Die Welt steht Kopf, wenn das THOK die Bühne betritt. Okay, vielleicht nicht die ganze Welt, aber zumindest der Akku – denn der ist beim italienischen Newcomer unter dem Unterrohr angebracht. Was diese Überkopf-Montage bringt und was das THOK MIG-R sonst noch zu bieten hat, klären wir in unserem Test.

THOK MIG-R | 150/140 mm (v/h) | 22,92 kg | 5.250 €

Mit THOK bereichert eine E-MTB-Marke aus Italien den Markt und unser erster Test des THOK MIG war bereits vielversprechend. Jetzt hatten wir die Möglichkeit, das Baby des Ex-BMX- und Downhill-Profis Stefano Migliorini ausführlich zu testen. Auffälligste Besonderheit des Rahmendesigns ist die Platzierung des Shimano-Akkus unter dem Unterrohr. Mit diesem Kunstgriff hält THOK nicht nur den Schwerpunkt angenehm tief, sondern schafft auch Platz für einen Flaschenhalter im Rahmendreieck. Die Kehrseite der Medaille ist die etwas gewöhnungsbedürftige Optik. Eine Kunststoffabdeckung schlingt sich um den Akku und wird von einem Gummiband fixiert, diese eigenwillige Lösung wird nicht jedem gefallen, erfüllt aber ihren Zweck.

Die Optik des THOK MIG-R polarisiert. Die Akku-Abdeckung ist auch in einem dezenteren Schwarz erhältlich, das uns besser gefallen würde.

Das THOK MIG-R im Detail

Auch die restlichen Details des Alu-Rahmens sind optisch nicht gerade ein Highlight, bieten aber funktional wenig Anlass zur Kritik. Das THOK MIG verfügt über 140 mm Federweg am Heck, gepaart mit einer 150-mm-Federgabel, und rollt auf 27.5+ Laufrädern mit breiten 2,8″-Reifen. In diesem Test hatten wir das teurere der beiden Modelle, das für 5.250 € den Besitzer wechselt. Auch bei der Ausstattung ist die Optik wohl zweitrangig gewesen, Details wie das hauseigene Cockpit wirken eher billig – beim Fahren stört das jedoch nicht. Das RockShox-Fahrwerk arbeitet gewohnt zuverlässig und ist leicht abzustimmen, die Shimano XT-Bremsen sind mit ihren Zwei-Kolben-Bremssätteln zwar nicht unsere erste Wahl, bieten mit großen 200-mm-Scheiben vorne und hinten jedoch ausreichend Power.

Die Shimano XT-Bremsen kommen mit großen 200-mm-Bremsscheiben vorn und hinten, lobenswert!
Das hauseigene Cockpit gewinnt keinen Schönheitswettbewerb, ist aber mit einem 50-mm-Vorbau und einem 780-mm-Lenker gut proportioniert.
Ein RockShox Deluxe RL-Dämpfer hält die 140 mm Federweg des Vier-Gelenk-Hinterbaus in Zaum.
Ein Gummiband fixiert die Akku-Abdeckung – nicht schön, aber zweckmäßig. Das Gummiband erschwert zudem das Anschalten des Bikes, denn es läuft genau über den Schalter am Akku.

Die Ausstattung des THOK MIG-R

Gabel RockShox Lyrik RC 150 mm
Dämpfer RockShox Deluxe RL 140 mm
Schaltung Shimano XT 11–46
Bremsen Shimano XT 200/200 mm
Lenker THOK 780 mm
Vorbau THOK 50 mm
Sattelstütze THOK 150 mm
Laufräder SUNringlé Düroc 40 Comp
Reifen MAXXIS Minion DHR/ Rekon 2.8
Gewicht 22,92 kg (Größe L)
Preis 5.250 €

Geometrie des THOK MIG

Größe S M L XL
Oberrohr 560 mm 585 mm 615 mm 650 mm
Sattelrohr 400 mm 435 mm 470 mm 520 mm
Steuerrohr 100 mm 100 mm 130 mm 150 mm
Lenkwinkel 66° 66° 66° 66°
Sitzwinkel 74,5° 74,5° 74,5° 74,5°
Kettenstreben 450 mm 450 mm 450 mm 450 mm
BB Drop 16 mm 16 mm 16 mm 16 mm
Radstand 1.157 mm 1.183 mm 1.214 mm 1.251mm
Reach 405 mm 426 mm 450 mm 479 mm
Stack 596 mm 606 mm 624 mm 642 mm

Das THOK MIG-R auf dem Trail

Die ausgewogene Geometrie macht das THOK zu einem guten Kletterer.

Bereits beim ersten Aufsitzen fühlt man sich direkt wohl auf dem THOK MIG-R. Der Reach trifft mit 450 mm in Größe L genau ins Schwarze, die Front ist mit einem Stack von 624 mm angenehm hoch, aber nicht zu hoch. Dank des steilen Sitzwinkels von 74,5° bekommt man stets ordentlich Druck auf die Front und hat nie das Gefühl, von hinten zu treten. Dazu tragen auch die 450-mm-Kettenstreben bei, die sehr gut ins Gesamtkonzept passen. So gerüstet klettert das THOK MIG-R mit sehr viel Traktion und lässt sich dennoch leicht um enge Kurven zirkeln. Erst wenn der Trail extrem steil wird, fordert der flache Lenkwinkel seinen Tribut und der Fahrer muss etwas härter arbeiten, um das Bike in der Spur zu halten.

Das THOK MIG-R vermittelt viel Sicherheit auf der Abfahrt und motiviert zum Gasgeben.

E-MTB hin oder her, am meisten Spaß macht es uns immer noch, wenn der Trail ins Tal zeigt und die Schwerkraft übernimmt. Auf der Abfahrt verwöhnt das THOK seinen Piloten mit hervorragendem Handling und lädt zum Spielen ein. Das Fahrwerk arbeitet souverän, gibt aber immer auch ausreichend Rückmeldung vom Untergrund und spricht damit eher versierte Piloten an. Das THOK belohnt eine aktive Fahrweise mit sehr viel Fahrspaß, auf wenigen E-MTBs werden sich Mountainbiker so schnell wohlfühlen wie auf dem THOK. Die Geometrie ist sehr ausgewogen und bietet einen äußerst gelungenen Mix aus Laufruhe und Agilität.

Up in the Air: Der tiefe Schwerpunkt und die ausgewogene Geometrie sorgen für ein sehr berechenbares Handling in der Luft.

Die Ausstattung ist zweckmäßig und erfüllt ihre Aufgaben, ohne zu murren. Die griffigen MAXXIS-Reifen generieren auf den 40 mm breiten SUNringlé-Laufrädern viel Grip, die XT-Schaltung mit 11–46er-Kassette verfügt über eine gute Bandbreite. Die die günstige THOK-Sattelstütze zählt zwar nicht zu den Highlights, bietet aber immerhin 150 mm Absenkung. Der Shimano STEPS E8000-Motor arbeitete gewohnt zuverlässig und lässt sich seit Kurzem mittels Smartphone-App an die eigenen Bedürfnisse anpassen.

Fazit

Über die Optik des THOK MIG-R lässt sich streiten, doch das Handling des Rades ist über jeden Zweifel erhaben. Die Geometrie ist äußerst gelungen und macht das THOK zu einem echten Spaßbike, die solide Ausstattung und das gute Fahrwerk runden das faire Gesamtpaket ab. Das THOK MIG-R empfiehlt sich vor allem für ambitionierte Fahrer mit aktivem Fahrstil, die gerne spielerisch über die Trails jagen.

Mehr Infos auf thokbikes.com

Text: Moritz Dittmar Fotos: Valentin Rühl