Das SCOTT E-Spark 700 Plus Tuned war eines der interessantesten Bikes der letztjährigen EUROBIKE. Dabei war das Rad damals noch hinter einer Glasscheibe eingesperrt. Anfassen verboten! Probefahrt unmöglich! Sieben Monate später ist jetzt ein erstes fahrbares Modell verfügbar – und wir haben es für euch exklusiv einem ersten Test unterzogen.

Endlich in freier Wildbahn: das brandneue SCOTT E-Spark 700 Plus Tuned für 6.999 € kommt ab Anfang Mai in den Handel.

Der Rahmen des SCOTT E-Spark im Detail

Nino Schurter hat im letzten Jahr alles gewonnen, was es im Cross-Country-Profisport zu gewinnen gab. Sein Arbeitsgerät: ein SCOTT Spark. Das E-Spark ähnelt in Sachen Optik und Fahrwerk der Rennmaschine des Profis, aber dank des voll in den Rahmen integrierten Shimano E8000 STEPS-Antriebs können mit ihm nun auch Normalsterbliche Anstiege mit der Power des Olympiasiegers erklimmen.

Die Silhouette des E-Spark ist mit der von Nino Schurters Arbeitsgerät identisch, einzig das voluminöse Unterrohr weist auf den integrierten Shimano-Antrieb hin.
Den Speed-Sensor integriert SCOTT direkt in die Centerlock-Bremsscheibe. Das Verlieren des Magneten ist so unmöglich – nice!
Die innenverlegte Bremsleitung sorgt für eine cleane Optik, wird jedoch so manchem Schrauber die Schweißperlen auf die Stirn treiben.
Der FOX Nude-Dämpfer lässt sich vom Lenker aus in zwei Stufen verhärten. Die Zugstufenverstellung ist verständlich beschriftet und die einzelnen Klicks haben bereits große Auswirkungen, was das Setup erleichtert.
An der Front verbaut SCOTT ein 34-Zahn-Kettenblatt …
… das gemeinsam mit der 11–46-Kassette für eine optimale Übersetzungsbandbreite sorgt.
Auch der Schaltungszug und das Kabel der Teleskopsattelstütze laufen intern im Rahmen – klappern tut hier aber nichts.
Der 500-Wh-Akku kann nach unten entnommen werden, man kann ihn aber auch direkt im Rahmen laden.

Das E-Spark Plus verfügt über 130 mm Federweg in Front und 120 mm am Heck, die sich mithilfe der TwinLoc-Technologie in zwei Stufen vom Lenker verhärten lassen. Der kompakte FOX Nude-Dämpfer verfügt über eine Trunnion-Mount-Aufnahme, die den Bauraum reduziert und so eine größere Überstandshöhe ermöglicht. Im voluminösen Unterrohr des voll aus Aluminium gefertigten Rahmens sitzt ein 504 Wh großer Akku, der nach unten entnommen werden kann. Das schafft im Rahmendreieck Platz für einen Flaschenhalter. Ein weiteres smartes Detail ist der fix an der Bremsscheibe integrierte Speedsensor – nice! Die Züge laufen im Inneren des hochwertig anmutenden Rahmens, das sorgt für eine cleane Optik. Gerade im Fall der Bremse ist der Tausch der Leitung im Falle eines Services/Defekts aber sehr zeitaufwendig.

Die Ausstattung des SCOTT E-Spark 700 Tuned Plus

Da es sich beim E-Spark 700 Tuned Plus um das Top-of-the-Line-Modell handelt, war bereits im Vorfeld klar, dass SCOTT hier keine Kompromisse eingeht. Das edle FOX Factory-Fahrwerk besteht aus einer für E-Bikes optimierten 34 FLOAT-Federgabel mit 130 mm und dem Nude-Dämpfer – und es weiß genauso zu gefallen wie der Shimano XT Di2-Antrieb, der Gangwechsel extrem schnell und knackig erledigt. Die Shimano XT-Bremse mit 200 mm großen Scheiben an beiden Laufrädern sorgt für zuverlässige Verzögerung. Besonders schön ist die Verlegung der Kabel im Inneren des Syncros-Carbonlenkers. Die flach profilierten MAXXIS Rekon-Reifen unterstreichen den vortriebsorientierten Charakter des Bikes.

Vom Feinsten! Die FOX 34 FLOAT wurde für E-Bikes optimiert und begeistert mit sahnigem Ansprechverhalten. Trotz lediglich 130 mm Federweg filtert sie Schläge sehr gut weg.
Die Kabel der Di2-Schaltung und des Antriebs verlaufen durch das Innere des Carbonlenkers – sehr schön gelöst!
Die FOX Transfer-Sattelstütze weiß – wie immer – auch im E-Spark zu überzeugen und verfügt über ausreichend Hub.
Das Syncros-Cockpit fügt sich sowohl optisch als auch funktionell perfekt ins Gesamtbild des E-Spark ein.
Ganz schön überladen – die vielen Verstellhebel sorgen für Chaos am Lenker. Während des Tests haben wir die TwinLoc-Funktion nie genutzt. Am E-Mountainbike ist sie unserer Meinung nach unnötig.
Breite Felgen (40 mm) sorgen für einen stabilen Sitz des Reifens und reduzieren so die Gefahr von Burping oder Walken.
Dem flach profilierten MAXXIS Rekon+ fehlt es auf weichen Böden leider an Grip. Die Dämpfung des Reifens dagegen ist top, der Komfort hoch.

Federgabel FOX 34 Float Factory 130 mm
Dämpfer FOX NUDE Trunnion 120 – 85 mm – Lockout Shock
Motor / Akku Shimano STEPS E8000 / 500 Wh
Bremsen Shimano XT
Schaltung Shimano XT
Sattelstütze FOX Transfer
Vorbau Syncros 31.8 mm
Lenker Syncros Carbon 760 mm
Reifen MAXXIS Rekon+
Laufräder Syncros

Die Geometrie des SCOTT E-Spark

SCOTT hat dem E-Spark eine stark an klassische Mountainbikes angelehnte Geometrie mit kurzen Kettenstreben und einem tiefen Tretlager verpasst. Gepaart mit einem moderaten Lenkwinkel und langem Hauptrahmen, begeistert das E-Spark so vor allem bergab mit einem sehr ausgewogenen Handling. Hier die Geometrie im Überblick.

Größe S M L XL
Oberrohr 580 mm 610 mm 640 mm 660 mm
Sattelrohr 400 mm 440 mm 490 mm 540 mm
Steuerrohr 110 mm 120 mm 130 mm 140 mm
Lenkwinkel 67,5° 67,5° 67,5° 67,5°
Sitzwinkel 73,8° 73,8° 73,8° 73,8°
Kettenstreben 445 mm 445 mm 445 mm 445 mm
Bottom Bracket Height 337 mm 337 mm 337 mm 337 mm
Radstand 1.142 mm 1.173 mm 1.204 mm 1.226 mm
Reach 406 mm 433 mm 460 mm 478 mm
Stack 597 mm 607 mm 616 mm 625 mm

Das SCOTT E-Spark 700 Tuned Plus auf dem Trail

Schon vor der ersten Kurbelumdrehung punktet das E-Spark mit seiner extrem aufgeräumten und vollintegrierten Optik. Die Sitzposition auf dem Testbike in Größe Medium ist mit einer Körpergröße von 180 cm sehr komfortabel. Leicht gestreckt und zentral nimmt man Platz. Der Shimano E8000 STEPS-Antrieb unterstützt gewohnt kraftvoll und stellt seine Kraft im Trailmode gewohnt gefühlvoll zur Verfügung. Tritt man leicht, gibt es wenig Support, tritt man dagegen kräftiger, schiebt er mächtig an! Selbst bei steilen Anstiegen hält das Vorderrad des E-Spark dank des steilen Sitzwinkels zuverlässig Bodenkontakt. Kritisch wird es erst bei sehr technischen Uphills, hier sorgt das tiefe Tretlager (26 mm Drop) dafür, dass man die Augen bei der Linienwahl offen halten sollte, um einen Pedal-Wurzel- bzw. Stein-Kontakt zu vermeiden.

Bergauf sorgt das E-Spark für ein dickes Grinsen und begeistert mit sehr gutem Vortrieb.

In der Abfahrt sorgt das tiefe Tretlager allerdings für ein extra dickes Grinsen. Als Fahrer steht man hier sehr gut integriert zwischen den großen 27.5+ Laufrädern – speziell in Kurven ein großer Vorteil. Wie auf Schienen fräst man durch Anlieger und auch an mit Wurzeln durchsetzten Schräghängen hat man volle Kontrolle. Vorausgesetzt, der Boden ist nicht zu matschig oder lose, denn die flach profilierten MAXXIS Rekon+ Reifen setzen sich schnell zu und bieten dann nicht die Traktion, die wir uns für ein solches Bike wünschen würden. Gerade am Vorderrad ist ein Upgrade auf einen Minion DHR II+ absolut empfehlenswert.

Das Handling ist sehr verspielt, die Geometrie ausgewogen. Das sorgt für Fahrspaß!
Trotz des geringen Federwegs vermittelt das E-Spark viel Sicherheit – die Balance auf dem Bike stimmt.
Kurven durchfährt man wie auf Schienen. Hier punktet das Bike mit seinem tiefen Tretlager und dem progressiven Fahrwerk.

Trotz lediglich 130 mm Federweg an der Front und 120 mm am Heck vermittelt das Fahrwerk des E-Spark viel Sicherheit und arbeitet sehr feinfühlig und definiert. Allerdings spürt man bei schnellen, harten Schlägen, dass man mit etwas wenig Federweg unterwegs ist. Als sportlich-aggressiver Fahrer liebt man das definierte Handling und das progressive Heck, mit dem sich das E-Spark willig durch das Gelände manövrieren und pushen lässt. Bei Absprüngen katapultiert einen das Rad förmlich in die Luft, trotz des mit über 22 kg nicht gerade leichten Eigengewichts. Die Geometrie ist sehr ausgewogen, die Gewichtsverteilung sehr gut. Dank der 445 mm kurzen Kettenstreben gelingen Richtungswechsel spielerisch und so motiviert einen das E-Spark ständig dazu, noch eine weitere Kurve zu fahren und nicht nach der schnellsten Linie zu jagen. Als weniger versierter Fahrer liebt man das sehr ausgewogene und berechenbare Handling, lediglich etwas mehr Federwegsreserven wären wünschenswert, um auch in anspruchsvollerem Terrain sicher auf Kurs zu bleiben.

Auf flowigen Trails ist das E-Spark eine echte Waffe!

Fazit

Das neue SCOTT E-Spark überzeugt beim ersten Test mit seinem sehr agilen Handling, dem verspielten Fahrwerk und der komfortablen Sitzposition. Trotz geringem Federweg macht es im Gelände richtig Spaß, könnte mit einer etwas abfahrtslastigeren Ausstattung bergab aber noch mehr, ohne Einbußen im Uphill in Kauf nehmen zu müssen! Wird es anspruchsvoller, bleibt das E-Genius mit dem Plus an Federweg die bessere Wahl.

Mehr Informationen findet ihr unter scott-sports.com

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Text & Fotos: Christoph Bayer