markt. Nur der leistungsschwächere maxon AIR Drive S versteckt sich noch unauffälliger im Rahmen. Die Eckdaten des Avinox M1 lesen sich stark und mit großen Augen: 120 Nm maximales Drehmoment, 1.000 Watt Peak Power und 800 % Unterstützungsverhältnis markieren die Spitze im Testfeld. Wer vermutet, dass sich diese Leistungswerte negativ aufs Gewicht auswirken, liegt daneben. Mit 2,56 kg ist der Avinox M1 der leichteste Full-Power-Motor im Test und knapp 50 g leichter als der MAHLE M40.
Als Energiequelle dienen dem System entweder der große 800-Wh-Akku oder die kleinere 600-Wh-Batterie. Einen Range Extender gibt es im Avinox-Ökosystem nicht. Die Zusammenarbeit mit ROTWILD hat gezeigt, dass das System für Hersteller auch mit externen Akkus kompatibel ist. In unserem Testbike kommt der serienmäßige 800-Wh-Akku zum Einsatz. Geladen werden die Akkus über das 12A-Schnellladegerät mit 508 W Leistung. Das hat mit einer durchschnittlichen Ladegeschwindigkeit von 5,8 Wh/min den zweithöchsten Wert im Vergleichstest und lädt die 800-Wh-Batterie in 2 h und 25 min auf 100 % voll auf. Vergleicht man das mit dem einzig relevanten Fast-Charger auf dem Markt von Specialized, bietet der Avinox-Lader das beste Verhältnis aus Ladegeschwindigkeit, Größe und Gewicht, was ihn zum aktuell besten Ladegerät auf dem Markt macht. Alternativ bietet Avinox auch noch einen langsameren 4A-Charger mit 168 W Ladeleistung an.
Zur Steuerung des Motorsystems dient die Doppelremote, über die sich die Unterstützungsmodi wählen lassen und das Display bedienen lässt. Die Remote ist eine der besten im Test. Sie ist robust, bietet gutes haptisches Feedback und eine klare Beschriftung von fast jeder Taste. Dadurch dass sie kabellos ist, sinkt auch das Risiko, bei einem Sturz kaputtzugehen und abzureißen. Gesteuert werden kann auch über das Display im Oberrohr. Durch die sehr gut funktionierende Touch-Funktion, das bislang einzige Display mit dieser Besonderheit, fällt die Bedienung supereinfach aus, ähnlich wie bei eurem Smartphone. Das Display bietet zudem eine sehr hohe Auflösung, gute Ablesbarkeit, einen USB-C-Ladeport sowie eine übersichtliche Menüführung trotz vieler Untermenüs.
Vollendet wird das Ökosystem von einer App, die zusammen mit der von Specialized im Test am besten abschneidet. Die Avinox Ride-App bietet eine erstaunlich große Menge an Einstellmöglichkeiten und smarten Connectivity-Features. Einige Funktionen lassen sich auch direkt über das Display einstellen: Dazu gehören die Unterstützungsstufe, das maximale Drehmoment, die Anfahr-Modi und der Nachlauf. Zudem lässt sich das Display über die App individualisieren: Bis zu acht Datenfelder (z. B. Geschwindigkeit, Akkustand, Leistungsausgabe etc.) sind nebeneinander darstellbar.
Auch die Synchronisation mit Drittanbieter-Plattformen (wie zum Beispiel Strava) funktioniert und die Avinox Ride-App zeichnet, sobald ihr losfahrt, euren Ride automatisch auf und liefert euch in einer Fahrstatistik alle Infos nach dem Ride. Die automatische Positions- und Statusüberwachung sowie – via Bluetooth oder 4G – die Anzeige von Akkustand, geschätzter Reichweite, Standort und Fahrradstatus lassen sich allesamt über die App abrufen.
Praktische Funktionen wie „Quick Start“ (schnellerer Motor-Eintritt beim Anfahren), „SmoothShift“ bei SRAM Eagle Transmission-Schaltungen, die Konfiguration der Boost-Dauer (10–60 Sekunden) und das freie Anpassen der Reihenfolge von Assistenzmodi wurden im Laufe von Updates ergänzt. Auch Diebstahl- und Schutzfunktionen: Bike-Sperre, Entriegelung via Smartphone („Phone Key“), Bewegungserkennung mit Push-Benachrichtigung und Fern-Deaktivierung der Unterstützung sind verfügbar. Auch eine Ladebegrenzung von 70 %, 80 %, 95 % oder 100 % wurde eingeführt, um die Lebensdauer des Akkus zu verlängern.
| Parameter | Unsere Messung | Herstellerangabe |
|---|---|---|
| Gewicht Motor | 2,56 kg | 2,52 kg |
| (nominelle) Akkukapazität | 802,8 Wh | 800 Wh |
| Ladezeit von 0 auf 100 % SOC | 2 h 25 min | – |
| Unterstützungsfaktor (%) | – | 800 % |
| Maximalleistung (W) | – | 1.000 W |
| Maximales Drehmoment (Nm) | – | 120 Nm |
| Reichweite* | 24,1 km | 75 km |
| Reichhöhe* | 1.953 hm | – |
*Die Werte wurden auf einer identischen Strecke mit durchschnittlich 8,5 % Steigung ermittelt – bei maximaler Unterstützungsstufe, einer konstanten Fahrerleistung von 150 W, einem Fahrergewicht von 72 kg sowie mit standardisierten Reifen: vorne MAXXIS HighRoller (DD, MaxxGrip) und hinten MAXXIS Minion DHR II (DD, MaxxTerra)
Der Avinox M1-Motor im Test – New Lines
Der Avinox M1-Motor auf dem Trail
Der Avinox M1 zeigt im Test eindrucksvoll, dass maximale Power nicht auf Kosten der Kontrolle gehen muss. Mit einem brutalen Unterstützungsfaktor von bis zu 800 % liefert der Motor das höchste Verhältnis im gesamten Testfeld und dennoch fühlt sich sein Fahrcharakter überraschend natürlich und ausgewogen an.
Die Kraftentfaltung beginnt früh und geschmeidig: Schon bei niedriger Trittfrequenz reagiert der M1 sensibel auf jeden Pedalimpuls, schiebt kräftig an, ohne zu überfordern, und baut seine Leistung progressiv auf. Andere Systeme, wie der Shimano EP801 oder MAHLE M40, schaffen es nicht, bei so niedriger Kadenz Unterstützung bereitzustellen. Hier spielt der Avinox M1 seine Stärke aus und liefert über eine beeindruckend breite Kadenzspanne nutzbare Power. Das macht ihn auch im Vergleich mit dem S-Works 3.1-Motor spritziger. Stellt man den M1 dem Bosch CX-R gegenüber, wirkt der Stuttgarter deutlich nervöser und unkontrollierter in seinem Ansprechverhalten, während der Avinox seine Kraft spürbar gleichmäßiger freisetzt. Auch das Ausfaden an der 25-km/h-Grenze passiert sanft und ohne spürbaren Ruck.
Was den Avinox M1 besonders macht, ist auch der Fahrspaß, den er ermöglicht. Die hohe Leistung ballert ordentlich, keine Frage – entscheidend ist aber, wie kontrolliert sich das Bike fahren lässt. Die Dosierbarkeit der Power ist trotz der enormen Leistung exzellent. In engen Kehren, auf wechselndem Untergrund und in steilen, technischen Uphills lässt sich die Unterstützung präzise modulieren. Der M1 eröffnet Möglichkeiten und Ideen, die man zuvor nicht auf dem Zettel hatte: steile Rampen, technische Stufen, verblockte Passagen. Der Avinox ermöglicht neue Linien, an denen andere Motoren scheitern.
In sehr technischen Uphills zählt der M1 zu den besten Antrieben im Test. Der Vortrieb ist massiv, doch gleichzeitig bleibt das Hinterrad erstaunlich traktionsstark, selbst wenn der Motor seine volle Leistung abruft. Einen Teil seiner starken Performance bergauf verdankt der M1 auch seinem fein abgestimmten Nachlauf: Selbst wenn kein Pedaldruck mehr anliegt, schiebt die Drive Unit noch weiter und hilft über Treppenstufen, Kanten oder technische Absätze.
Akustisch bewegt sich der Avinox M1 ebenfalls auf sehr hohem Niveau. Trotz seiner Power bleibt er leiser als beispielsweise der Specialized 3.1 oder der Bosch CX und erzeugt ein angenehm tiefes, sattes Surren. Bergab bleibt die Drive Unit flüsterleise und macht sich akustisch nicht bemerkbar. Das rundet den hochwertigen Gesamteindruck des Systems konsequent ab.
Der Avinox M1-Motor auf dem Prüfstand
Auf dem Prüfstand liefert der Avinox bei einer Kadenz von 70 U/min ab einer Fahrleistung von etwas über 100 W sein maximales Drehmoment von 105 Nm im Turbo-Modus, was die Leistung für diese Drehzahl auf knapp 780 W begrenzt. Damit kann die angegebene Leistung von 1.000 W rechnerisch erst ab einer Kadenz von 90 U/min erreicht werden, was sich bei der Messung der maximalen Leistung bei variierender Kadenz auch realisierte.
Durch seine hohe Leistung erreicht der Avinox am Berg mit 15 % Steigung die höchste Geschwindigkeit im Testfeld. Die Unterstützung ist bei geringer Fahrerleistung mit bis zu 833 % sehr hoch und über der Herstellerangabe, reduziert sich aber bei hoher Fahrerleistung und geringer Kadenz auf minimal 243 %.
De-Rating setzt bei dem 30 minütigen Volllasttest zunächst sehr sanft ab Minute 15 bis Minute 26 mit einem Abfall von nur 150 W ein. Erst danach gibt es einen schnelleren Abfall um 300 W zur Schonung des Systems, wobei mit einer verbleibenden Motorleistung von 400 W immer noch ordentlich Unterstützung vorhanden ist.
Das Geräusch des Avinox ist bei geringer Leistung noch leise und nur leicht tonal, wobei er an der Steigung mit zu den lauten Motoren mit mäßigem tonalen Anteil gehört.
Tuning-Tipp für den Hersteller: keinen.
Für wen ist der Avinox M1-Motor, für wen nicht?
Der Avinox M1 spricht eine breite Gruppe von Fahrerinnen und Fahrern an, die einen Motor suchen, der in möglichst vielen Situationen überzeugt – vom entspannten Feierabend-Loop bis hin zum technischen Trail. Seine Stärke liegt nicht nur in der reinen Leistung, sondern darin, wie vielseitig sich diese Leistung nutzen lässt. Wer bergauf gerne zügig unterwegs ist, Steilstufen oder knifflige Uphill-Trails fährt, profitiert von der feinfühligen Kontrolle, der starken Traktion und der Unterstützung schon bei sehr niedriger Kadenz. Gleichzeitig eignet sich der M1 auch für Fahrer, die ein zuverlässiges, intuitiv zu bedienendes System für Alltag und Touren suchen, da das Ökosystem aus App, Display und Bedienung sehr durchdacht ist und wenig Eingewöhnung erfordert.
Weniger geeignet ist der Avinox M1 für alle, die sich bewusst ein möglichst zurückhaltendes, kaum wahrnehmbares Antriebserlebnis wünschen. Auch wer fast ausschließlich im Eco-Modus auf breiten Wegen unterwegs ist, schöpft das Potenzial des Motors nur bedingt aus. Die hohe Performance des Motorsystems lädt dazu ein, aktiv zu fahren – wer damit nichts anfangen kann, ist mit noch leichteren Systemen wie dem maxon AIR S besser bedient.
Fazit zum Avinox M1-Motor
Der Avinox M1 bleibt auch 2026 die Benchmark unter den Full-Power-Motoren – nicht, weil er die stärkste Drive Unit ist, sondern weil er seine Kraft am intelligentesten einsetzt. Seine präzise Dosierbarkeit, die exzellente Traktion, die herausragende Integration und das starke Ökosystem aus Schnellladefunktion, funktionsreicher App und hochwertigem Touch-Display machen ihn zum besten Gesamtpaket im Test und sorgen auf dem Trail für verdammt hohen Fahrspaß. Und genau deshalb bleibt der Avinox M1 der beste Allrounder im Test und ein Innovationsträger, der wie kein anderer für die Zukunft der E-Bike-Motoren steht. Damit setzt sich der Avinox M1 nicht nur an die Spitze unseres Tests, sondern definiert zugleich den Maßstab für die nächste Entwicklungsgeneration. Verdienter Testsieg once again!
Tops
- herausragende Dosierbarkeit trotz enormer Power
- starkes, stimmiges Ökosystem
- Schnellladegerät und hochwertiges Touch-Display
- beste Integration innerhalb seiner Klasse
- exzellente Traktion im technischen Terrain
- beste App & Konnektivität im Test
Flops
- keine
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Avinox.
Das Testfeld
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist der beste E-Bike-Motor 2026? E-Bike-Motoren-Test mit 11 Modellen im Vergleich
Alle Motoren im Test:
Avinox M1, Bosch Performance Line CX Gen5, Bosch Performance Line CX-R, Bosch Performance Line SX, FAZUA Ride 60, Mahle M40, maxon Air S, Pinion MGU E1.12, Shimano EP801, S-Works 3.1, TQ HPR60
Words: Benedikt Schmidt Photos: Peter Walker



