Geduld wird im Leben oft belohnt – sei es mit einem leckeren After-Ride-Bier oder einem perfekten Sonnenuntergang. Wenn man allerdings mit Mach Zehn auf eine Kurve zufliegt und hart in die Bremse greift, ist Geduld absolut fehl am Platz! Welches Modell hier am besten verzögert, haben wir herausgefunden.

Eine gute Bremse macht mehr, als nur zu verzögern: Sie erlaubt es, auf dem schmalen Grat zwischen Traktion und Drift zu balancieren. Sie hat genug Power, um den Fahrer samt E-Mountainbike in jeder Situation sicher zum Stehen zu bringen und ist gleichzeitig gut dosierbar, sodass man genau spürt, ob die Reifen noch genug Grip generieren können. Außerdem sollte sie leicht zu entlüften sein und dabei für möglichst wenig Sauerei sorgen, damit das Haustier nicht in DOT 5.1 gebadet wird.

Anatomie einer guten Bremse

Entlüftungssystem
Die beste Bremse besitzt ein Entlüftungssystem, mit dem die Flüssigkeit schnell und einfach zu wechseln ist, ohne dass danach die Wände neu tapeziert werden müssen.

Klemme
Die Tage, an denen man die Griffe demontieren musste, um die Bremsen zu montieren, sind zum Glück vorbei. Die meisten Bremsen haben heute eine geteilte Klemme, durch die die Montage zum Kinderspiel wird. Häufig lässt sich außerdem der Schalthebel direkt an der Bremse befestigen, wodurch das Cockpit noch aufgeräumter ist.

Kontaktpunkt-Verstellung
Mit ihm kann man einstellen, an welchem Punkt des Hebelweges der Druckpunkt sein soll – also der Moment, in dem die Beläge die Scheibe berühren und zu verzögern beginnen.

Fading
Unter extremen Bedingungen werden Beläge und Scheibe sehr heiß (über 500 °C) und die Bindestoffe, die die Beläge zusammenhalten, können ausgasen und so die Reibung zwischen Scheibe und Belägen verschlechtern. Das nennt man Fading.

Bremsflüssigkeit
Die meisten Hersteller nutzen inzwischen Mineralöl als Trägerstoff. Trotzdem gibt es noch viele Fans von DOT 5.1, weil es im Gegensatz zu herstellerspezifischen Mineralölen deutlich einfacher zu beschaffen ist.

Hebelweite
Bei der Einstellung der Hebelweite bestimmt ihr, wie weit die Hebel vom Lenker entfernt sind. Bei manchen Modellen geht das werkzeugfrei, bei anderen braucht man beispielsweise einen Torx-Schlüssel. Ob ihr Hände wie Schaufeln oder Mäusepfötchen habt – bei einer guten Bremse solltet ihr immer eine passende Hebelweite finden.

Hebel-Ergonomie
Der Hauptkontaktpunkt zu den Bremsen ist der Bremshebel. Die besten Modelle haben inzwischen kugelgelagerte Hebel, um die Bedienung möglichst reibungsarm und direkt zu gestalten.

Dosierbarkeit
Unter Dosierbarkeit versteht man die Feinheit, mit der man die Bremse kontrollieren kann. Die besten Bremshebel haben ein dem Hebelweg angepasstes Übersetzungsverhältnis für einen definierten Kraftzuwachs und volle Kontrolle.

Bremsbelag-Typen
Die meisten Bremsen lassen sich mit organischen oder gesinterten Bremsbelägen fahren. Organische Beläge haben mehr Power und sind meist leiser im Betrieb, laufen aber eher Gefahr, bei langen Abfahrten zu faden. Gesinterte Beläge sind deutlich widerstandsfähiger als die organischen, dafür aber nicht so bissig.

Bremskolben
Scheibenbremsen arbeiten mit sich gegenüberliegenden Bremskolben, die die Beläge zusammendrücken. Die meisten Bremsen haben zwei oder vier Kolben. Vier Kolben sind nicht gleichbedeutend mit mehr Power, aber kleinere (und dafür doppelt so viele) Kolben bedeuten bessere Kontrolle. Dafür sind vier Kolben entsprechend schwerer.

Scheibengröße
Der kostengünstigste Weg, die Bremsperformance zu verbessern, ist der Einbau größerer Bremsscheiben. Der Wechsel von Scheiben mit 180 auf Scheiben mit 200 mm Durchmesser kann bis zu 30 % mehr Bremsleistung und Dosierbarkeit bringen. Eine größere Scheibe unterstützt zudem die Hitzeableitung, ist dafür aber schwerer und kann bei falscher Montage leichter schleifen. Die beste Leistung bringen Bremsen mit den Originalscheiben des Herstellers.

Übersicht

Bremse Einstellung Gewicht (pro Stück) Preis (pro Stück)
Hope Tech 3 E4 Hebelweite, Druckpunkt 252 g 214,10 €
Magura MT4 Hebelweite* 212 g 89 €
Magura MT5 Hebelweite* 248 g 111 €
SRAM Guide Ultimate Hebelweite, Druckpunkt 230 g 301 €
SRAM Guide RE Hebelweite 274 g 145 €
Shimano Saint Hebelweite, Druckpunkt 300 g
Shimano Deore XT Hebelweite, Druckpunkt* (funktionierte jedoch nicht) 278 g
Shimano XTR Hebelweite, Druckpunkt* (funktionierte jedoch nicht) 256 g

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Über den Autor

Trev Worsey