Mit dem neuen AMFLOW PR Carbon Pro schieben die Chinesen kein kompromissloses Race-Bike ins Regal, sondern ein alltagstaugliches Trail-E-MTB mit starkem Avinox M2S-Motorsystem, entnehmbarem 800-Wh-Akku und attraktivem Preis. Klingt nach cleverem Gesamtpaket. Doch wie gut funktioniert das Konzept wirklich auf dem Trail?

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AMFLOW PR Carbon Pro | Avinox M2S/800 Wh | 160/150 mm (v/h) | 24,2 kg in Größe L | 5.899 € | Hersteller-Website

Neben dem neuen PX Carbon Pro stellt AMFLOW auch das neue PR Carbon Pro vor und zielt damit deutlich stärker auf Rider, die nicht nur Trail-Performance, sondern auch Alltagstauglichkeit und einen attraktiveren Einstiegspreis im Blick haben. Für 5.899 € gibt es hier neben einem Vollcarbon-Rahmen und 160/150 mm Federweg auch das neue Avinox M2S-System mit bis zu 1.500 W Peak-Leistung und 150 Nm Drehmoment – zumindest kurzzeitig im Boost-Modus.

Während das neue PX Carbon Pro mit fest integriertem 700-Wh-Akku klar auf Performance und Integration zielt, geht das PR Carbon Pro einen anderen Weg: mehr Alltag, mehr Flexibilität, dank entnehmbarem 800-Wh-Akku. Damit stellt sich das Bike bewusst breiter auf und spricht nicht nur Trail-Enthusiasten, sondern auch Pendler und Gelegenheitsfahrer an.

Spannende Infos zum neuen AMFLOW PR Carbon Pro

Highs

  • Akku entnehmbar
  • hervorragendes Ökosystem
  • Schnellladen
  • sehr leise Drive Unit
  • ab Werk verbautes Licht

Lows

  • Ausbau von Dämpfer und Stütze wenig servicefreundlich

Key Facts

  • Vollcarbon-Rahmen
  • 160/150 mm Federweg (v/h)
  • Avinox M2S-Motorsystem
  • entnehmbarer 800-Wh-Akku
  • 24,2 kg in Größe L
  • vier Größen: M–XXL

Mit 24,2 kg ist das PR Carbon Pro zwar deutlich schwerer als seine leichteren Geschwister im Portfolio, doch der vergleichsweise niedrige Einstiegspreis dürfte es für viele Fahrer dennoch interessant machen. Bleibt die entscheidende Frage: Wie schlagen sich das von uns getestete PR Carbon Pro und auch das noch günstigere PR Carbon auf den Trails?


Wer ist AMFLOW und was hat DJI damit zu tun? AMFLOW und Avinox sind heute eigenständig positionierte Marken, gestartet sind beide jedoch mit dem technologischen Rückenwind des Mutterunternehmens DJI. Während AMFLOW sich als eigene Bike-Brand etablieren will, tritt Avinox als eigenständig aufgestellter Anbieter von Motorsystemen auf. Beide profitieren weiterhin klar von der technologischen Basis und Entwicklungskompetenz aus dem DJI-Umfeld: etwa bei Akku-Management, Sensorik, Software und Motorentechnologie.

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Welche Detaillösungen hat das neue AMFLOW PR Carbon Pro?

Optisch fällt das neue AMFLOW PR Carbon Pro etwas voluminöser aus als die schlankeren Modelle im Line-up. Vor allem das Unterrohr erinnert stärker an klassische Full-Power-E-MTBs mit Bosch-Akku. Das hat aber auch einen guten Grund: Schließlich sitzt hier ein entnehmbarer 800-Wh-Akku im Rahmen, bei dem gemessen am Energieinhalt der Unterrohrumfang damit immer noch zu den besten Lösungen am Markt gehört. Trotz des kräftigeren Unterrohrs wirken die Proportionen insgesamt stimmig.

Sauber gelöst ist der Schutz am Bike. Der Kettenstrebenschutz fällt großzügig aus und auch eine robuste Kettenführung ist am Bike montiert. Ein kleiner Fender zwischen Hauptrahmen und Hinterbau verhindert, dass sich Steine im Spalt verklemmen.

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Praktisch im Alltag sind auch die Toolmounts am Oberrohr und Anschraubpunkte am Unterrohr, die Platz für Trail-Essentials oder einen Flaschenhalter bieten. Weniger überzeugend fällt dagegen die Zugverlegung aus: Zwar laufen alle Leitungen sauber über Cable-Ports in den Rahmen, auf dem Trail klappern sie aber am montierten Frontlicht. Dazu kommt, dass wir nach rund 2.000 km am Test-Bike bereits leicht abgeriebene Stellen am Rahmen gefunden haben, an denen die Züge scheuern. Die mitgelieferte Rahmenschutzfolie ist zwar in Teilen schon aufgeklebt, aber nicht ideal platziert. Ihr solltet hier deshalb auf jeden Fall noch Hand anlegen.

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Die Rahmenschutzfolie ist zwar vorhanden, deckt die kritischen Bereiche aber nicht vollständig ab. Hier solltet ihr unbedingt nachbessern, damit scheuernde Leitungen dem Lack langfristig keinen Schaden zufügen.

Was kann der neue Avinox M2S-Motor im AMFLOW PR Carbon Pro?

Das Motorsystem des AMFLOW PR Carbon Pro ist stimmig ins Gesamtkonzept des Bikes integriert. Integration und Packaging sind auf hohem Niveau, was dem unauffälligen Tretlagerbereich zugutekommt. Der Avinox M2S-Motor selbst bringt 2,63 kg auf die Waage, dazu kommt erstmals von Avinox ein entnehmbarer 800-Wh-Akku. Der wird per Schlüssel entriegelt und lässt sich aus dem Unterrohr ziehen. Im Alltag ist das grundsätzlich praktisch gelöst, in unserem Test saß der Akku allerdings recht stramm im Rahmen und musste mit etwas Nachdruck herausgezogen werden. Geladen werden kann dann entweder direkt am Akku oder wie gewohnt über den Ladeport oberhalb des Motors. Der wird von einer gefederten, magnetischen Klappe geschützt, die zwar nicht besonders hochwertig wirkt, ihren Job im Test aber zuverlässig erfüllt. Mit dem 12-A-Ladegerät und 508 W maximaler Ladeleistung soll der Akku in 1 h 36 min von 0 auf 80 % geladen werden.

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Der Avinox M2S liefert im AMFLOW PR Carbon Pro in Kombination mit dem entnehmbaren 800-Wh-Akku bis zu 1.500 W Peak-Leistung und 150 Nm maximales Drehmoment im bis zu 60-sekündigen Boost-Modus. In allen anderen Modi schafft er aufgrund des Akkus dauerhaft 1.300 W Leistung sowie 130 Nm Drehmoment. Entscheidend ist aber weniger die nackte Zahl, sondern die Art, wie diese Leistung auf dem Trail abrufbar ist. Vor allem im technischen Uphill ist eine fein dosierbare Unterstützung oft mehr wert als rohe Gewalt – dazu später mehr. Gesteuert wird das System über die bekannten Wireless-Remotes am Lenker und ein sauber ins Oberrohr integriertes 2-Zoll-OLED-Display mit Touch-Funktion, das nach wie vor zu den besten Lösungen am Markt zählt. Dazu kommt die Avinox Ride-App, die mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten punktet und den hohen Tech-Anspruch des Bikes unterstreicht.

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Super sinnvoll im Alltag ist das ab Werk integrierte Frontlicht. Das ist direkt ins Motorsystem eingebunden, bezieht seinen Strom aus dem Haupt-Akku und wird über das Display beziehungsweise eine Remote gesteuert. So lässt es sich nicht nur ein- und ausschalten, sondern auch bequem zwischen Fern- und Abblendlicht umschalten. Auch ein Rücklicht gehört zum Lieferumfang.

Die wichtigsten technischen Infos zum neuen Avinox M2S-Motorsystem:

  • max. Leistung mit entnehmbarem 800-Wh-Akku: 1.500 W
  • max. Drehmoment: 150 Nm
  • Akku: 800 Wh (4,0 kg / 200 Wh/kg)
  • Gewicht Drive Unit: 2,63 kg

Was kann die Ausstattung des neuen AMFLOW PR Carbon Pro?

Bei der Ausstattung setzt AMFLOW auf einen insgesamt sinnvollen und einsatzgerechten Mix. Beim Fahrwerk kommt vorne eine FOX 36 Performance-Federgabel mit einfacher GRIP-Kartusche und 160 mm Federweg zum Einsatz, am Heck übernimmt ein FOX FLOAT X Performance-Dämpfer die Kontrolle. Das Fahrwerk bietet weniger Verstellmöglichkeiten als edlere Factory-Setups, ist dafür aber unkompliziert abzustimmen und funktioniert auf dem Trail gut.

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Der FOX FLOAT X Performance-Dämpfer lässt sich einfach einstellen und liefert eine gute Trail-Performance.
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Auch das SRAM S1000 Transmission-Schaltwerk arbeitet zuverlässig und sorgt für präzise Gangwechsel, selbst unter Last.

Geschaltet wird über eine SRAM S1000 Transmission, die direkt kabelgebunden vom Haupt-Akku versorgt wird. Das bringt nicht nur den Vorteil, dass kein separater Schalt-Akku geladen werden muss, sondern ermöglicht auch Funktionen wie Smooth Shift und die kurzzeitige Leistungsreduktion des Motors beim Schalten. Das große Kettenblatt vorne sorgt für eine bessere Lastverteilung am Antrieb und reduziert die Belastung der kleinen Ritzel an der Kassette. Zudem ermöglicht das eine geradere Kettenlinie für den Großteil der Fahrsituationen, was sich positiv auf Verschleiß und Effizienz auswirkt.

Gebremst wird, wie auch beim PX Carbon Pro, mit MAGURA Gustav Pro-Vierkolbenbremsen, die vorne wie hinten auf 203-mm-Scheiben zugreifen. Die Scheiben haben die Aussparungen für den Speed-Sensor direkt eingefräst. In Sachen Power ist die Gustav Pro ausreichend, zählt am Markt aber klar nicht zu den stärksten Bremsen. Gerade in Trail-Situationen fehlt es ihr etwas an Power und auch bei der Modulation bleibt Luft nach oben.

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Die Sattelstütze stammt aus eigenem Haus. In unserem Fall bietet sie 205 mm Hub, je nach Rahmengröße sind aber bis zu 230 mm möglich. Zusätzlich lässt sich der Hub in 5-mm-Schritten um bis zu 25 mm reduzieren. In der Praxis zeigte die Dropper aber auch Schwächen. Der Kragen baut mit 49 mm recht hoch, selbst komplett versenkt steht die Stütze dadurch noch vergleichsweise weit aus dem Rahmen heraus. Zusätzlich wurde das Zugkabel an der Stütze statt am Hebel geklemmt, was beim Ausbau für unnötigen Frust sorgt. Im Test arbeitete die Dropper eher langsam und zeigte sich nicht immer zuverlässig. Nach 2.000 km haben sich an der schwarzen Beschichtung bereits deutliche Gebrauchsspuren gezeigt. Mittlerweile hat die Stütze ihren Dienst ganz quittiert. Schade.

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Zu Testbeginn
Die verbaute Dropper-Post konnte im Test leider nicht vollständig überzeugen …
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Nach 2.000 km
… und hat in unserem Dauertest die Beschichtung verloren und den Dienst quittiert.

Auch der Ausbau des Dämpfers ist nicht besonders servicefreundlich gelöst. Mit einem Drehmomentschlüssel kommt man nur schwer an die Schrauben, was die Montage unnötig umständlich macht. Am Cockpit verbaut AMFLOW ebenfalls viele eigene Komponenten, die grundsätzlich überzeugen. Nur die Griffe würden wir gegen ein hochwertigeres Modell tauschen. Gerollt wird auf hauseigenen AMFLOW XMA30-Alu-Laufrädern im Mullet-Setup, kombiniert mit Schwalbe Radial-Reifen in Gravity-Karkasse. Vorne kommt ein Magic Mary in Ultra Soft, hinten ein Albert in der langlebigeren Soft-Mischung zum Einsatz. Damit setzt AMFLOW auf ein robusteres und trailtauglicheres Setup als noch beim Vorgänger PL. Nice!

Tuning-Tipp: Griffe gegen hochwertigere Modelle tauschen und die mitgelieferte Rahmenschutzfolie passend an den kritischen Stellen montieren.

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AMFLOW PR Carbon Pro

5.899 €

Ausstattung

Motor Avinox M2S 150 Nm
Akku Avinox 800 Wh
Display Avinox 2" O-LED
Federgabel FOX 36 Performance GRIP 160 mm
Dämpfer FOX FLOAT X Performance 150 mm
Sattelstütze AMFLOW 205 mm
Bremsen Magura Gustav Pro 203/203 mm
Schaltung SRAM S1000 Eagle AXS Transmission 1x12
Vorbau AMFLOW
Lenker AMFLOW
Laufradsatz AMFLOW XMA30 29"/27,5"
Reifen Schwalbe Magic Mary, Gravity, Ultra Soft/Albert Trail, Gravity, Soft 2,5"/2,5"

Technische Daten

Größe M L XL XXL
Gewicht 24,2 kg

Besonderheiten

Flip Chips
integriertes Frontlicht

Das AMFLOW PR Carbon Pro im Geometrie-Check

Das AMFLOW PR Carbon Pro ist in den vier Größen M–XXL erhältlich und lässt sich – ähnlich wie das PX – erstaunlich umfangreich anpassen. Serienmäßig rollt das Bike im Mullet-Setup raus, kann aber auch als Full-29er gefahren werden.

Der Lenkwinkel liegt serienmäßig bei 64,5°. Über zusätzlich mitgelieferte Einsätze ins Steuerrohr lassen sich insgesamt fünf verschiedene Lenkwinkel-Settings realisieren. Dazu kommen weitere Chips im Lieferumfang, mit denen sich vier unterschiedlich lange Kettenstreben-Setups einstellen lassen. Auch die Tretlagerhöhe lässt sich über einen Flip-Chip im Rocker Link anheben oder absenken.

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Sehr gelungen sind die sehr kurzen Sitzrohre über alle Größen. Sie sorgen für viel Bewegungsfreiheit bergab und ermöglichen lange Dropper-Posts, auch wenn die verbaute AMFLOW-Sattelstütze diesen Vorteil mit ihrem recht hohen Stack wieder etwas zunichte macht. Mit 475 mm Reach in Größe L ist das durchschnittlich und weder besonders lang noch kurz, während die Rahmengrößen mit Sprüngen von rund 25 mm sinnvoll abgestuft sind.

Größe M L XL XXL
Oberrohr 596,5 mm 623,5 mm 652,9 mm 684,6 mm
Sattelrohr 405 mm 425,4 mm 445 mm 464 mm
Steuerrohr 111,4 mm 123,6 mm 136,9 mm 151,3 mm
Lenkwinkel 64,5° 64,5° 64,5° 64,5°
Sitzwinkel 77° 776,9° 76,7° 76,6°
Kettenstrebe 440/452 mm 440/452 mm 440/452 mm 440/452 mm
BB Drop 10,4/24,5 mm 10,4/24,5 mm 10,4/24,5 mm 10,4/24,5 mm
Radstand 1.227,9 mm 1.256,2 mm 1.287 mm 1.320,1 mm
Reach 452 mm 475 mm 500 mm 527 mm
Stack 626 mm 637 mm 649 mm 662 mm

Weitere Ausstattungsvarianten des E-MTBs

Das neue AMFLOW PR gibt es in zwei Varianten: als PR Carbon und als PR Carbon Pro, dem unserem Test-Bike entsprechenden Topmodell. Zudem stehen zwei Farbvarianten in unterschiedlichen Grautönen zur Auswahl.

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AMFLOW PR Carbon | Avinox M2/800 Wh | 160/150 mm (v/h) | 4.499 € | Hersteller-Website
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Das günstigere PR Carbon setzt auf den etwas schwächeren Avinox M2-Motor, der maximal 125 Nm Drehmoment und 1.100 W Peak Power liefert. Beim Fahrwerk kommt ein einfacheres FOX-Setup mit AWL-Gabel und FOX FLOAT-Dämpfer zum Einsatz. Geschaltet wird mit einer elektronischen SRAM S1000-Schaltung, dazu kommen AMFLOW Alu-Laufräder und TEKTRO TKD173-Bremsen. Mit einem Preis von 4.499 € ist das PR Carbon damit der günstigste Einstieg in die AMFLOW-Welt.

Wie fährt sich das neue AMFLOW PR Carbon Pro auf dem Trail?

Wir haben das AMFLOW PR Carbon Pro und PR Carbon nicht nur auf den sandigen und ruppigen Trails rund um Tremp in Spanien, sondern auch auf unseren Hometrails im Schwarzwald gefahren. Bei einem Fahrergewicht von 82 kg sind wir nach etwas Feintuning schließlich bei einem Setup mit 86 psi in der Gabel gelandet. Der Dämpfer lief mit 210 psi und 3/10 Rebound.

Wie ist die Uphill-Performance?

Bergauf überzeugt das AMFLOW PR Carbon Pro mit einer komfortablen Sitzposition. Man sitzt zentral auf dem Bike, bringt sauber Druck aufs Pedal und fühlt sich sowohl auf längeren Anstiegen auf der Forststraße als auch in technischen Kletterpassagen schnell wohl. Ganz perfekt ist die Ergonomie bergauf aber nicht. Das Cockpit fällt recht hoch aus, was in unserem Fall auch an den drei Spacern unter dem Vorbau lag und sich entsprechend einfach anpassen lässt. Mehr gestört haben die recht kurzen 155-mm-Kurbeln und das insgesamt etwas hochbeinige Fahrgefühl, wodurch man nicht ganz so tief ins Bike integriert ist. Gleichzeitig bringt diese Position aber auch einen Vorteil mit sich: Es bleibt ordentlich Druck auf dem Vorderrad, weshalb das Steigen des Vorderrads in steilen Tech-Climbs trotz der hohen Front insgesamt überraschend gut im Rahmen bleibt.

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Das Fahrwerk ist eher auf der soften Seite angesiedelt und schluckt Unebenheiten auf der Forststraße sauber weg, was dem Bike gerade auf längeren Touren angenehmen Komfort verleiht. Gleichzeitig generiert der Hinterbau in technischen Uphill-Passagen enorm viel Traktion und funktioniert damit deutlich besser als beim günstigeren AMFLOW PR Carbon.

Richtig beeindruckend wird das PR aber im technischen Uphill. Hier ist das Bike erstaunlich leichtfüßig, trotz 24,2 kg, und vermittelt fast das Gefühl, den Anstieg eher hinaufzufliegen als hinaufzuklettern. Der Motor ist dabei eine echte Macht: unglaublich leistungsstark, gleichzeitig leise und sehr berechenbar. Genau das macht das System so stark, denn die enorme Power kommt nicht hektisch oder unkontrolliert, sondern sehr gut dosierbar am Boden an.

Die hohe Leistung verändert die Fahrweise bergauf. Viele technische Schlüsselstellen fährt man nicht mehr im klassischen Grenzbereich zwischen Balance, Traktion und sauber dosiertem Pedaldruck, sondern mit deutlich mehr Grundgeschwindigkeit. In manchen Situationen braucht es dadurch gar nicht mehr die allerletzte Traktion, auch wenn das AMFLOW PR Carbon Pro davon reichlich mitbringt, weil der Motor so kräftig anschiebt, dass schwierige Passagen schlicht mit Schwung entschärft werden. Das Bike schießt einen bei Leistungsabruf förmlich über Hindernisse und zieht spielerisch über Absätze, was bergauf nicht nur extrem effektiv, sondern auch richtig spaßig ist. Mit durchschnittlich rund 20 km/h den Trail hinaufzufliegen, fühlt sich schlicht nach einer anderen Kategorie Uphill-Performance an. Ob die hohen Leistungswerte auf dem Trail wirklich nötig sind, darf man hinterfragen, in der Praxis funktionieren sie aber erstaunlich kontrolliert.

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Dazu kommt eine für diese Leistungsklasse überraschend zurückhaltende Geräuschkulisse. Der Motor bleibt auch unter Last akustisch angenehm und klingt nie unangenehm hochfrequent. Das passt gut zum insgesamt sehr starken Eindruck des Bikes bergauf.

Wie fährt sich das neue AMFLOW PR Carbon Pro bergab?

Geht es bergab, lässt sich das AMFLOW PR Carbon Pro sehr leicht und intuitiv über den Trail bewegen. Das Bike reagiert agil auf Impulse, lässt sich leicht über Hindernisse heben und wirkt bei Richtungswechseln angenehm lebendig. Gerade in engeren, flowigen Sektionen spielt das PR diesen Charakter besonders stark aus und fühlt sich dort sehr zuhause. Hier fährt es sich verspielt, gutmütig und jederzeit vorhersehbar.

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Positiv überrascht vor allem das eher soft abgestimmte Fahrwerk. Es nutzt den vorhandenen Federweg gut aus, vermittelt auf technischen Trails Sicherheit, und Unebenheiten werden sauber geschluckt, was das Bike auch im ruppigen Gelände gut kontrollierbar macht. Wird das Tempo höher und das Terrain ruppiger, fehlt es dem Hinterbau im mittleren Federwegsbereich an klarer Rückmeldung, wodurch sich das Heck nicht besonders definiert anfühlt. Zum Ende des Federwegs baut es dann aber zügig Progression auf und verhindert harte Durchschläge. Für sehr sportliche und erfahrene Rider sind die Einstellmöglichkeiten des FOX Performance-Fahrwerks etwas begrenzt, für die meisten Fahrer dürfte das Setup aber absolut ausreichend sein und es macht insgesamt einen soliden Job.

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So ordnet sich das PR bergab ziemlich stimmig ein: kein herausragender Abfahrts-Spezialist, aber ein insgesamt gutes und angenehm zugängliches E-MTB. Es sorgt nicht für große Überraschungen, sondern funktioniert in vielen Situationen einfach. Bei aktiver Fahrweise lässt sich das Bike gut platzieren und bleibt ausreichend laufruhig. Auch bei den Komponenten bleibt das AMFLOW PR Carbon Pro auf einem sinnvollen, wenn auch nicht übertrieben edlem Niveau. Die Ausstattung passt gut zum Einsatzbereich und funktioniert zuverlässig, ohne an jeder Stelle High-End-Ansprüche bedienen zu wollen. Positiv fällt dabei das integrierte Frontlicht auf, das die Alltagstauglichkeit erhöht und sich im Test als wirklich praktisches Detail erwiesen hat.

Weniger überzeugt dagegen die Geräuschkulisse. Die Kabelführung klappert recht laut am Frontlicht, was den ansonsten guten Gesamteindruck bergab unnötig schmälert.

Für wen ist das neue AMFLOW PR Carbon Pro das richtige E-MTB?

Das AMFLOW PR Carbon Pro richtet sich vor allem an Fahrer, die das starke Avinox-Motorsystem in einem tourentauglichen, clean integrierten und preislich attraktiven Gesamtpaket suchen. Es ist kein kompromissloses Performance-Bike für die härteste Abfahrt, sondern ein vielseitiges E-MTB, das mit hoher Alltagstauglichkeit, intuitivem Handling und starker Uphill-Performance punktet.

Wer mit diesem E-Bike richtig liegt
Der smarte Tourenfahrer
Wer ein vielseitiges E-MTB für lange Touren, Forststraßen, technische Uphills und entspannte Trail-Tage sucht, bekommt hier ein sehr stimmiges Gesamtpaket. Der entnehmbare Akku und das integrierte Licht machen das Bike auch abseits des reinen Trail-Einsatzes attraktiv.

Der Motor-Fan mit Vernunft
Wer vor allem das kraftvolle Antriebssystem in einem Bike haben will, aber nicht automatisch das maximal abfahrtsorientierte Gesamtpaket braucht, ist hier genau richtig. Das PR Carbon Pro kombiniert enorme Motorleistung mit guter Kontrollierbarkeit und verpackt das Ganze in einem deutlich alltagstauglicheren und preislich spannenderen Rahmen als viele radikalere Bikes.

Wer mit diesem Bike weniger harmoniert
Der Downhill-Maximalist
Wer bergab das letzte Quäntchen Reserven, maximalen Support für grobe und ruppige Trails mit viel Tempo im Blick hat, verlangt dem Bike mehr ab, als es eigentlich sein will. Es kann Trail, Tour und Alltag sehr gut, auf dem Trail aber nicht mit der letzten Portion Kompromisslosigkeit und Gegenhalt, die aggressive Rider in diesem Bereich suchen.

Der reine Shuttle-Mode-Fahrer
Wer bergauf eigentlich nur zum Startpunkt will und das Bike vor allem als Lift-Ersatz für die Abfahrt versteht, bekommt mit dem PR nicht das schärfste Werkzeug. Dafür ist sein Charakter zu vielseitig und zu stark auf das Gesamtpaket statt auf maximale Bergab-Performance ausgelegt.

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Fazit zum neuen AMFLOW PR Carbon Pro

Das AMFLOW PR Carbon Pro ist ein gut abgestimmter Allrounder mit enorm starkem Motor, hoher Alltagstauglichkeit und überraschend attraktivem Preis. Bergauf klettert es dank Avinox M2S-Motorsystem bereitwillig und überzeugt bergab mit agilem, gutmütigem Handling. Kleine Schwächen wie die klappernden Leitungen, die mäßige Dropper und die eingeschränkte Servicefreundlichkeit kosten Punkte, ändern aber nichts am starken Gesamteindruck. Damit schickt AMFLOW ein vielseitiges E-MTB ins Rennen, das den Einstieg in die Avinox-Welt für viele Fahrer verdammt attraktiv macht.

Tops

  • hohe Alltagstauglichkeit
  • starke Uphill-Performance mit viel Fahrspaß
  • agiles und gutmütiges Handling
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Flops

  • etwas undefinierter Mid-Stroke-Support am Heck
  • laut klappernde Kabel
  • schwache Dropper-Performance

Weitere Infos zum AMFLOW PX Carbon Pro findet ihr bei AMFLOW.


Words: Benedikt Schmidt Photos: Lars Engmann

Wer schreibt hier?

Benedikt Schmidt
Editor

Benedikt ist Experte für das E-MTB-Segment bei 41 Publishing und leitet die groß angelegten Vergleichstests. Nach seinem Einstieg mit Fokus auf Urban Mobility verantwortet er heute die Planung und Durchführung der weltweit aufwendigsten Testreihen für das E-MOUNTAINBIKE Magazin. Sein Schwerpunkt liegt auf tiefgreifenden technischen Deep-Dives, in denen er Antriebssysteme, Geometrien und Komponenten-Innovationen präzise analysiert. Als verantwortlicher Projektleiter liefert er fundierte, datenbasierte Kaufberatungen für den High-End-Sektor.

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