2. Tag: Königsetappe über den Alpenhauptkamm

Strecke: 95,8 km, 2247 hm
Rifenal – Fließ – Prutz – Pfunds – Kajetansbrücke – Martina – Sur En – S-charl – Pass da Costainas – Lü – Tschierv (Münstertal)

War der erste Tag von Garmisch bis ins Inntal bei Landeck eher eine gemütliche Einrolltour, heißt es am zweiten Tag ordentlich Strecke machen. Der Alpenhauptkamm soll via Pass da Costainas (2251 m) bezwungen werden. Nach der ruhigen Nacht in Rifenal geht es zunächst auf der Via Claudia in Richtung Fließ. Dabei wandeln wir wieder auf der historischen Römerstraße über die berühmte Fließer Platte. Dabei kommt es zu einer kurzen Schiebepassage über insgesamt ca. 150 Meter und rund 30 Höhenmeter.

Etwas knifflig ist einzig die Stelle zwischen Fließ und Pontlatz, wo die Via Claudia die zumeist stark befahrene Reschenpass-Straße erreicht. Wir müssen eine Weile warten, ehe wir zum Überqueren der Straße eine Lücke in der Reihe der vorbeifahrenden Autos abpassen können. Zum Innradweg gelangt man über einen kurzen, steil bergab führenden Pfad mit Stufen. In Prutz verlassen wir kurz den offiziellen Radweg und fahren auf einer schöneren Strecke direkt entlang am Ufer des Inns. Nach der Kajetansbrücke gibt es inzwischen einen schönen Weg abseits der Straße in Richtung Schweiz. Der Einstieg ist etwas schwer zu finden. Nach der Kajetansbrücke geht es abwärts in Richtung Campingplatz und dann gleich scharf rechts auf den Forstweg bis Altfinstermünz. Dort ist die alte Holzbrücke über den Inn zu bewundern, die jahrhundertelang die alte Straße zum Reschenpass kontrollierte.

Der Forstweg geht nun steil bergauf und erreicht bei Vinadi die Zollstraße nach Martina. Diese verläuft durch die an dieser Stelle schmale Innschlucht. Da ist kein Platz für einen Radweg. Wir müssen uns die Straße mit den Autos teilen. Da es bergab geht, ist die Passage schnell überwunden und man ist in der Schweiz. Die Zöllner interessieren sich nicht für uns und wir passieren das verschlafen in der Sonne liegende Martina. Der Innradweg ist zunächst geteert. Vor Strada nehmen wir wieder einen Trail am Innufer entlang (bei hohem Wasserstand bleibt man auf dem Radweg, der über Strada verläuft).

Ab San Nicla verläuft der offizielle Radweg mit einigem Auf und Ab als Forstweg bis Sur En. Am gemütlichen Campingplatz ist Rasten angesagt. Er ist 365 Tage im Jahr geöffnet und somit eine sehr sichere Nachlademöglichkeit, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Es ist nur fair, wenn man im Gegenzug dort auch etwas verzehrt, ungeachtet des für unsere Verhältnisse hohen Preisniveaus. Danach passieren wir das Val d’Uina. Ich überlege, ob das in dieser Richtung mit dem eMTB gehen könnte. Wer weiß? Aber nicht heute.

Zügig und entspannt geht die Fahrt nach S-charl. Die riesigen Schutthalden entlang des Weges machen den Eindruck einer Mondlandschaft. Im idyllischen S-charl ist erster und allgemeiner Treffpunkt zunächst der Dorfbrunnen. Wir füllen Wasser nach und checken den Ladezustand. 400 Höhenmeter sind es noch bis zum Pass da Costainas. Ja, das sollte reichen. Und es reicht. Mit eMTB ist der Trail von der Alp Astras bis zum Pass in der Tat komplett fahrbar. Ich mache Philipp alle Weidegatter rechtzeitig auf und schließe sie hinter ihm. Er muss nur zum Fotoshooting die Fahrt unterbrechen. Am Pass trudeln nach und nach einige Gruppen ein, die wir unterwegs immer wieder überholt hatten. Bei unseren Fotostopps waren sie dann immer rasch an uns vorbei gezogen. Wir entschuldigen uns, falls wir sie dadurch genervt haben sollten. Irgendwie kommt raus, dass sie die Albrecht-Route fahren und ich derjenige bin, auf dessen Spuren sie wandeln. Das Hallo ist nun groß. Für den Moment genieße ich meine Popularität ein wenig und lasse mich bereitwillig in verschiedenen Konstellationen fotografieren. Mit Wehmut denke ich daran, dass mir meine Bekanntheit in der Mini-Szene Transalp leider daheim wenig nützt, dort muss ich doch tatsächlich immer noch den Müll runterbringen. Welch schreiende Ungerechtigkeit! Philipp ist auch etwas überrascht, was so abläuft. Ich sage zu ihm, er solle auf mich aufpassen. Falls mir was zu Kopf steigen sollte, soll er mich wieder runter auf den Boden der Tatsachen bringen. Wie sich zeigt, wird das nicht nötig sein.

Wir machen noch einen letzten Fotostopp, bevor die Abfahrt nach Lü beginnt. Ein kurzes „Hallo“ noch bei Mama Lü im Gasthof Hirschen und wir sind in Windeseile unten in Tschierv angelangt, wo heute wieder Albrecht-Routen-Day angesagt ist. Der Chef vom Hotel Staila spritzt mit Hingabe die Bikes der eintreffendenTransalpler ab, bevor er sie sicher in der Bikegarage verwahrt. Ich begrüße ihn herzlich und freue mich, an diesem Ort zu sein, einem der vielen in den Alpen, wo im Laufe der Jahre Freundschaften entstanden sind. Rolf sagt mir, dass ihm neben dem nicht unerheblichen wirtschaftlichen Aspekt (einiges an Sommerumsatz kommt für ihn durch die Albrecht-Route rein) am meisten fasziniert, dass oft so etwas wie eine kleine Community der Transalpler entstehe. Abends sitzen sie oft mit meinem Büchlein, lesen, was sie am nächsten Tag erwartet und freuen sich darauf. Dabei ergeben sich oft Gespräche, die über den Tellerrand hinaus gehen, und das mache die Sache für ihn einfach immer wieder interessant.

Hinweise zur Hauptroute

  • GPS-Track: 02-EAR-Rifenal-Tschierv.gpx
  • Radweg über Strada bei hohem Wasserstand des Inns
  • GPS-Track: 02-var-Strada.gpx
  • Bustransfer von Scuol nach S-charl ggf. möglich im Rahmen der Platzkapazität, ob eMTB transportiert werden, muss vorher geklärt werden, Info unter postauto.ch
  • Postbusse nehmen in Österreich derzeit keine eBikes mit – Änderungen bitte melden über das Kontaktformular

Hinweise zur Nebenroute

Strecke: 93,2km, 2061 hm

  • Landeck – Urgen- Prutz – Pfunds – Kajetansbrücke – Martina – Sur En – S-charl – Pass da Costainas – Lü – Tschierv (Münstertal)
  • GPS-Track: 02-EAR-Var-Landeck-Tschierv.gpx
  • von Landeck bis zum Stausee bei Pontlatz auf dem normalen Innradweg
  • Wechsel von Landeck zur Hauptroute möglich (ca. 50 zusätzliche Höhenmeter, dafür ca. 1 km kürzer)
  • GPS-Track: 02-var-Verbindung-Landeck-Hauptroute.gpx

Einkehrtipps mit sicherer Nachlademöglichkeit

  • Pfunds: Campingplatz an der Kajetansbrücke
  • Sur En: Campingplatz (ganzjährig geöffnet), Telefon: +41 81 866 35 44 suren.ch
  • S-charl: „Crusch Alba“ cruschalba.ch Tel: 0041-818641405, auch Übernachtungsmöglichkeit, wenn man die Etappeneinteilung anders plant, mit Frühstück oder HP, Waschservice

Radshop mit eBike-Kompetenz:

  • Zams-Landeck: Peto Bike, Buntweg 1, 6511 Zams, Österreich, Telefon: +43 5442 63550 petobike.com

Übernachtungstipps

  • Tschierv: 1. Wahl ist das Hotel Al Rom (früher Hotel Staila), direkt an der Ofenpass-Straße gelegen, sichere Bikegarage mit Waschplatz, Wäscheservice, super Frühstück: hotel-al-rom.ch
  • Tschierv: Gasthaus La Vopa, sehr rustikaler Charme, der an Hüttenübernachtung erinnert, sehr gutes Essen, tolles Bikerfrühstück
  • Lü: Pension Hirschen – Telefon: +41 / (0) 81 858 51 81 hirschen-lue.ch/

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