
21,4 kg in Größe L | 9.999 € | Hersteller-Website
Der Launch des AMFLOW PL Carbon Pro war ein Statement. Leicht, extrem clean integriert, brutal stark bergauf. Doch wer genau hingeschaut hat, hat es auf den Trails gesehen: Viele Rider wollten mehr. Mehr Federweg. Mehr Reserven. Mehr Spaß.
Und so sah man plötzlich aufgerüstete PL-Modelle mit potenteren Gabeln, anderen Dämpfern, robusteren Laufrädern, kurz: mit einem Setup, das klar in eine abfahrtsorientierte Richtung schielte. Die zurückhaltende Trail-Geometrie des PL war vielen schlicht zu brav, wenn es richtig steil und schnell wurde.
Jetzt reagiert der Hersteller und bringt mit dem AMFLOW PX Carbon Pro ein dediziertes E-MTB für ruppige Trails und schnelle Abfahrten. Gleichzeitig feiert auch der neue Avinox M2S-Motor sein Debüt, der mit 150 Nm maximalem Drehmoment und 1.500 W Peak Power eine neue Leistungsklasse eröffnet. Parallel dazu ergänzt das AMFLOW PR Carbon Pro das Line-up als Option für Pendler und gemäßigte Trail-Fahrer. Unseren Test findest du hier. Damit stehen bei AMFLOW inzwischen drei E-MTBs im Portfolio: PL, PR und PX. Technisch klar positioniert, namentlich eher alphabetisch sortiert. Etwas mehr Mut zur Individualität würde der Modellfamilie gut tun 😉
Wer ist AMFLOW und was hat DJI damit zu tun? AMFLOW und Avinox sind heute eigenständig positionierte Marken, gestartet sind beide jedoch mit dem technologischen Rückenwind des Mutterunternehmens DJI. Während AMFLOW sich als eigene Bike-Brand etablieren will, tritt Avinox als eigenständig aufgestellter Anbieter von Motorsystemen auf. Beide profitieren weiterhin klar von der technologischen Basis und Entwicklungskompetenz aus dem DJI-Umfeld: etwa bei Akku-Management, Sensorik, Software und Motorentechnologie.
Das von uns getestete AMFLOW PX Carbon Pro bringt den Zeiger der Waage recht früh bei leichten 21,4 kg in Größe L zum Stehen und ist damit nur 700 g schwerer als das schon im Portfolio existierende PL Carbon Pro. Mit 9.999 € in unserer Top-Ausstattung positioniert sich das E-MTB im Premium-Segment. Wie schlägt sich das neue PX Carbon Pro auf dem von uns getesteten Trail rund um Tremp in Spanien und auf unseren Hometrails im Schwarzwald?
Welche Detaillösungen hat das neue AMFLOW PX Carbon Pro?
Schon optisch macht das PX deutlich, dass es mehr sein will als nur ein leicht modifiziertes PL. Das extrem schlanke Unterrohr wirkt fast provozierend filigran für ein Full-Power-E-MTB. Der Durchmesser fällt überraschend gering aus, die Integration des Motorsystems ist so unauffällig, dass das Bike eher an ein Light-E-MTB erinnert als an einen abfahrtsorientierten Boliden. Das Erscheinungsbild ist modern, aufgeräumt und hochwertig: kein wuchtiger Motorblock, keine überdimensionierten Rohrformen, sondern eine klare, sportliche Silhouette.
Geschützt wird der Rahmen von einem Unterrohrprotektor, die Kettenstrebe trägt einen großzügigen Schutz und eine Kettenführung hält die Kette auch im ruppigen Gelände sicher in Position. Ein kleiner Gummilappen am Übergang vom Hauptrahmen zum Hinterbau verhindert effektiv, dass sich dort Dreck sammelt. Die Züge verlaufen sauber durch Cable-Ports hinter dem Steuerrohr in den Rahmen und sorgen für ein aufgeräumtes Cockpit. Auf dem Trail klappern die Züge aber deutlich am montierten Frontlicht und sorgen für eine hörbare Geräuschkulisse. Zwei Toolmounts am Oberrohr bieten Platz für eure Trail-Essentials: Multitool, CO₂-Kartusche oder Tubeless-Repair-Kit lassen sich sauber integrieren.

Was kann der neue Avinox M2S-Motor im AMFLOW PX Carbon Pro?
Das Motorsystem des AMFLOW PX Carbon Pro ist stimmig ins Gesamtkonzept des Bikes integriert. Integration und Packaging sind auf hohem Niveau, was nicht nur dem aufgeräumten Look zugutekommt, sondern auch dem niedrigen Gesamtgewicht. Der Avinox M2S-Motor selbst bringt 2,63 kg auf die Waage, dazu kommt ein fest integrierter 700-Wh-Akku, der mit 3,18 kg und einer Energiedichte von 220 Wh/kg zu den energiedichtesten Batterien am Markt zählt. Geladen wird über ein 12-A-Ladegerät mit 508 W, das den Akku in 1 h 47 min voll lädt. Der Ladeport sitzt sauber im Rahmen integriert und wird von einer gefederten, magnetischen Klappe geschützt, die nicht super hochwertig ist, aber funktioniert.
Auf dem Papier liefert der Avinox M2S bis zu 1.500 W Peak-Leistung und 150 Nm maximales Drehmoment. Entscheidend ist aber weniger die nackte Zahl, sondern die Art, wie diese Leistung auf dem Trail abrufbar ist. Vor allem im technischen Uphill ist eine fein dosierbare Unterstützung oft mehr wert als rohe Gewalt – dazu später mehr. Gesteuert wird das System über die bekannten Wireless-Remotes am Lenker und ein sauber ins Oberrohr integriertes 2-Zoll-OLED-Display mit Touch-Funktion, das nach wie vor zu den besten Lösungen am Markt zählt. Dazu kommt die Avinox Ride-App, die mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten punktet und den hohen Tech-Anspruch des Bikes unterstreicht.
Super sinnvoll im Alltag ist das ab Werk integrierte Frontlicht. Das ist direkt ins Motorsystem eingebunden, bezieht seinen Strom aus dem Haupt-Akku und wird über das Display beziehungsweise eine Remote gesteuert. So lässt es sich nicht nur ein- und ausschalten, sondern auch bequem zwischen Fern- und Abblendlicht umschalten. Auch ein Rücklicht soll zum Lieferumfang gehören.
Die wichtigsten technischen Infos zum neuen Avinox M2S-Motorsystem
- max. Leistung: 1.500 W
- max. Drehmoment: 150 Nm
- Akku: 700 Wh (3,18 kg, 220 Wh/kg)
- Gewicht Drive Unit: 2,63 kg
Was kann die Ausstattung des neuen AMFLOW PX Carbon Pro?
Beim Fahrwerk setzt AMFLOW auf bewährte High-End-Komponenten von FOX. An der Front arbeitet eine FOX 36 Factory-Federgabel mit GRIP X2-Kartusche und 160 mm Federweg, am Heck übernimmt ein FLOAT X Factory-Dämpfer die Kontrolle über 150 mm Travel. Beide bieten hohe Trail-Performance sowie eine umfassende Einstellbarkeit.
Bei den Bremsen kommt die neue MAGURA Gustav Pro zum Einsatz, kombiniert mit einer 203-mm-Scheibe vorne wie hinten, die, wie wir es auch schon vom Unno Mith kennen, Aussparungen für den Speed Sensor direkt eingefräst hat. Die Gustav Pro ist in ihrer Power ausreichend, aber definitiv eine der schwächeren Bremsen auf dem Markt, was sich in Extremsituationen auf dem Trail bemerkbar macht. Auch eine feine Modulation ist bei der Gustav Pro Fehlanzeige. Außerdem würden wir uns am Hinterbau direkt eine 200-mm-Post-Mount-Aufnahme wünschen. Die Adapterlösung am Heck wirkt optisch messy, und es gibt eigentlich keinen Grund, am E-MTB noch 180 mm zu fahren, schon gar nicht bei dem Anspruch.


Geschaltet wird über die SRAM Eagle X0 Transmission in Kombination mit einem 38T-Kettenblatt. Die Direct-Mount-Schaltung arbeitet präzise, auch unter Last zuverlässig und ist per Kabel direkt mit dem HauptAkku verbunden. Das spart nicht nur das Laden des AXS-Akkus, sondern bringt mit Smooth Shift und der kurzzeitigen Leistungsreduktion des Motors beim Schalten auch praktische Funktionen mit. Das große Kettenblatt vorne sorgt für eine bessere Lastverteilung am Antrieb und reduziert die Belastung der kleinen Ritzel an der Kassette. In Kombination mit der geraderen Kettenlinie wirkt sich das positiv auf Verschleiß und Effizienz aus.
Bei den Laufrädern setzt AMFLOW auf hauseigene XMC-30-Carbon-Wheels, die ab Werk im Mullet-Setup kommen. Unser Test-Bike war allerdings als Full-29er aufgebaut. Aufgezogen sind Schwalbe-Reifen in der robusten Gravity Pro-Karkasse, vorne ein Magic Mary in Ultra Soft-Mischung, hinten ein Albert in der härteren und langlebigeren Soft-Variante. Die Kombination funktioniert hervorragend – maximaler Grip am Vorderrad und bessere Haltbarkeit am Heck. Top! Trotz der stabilen Reifen hatten wir im Test allerdings einen Totalausfall am Hinterrad: Die Carbon-Felge ist gerissen, was die Langzeitstabilität der In-House-Felgen doch in Frage stellt. Übergangsweise rollte das Bike deshalb mit anderem Hinterrad und einem MAXXIS-Reifen.
Neben den Laufrädern stammen auch viele weitere Komponenten aus eigener Fertigung. Das Cockpit besteht aus einem hauseigenen 35-mm-Vorbau und einem 800 mm breiten Lenker mit 40 mm Rise. Funktional gibt es hier nichts zu bemängeln, allerdings liegt die Qualität der montierten Griffe deutlich unter dem restlichen Niveau des Bikes.
Auch die Sattelstütze kommt aus dem eigenen Haus und bietet je nach Rahmengröße bis zu 230 mm Verstellweg. In unserem Test-Bike der Größe L beträgt der Hub 190 mm. Zusätzlich lässt sich der Hub in 5-mm-Schritten um bis zu 25 mm anpassen. In der Praxis zeigt sich jedoch Optimierungsbedarf bei der Dropper. Der Kragen baut mit 49 mm recht hoch, und selbst komplett versenkt steht die Stütze noch relativ weit aus dem Rahmen heraus. Zusätzlich wurde das Zugkabel an der Stütze statt am Hebel geklemmt, was beim Ausbau für unnötigen Frust sorgt. Die Dropper arbeitet zudem vergleichsweise langsam und zeigte sich im Test nicht immer zuverlässig. Auch der Ausbau vom Dämpfer ist wenig servicefreundlich gelöst. Man kommt nicht sauber mit einem Drehmomentschlüssel an die Schrauben, was die Montage unnötig verkompliziert. Das sind keine dramatischen Probleme, aber Details, die bei einem Premium-Bike sauberer gelöst sein sollten.

Tuning-Tipp:
Griffe gegen hochwertigere Modelle tauschen und wer häufig in ruppigem Gelände fährt: Laufräder beobachten oder auf bewährte Aftermarket-Optionen setzen
AMFLOW PX Carbon Pro
9.999 €
Ausstattung
Motor Avinox M2S 150 Nm
Akku Avinox 700 Wh
Display Avinox 2" O-LED
Federgabel FOX 36 Factory GRIP X2 160 mm
Dämpfer FOX FLOAT X Factory 150 mm
Sattelstütze AMFLOW 190 mm
Bremsen Magura Gustav Pro 203/203 mm
Schaltung SRAM X0 Eagle AXS Transmission 1x12
Vorbau AMFLOW 35 mm
Lenker AMFLOW 800 mm
Laufradsatz AMFLOW XMC-30-Carbon 29"
Reifen Schwalbe Magic Mary, Gravity, Ultra Soft/Albert Trail, Gravity, Soft 2,5"/2,5"
Technische Daten
Größe M L XL XXL
Gewicht 21,4 kg
Zul. Gesamtgewicht 125 kg
Besonderheiten
Flip Chips
integriertes Frontlicht
Das AMFLOW PX Carbon Pro im Geometrie-Check: Jetzt auch variabel, aber sinnvoll?
Das neue AMFLOW PX Carbon Pro ist in vier Größen von M bis XXL erhältlich und kann sowohl im Mullet-Setup mit 27,5″-Hinterrad als auch als Full-29er gefahren werden. Dazu kommt ein umfangreich verstellbares Geometriepaket mit fünf Lenkwinkel-Settings, zwei Tretlager-Positionen und vier Kettenstrebenlängen – macht laut Hersteller theoretisch 40 mögliche Setups. In der Praxis ist das allerdings mehr als man wirklich braucht, denn vieles davon fällt eher unter Feintuning als unter eine wirklich spürbare Charakterveränderung.
Serienmäßig steht das Bike bei 64,2° Lenkwinkel. Über austauschbare 0,5°- und 1°-Headset-Cups lässt sich der in fünf Stufen zwischen 65,2° und 63,2° anpassen. Das schafft zwar viel Spielraum, ist aber etwas für die Werkstatt und nicht zwingend was für unterwegs.
Relevanter ist die Verstellung am Heck: Die Kettenstreben lassen sich mit verschiedenen mitgelieferten Chips in vier Positionen um 0 / 3,3 / 6,7 / 10 mm verstellen und wachsen damit von kompakten 438,36 mm auf 448,36 mm an. Nötig ist das vor allem, weil die Strebenlänge nicht mit den Rahmengrößen mitwächst, so übernimmt die Lösung die Anpassung des Hecks an unterschiedliche Fahrergrößen und Vorlieben. Die Tretlagerhöhe lässt sich per Flip-Chip in zwei Positionen anpassen, was das Tretlager anhebt oder absenkt.

Sehr gelungen sind die sehr kurzen Sitzrohre über alle Größen. Sie sorgen für viel Bewegungsfreiheit bergab und ermöglichen lange Dropper-Posts, auch wenn die verbaute AMFLOW-Sattelstütze den Vorteil mit ihrem recht hohen Stack wieder etwas zunichte macht. Der Reach fällt mit 478 mm in Größe L durchschnittlich aus.
| Größe | M | L | XL | XXL |
|---|---|---|---|---|
| Oberrohr | 586,9 mm | 619,7 mm | 642,8 mm | 672,2 mm |
| Sattelrohr | 415 mm | 427 mm | 447 mm | 466 mm |
| Steuerrohr | 109 mm | 120 mm | 135 mm | 150 mm |
| Lenkwinkel | 64,2° | 64,2° | 64,2° | 64,2° |
| Sitzwinkel | 78° | 78° | 78° | 77,7° |
| Kettenstrebe | 438 mm / 451 mm | 438 mm / 451 mm | 438 mm / 451 mm | 438 mm / 451 mm |
| BB Drop | 10,5 mm/ 23,7 mm | 10,5 mm/ 23,7 mm | 10,5 mm/ 23,7 mm | 10,5 mm/ 23,7 mm |
| Radstand | 1.231,3 mm | 1.259,1 mm | 1.290,2 mm | 1.322,1 mm |
| Reach | 455 mm | 478 mm | 503 mm | 528 mm |
| Stack | 622,1 mm | 632,2 mm | 645,9 mm | 659 mm |
Weitere Ausstattungsvarianten des AMFLOW PX E-MTBs
Das neue AMFLOW PX ist nicht nur in unserem Test-Bike-Finish „Moonstone Gray“ erhältlich, sondern auch in der noch schlichteren Farbvariante „Phantom Black“.
Neben dem von uns getesteten Topmodell PX Carbon Pro bietet AMFLOW außerdem noch das etwas günstigere PX Carbon für 6.999 € an. Beide Varianten setzen auf dasselbe Avinox M2S-Antriebssystem mit 700-Wh-Akku, sodass man auch beim günstigeren Modell keine Abstriche bei Motorpower oder Reichweite machen muss. Ebenfalls identisch sind die MAGURA Gustav Pro-Bremsen und die Schwalbe-Reifenkombi.

Die größten Unterschiede liegen vor allem beim Fahrwerk, der Schaltung und den Laufrädern. So kommt das AMFLOW PX Carbon mit einem FOX Performance Fahrwerk, das weniger Einstellmöglichkeiten bietet und in Sachen Performance nicht an das Factory-Setup des Carbon Pro rankommt. Bei der Schaltung setzt AMFLOW auf ein SRAM S1000 Eagle Transmission-Schaltwerk, das den Einstieg in SRAMs elektronische Transmission-Welt markiert. Komplettiert wird das Setup durch AMFLOW XMA-30 Aluminium-Laufräder.
Wie fährt sich das neue AMFLOW PX Carbon Pro auf dem Trail?
Wie ist die Uphill-Performance?
Gefahren sind wir das neue AMFLOW PX Carbon Pro bei 81 kg Fahrergewicht mit 86 psi in der FOX 36 und 198 psi im FLOAT X. AMFLOW empfiehlt im Quick-Start-Guide bei dem Gewicht als grobe Richtlinie 180 psi im Dämpfer, die für uns aber deutlich zu weich waren und nicht zu den angepeilten 30 % SAG führten. Mit knapp 20 psi mehr passte das Setup deutlich besser. Unser bevorzugtes Geo-Setup: kurze Kettenstreben, 64,2° Lenkwinkel, tiefes Tretlager, zwei 10-mm-Spacer unter dem Vorbau.
Auf dem Weg zum Trail sitzt man bequem zentral im Rad integriert und bringt, ohne eine zu sportliche Sitzposition einnehmen zu müssen, gut Druck von oben auf die Pedale. Von den ersten Metern an kommt man schnell mit dem Bike zurecht und braucht kaum Eingewöhnungszeit. Bergauf ist das PX außergewöhnlich leichtfüßig, spritzig und lebendig unterwegs. Das geringe Gesamtgewicht ist deutlich spürbar. Das Bike lässt sich präzise steuern und spielerisch über Stufen ziehen. Selbst enge Richtungswechsel in technischen Uphills kosten kaum Kraft. Der große Unterschied entsteht bergauf durch die Motorcharakteristik. Die Leistung des Avinox M2S-Motors bewegt sich aktuell auf einem Niveau, das das Uphill-Fahren grundlegend verändert. Statt sich verblockte Anstiege im unteren Geschwindigkeitsbereich hochzutasten, mit permanentem Anpassen des Körperschwerpunkts, sensibler Traktionsarbeit und steigender Front, fährt man viele der Passagen mit deutlich höherem Grundtempo nach oben. Wo man sonst mit 8–10 km/h über ein Hindernis rollt, stehen hier 19–22 km/h auf dem Tacho, was das Bike deutlich stabilisiert.
Eine lose Steinrampe? Statt sich im Wiegetritt nach oben zu arbeiten und die Traktion am Hinterrad hochzuhalten, jagt man hier mit hohem Tempo nach oben. Eine gestufte Wurzelpassage erfordert kein einzelnes Balancieren jeder Stufe, sondern man zieht in einer flüssigen Linie drüber hinweg. Selbst enge, steile Kehren lassen sich kontrolliert fahren, weil der kontinuierliche Vortrieb das Bike stabilisiert. Man bewegt sich also nicht mehr im Grenzbereich der Balance. Man fährt oberhalb der kritischen Geschwindigkeit, bei der das Bike instabil wird. Dadurch verschiebt sich das Limit: Traktion wird seltener zum dominierenden Problem, weil das System genug Vortrieb erzeugt, um über lose oder unruhige Abschnitte hinwegzutragen.
Und trotzdem ist die Traktion am Hinterrad erstaunlich hoch. Der Avinox M2S gibt seine Kraft sehr schnell frei, aber nicht unkontrolliert. Er reagiert schnell auf Fahrerimpulse und passt sich dynamisch an den wechselnden Untergrund an. Die Leistungsabgabe wirkt direkt und extrem responsiv, aber nicht hektisch. Dadurch ist die Uphill-Performance eine der größten Stärken des PX, auch wenn man in ganz steilen Sektionen erwartungsgemäß die Front aktiver belasten muss, um einem steigenden Vorderrad entgegenzuwirken.
Mit 1.500 W Peak-Leistung betritt Avinox leistungsmäßig Neuland, die Frage nach Langzeitbelastung und Haltbarkeik steht damit im Raum. Ob die hohen Leistungswerte wirklich sinnvoll sind, darf man hinterfragen, in der Praxis funktionieren sie aber erstaunlich kontrolliert.
Wie fährt sich das neue AMFLOW PX Carbon Pro bergab?
Auf dem Trail bergab steht man gut integriert im Bike und ausbalanciert zwischen Front und Heck. Das Handling ist intuitiv und das geringe Gewicht macht schnelle Linienwechsel auf die High-Line einfach möglich und erlaubt einen aktiven Fahrstil. Der Grundcharakter des Bikes ist klar auf Laufruhe und Kontrolle ausgelegt – in jedem Setting. Das macht gerade im ruppigen Gelände richtig Spaß. Mit hoher Geschwindigkeit durchs Steinfeld zu jagen, ist mit dem neuen AMFLOW PX Carbon Pro voll drin. Das E-MTB bleibt selbst bei steilen Sektionen stoisch auf Line. Auch das Fahrwerk mit seiner insgesamt eher soften Abstimmung trägt dazu bei. Kleine Schläge werden sehr sensibel geschluckt, was bergab viel Komfort verleiht. Am Ende des Federwegs sorgt die klare Endprogression dafür, dass harte Durchschläge verhindert werden.
Im mittleren Federwegsbereich fehlt es dem Heck aber etwas an Support. Der Mid-Stroke ist ein bisschen undefiniert, wodurch das Bike beim aktiven Pushen weniger Gegenhalt bietet als erwartet. Das verstärkt den insgesamt komfortorientierten Eindruck, lässt aber auch viel Energie im Fahrwerk verpuffen beim Pumpen und Pushen auf dem Flowtrail.

Persönlich waren wir Fan der kürzeren Kettenstreben in Kombination mit dem niedrigen Tretlager. Das Setup bringt mehr Dynamik ins Bike. Das PX wirkt lebendiger, lässt sich leichter in Anlieger drücken und reagiert direkter auf Gewichtsverlagerungen. Ein hungriger Kurvenjäger wird das AMFLOW PX Carbon Pro damit zwar nicht, aber man genießt trotzdem mehr Wendigkeit bergab. Die zusätzliche Stabilität der längeren Kettenstreben vermisst man dabei kaum, denn durch den ohnehin flachen Lenkwinkel bewegt sich die Laufruhe des PX bereits auf hohem Niveau.
Einziger wirklicher Störfaktor bergab bleibt die Geräuschkulisse. Das deutliche Kabelklappern am Frontlicht ist auf dem Trail deutlich hörbar und passt nicht zum hochwertigen Gesamteindruck des Bikes.
Für wen ist das neue AMFLOW PX Carbon Pro das richtige E-MTB?
Das AMFLOW PX Carbon Pro richtet sich klar an Fahrer, die aus ihrem PL mehr machen wollten. Wer beim PL schon mit Komponenten-Upgrades experimentiert hat, findet im PX jetzt die konsequentere Basis ab Werk. Mehr Reserven, mehr Abfahrtsstabilität, ohne das geringe Gewicht und die enorme Uphill-Stärke aufzugeben. Im Gegenteil: Der Avinox M2S-Antrieb hebt das Uphill-Niveau auf ein Level, das aktuell nur wenige Bikes erreichen. Gerade Fahrer, die regelmäßig technische, steile Anstiege fahren und dort nicht nur hochkommen, sondern effizient und schnell unterwegs sein wollen, profitieren massiv.
Gleichzeitig bleibt das PX vielseitig genug für alpine Trail-Tage und gemischtes Terrain, bevorzugt dabei aber die härtere Gangart. Die Geometrie vermittelt bergab viel Ruhe und Vertrauen und das intuitive Handling ermöglicht einem breiten Fahrerband den Aufstieg auf das E-MTB. Es ist kein ultra-verspieltes Bike, das euch durch enge Kurven jagen lässt, und damit nicht die erste Wahl für Rider, die maximalen Pop im Fahrwerk suchen oder ihr Bike primär im Bikepark bewegen.
Wer mit diesem E-Bike richtig liegt:
Der Tech-Climber
Fährt man am liebsten steile, technische Uphills und feiert Motor-Power, Systemintegration und Effizienz mehr als verspieltes Trail-Gehopse. Will bergauf nicht nur hochkommen, sondern möglichst schnell und kontrolliert oben sein.
Der Ex-PL-Tuner
War mit dem AMFLOW PL schon happy, wollte aber ab Werk mehr Federweg, mehr Reserven und mehr Stabilität im Downhill, statt selbst Gabel, Dämpfer und Laufräder umzubauen. Für ihn ist das PX genau die erwachsenere Antwort.
Der vielseitige Trail-Ballerer
Sucht ein leichtes, potentes E-MTB für Tage im alpinen Gelände, ruppige Naturtrails und schnelle Abfahrten. Will viel Laufruhe und Vertrauen, aber keinen super-schweren Panzer.
Wer mit diesem Bike weniger harmoniert:
Der Bikepark-Jibber
Wer maximalen Pop, verspieltes Handling und ein super aktives Fahrwerk sucht, wird mit dem PX nicht ganz warm.
Der Enge-Kurven-Zauberer
Rider, die ihr Bike ultra direkt um jede Kehre werfen und maximale Wendigkeit priorisieren, finden anderswo mehr Agilität.
Fazit zum neuen AMFLOW PX Carbon Pro
Mit dem neuen AMFLOW PX Carbon Pro liefert die Brand eine deutlich erwachsenere Interpretation ihres Performance-E-MTBs. Mehr Reserven, mehr Laufruhe und vor allem eine brutal starke Uphill-Performance. Der Avinox M2S-Antrieb bietet nicht nur hohe Spitzenwerte, sondern verändert in Kombination mit dem niedrigen Gewicht das Fahrerlebnis bergauf. Bergab überzeugt das Bike mit viel Laufruhe und Vertrauen, auch wenn Mid-Stroke-Support und einzelne Komponenten noch Feinschliff vertragen könnten. Unterm Strich ist das PX ein starkes, technisch durchdachtes Performance-E-MTB, das das Portfolio der Chinesen sinnvoll erweitert. Das Konzept geht auf!
Tops
- hohe Laufruhe bergab
- schickes Design
- leise Geräuschkulisse
- extrem hohe, konstant abrufbare Motorleistung
- außergewöhnliche Uphill-Performance mit hohem Grundtempo
- hohe Motorsystem-Integration
Flops
- etwas undefinierter Mid-Stroke-Support am Heck
- MAGURA Gustav Pro mit mäßiger Modulation
- schwache Dropper-Performance
- Kabelklappern am Frontlicht
Weitere Infos zum AMFLOW PX Carbon Pro findet ihr bei AMFLOW.
Words: Benedikt Schmidt Photos: Lars Engmann


