Das Fahrwerk eures E-MTBs einzustellen ist einfacher, als ihr vielleicht denkt und verändert merklich Feeling, Komfort, Verwendungsbreite und natürlich Performance eures teuren Bikes. Wir zeigen euch den einfachsten Weg. Und die ganze Aktion kostet euch nur 10 min Zeit.

Wisst ihr, wieviel SAG ihr fahrt, was SAG überhaupt ist und wie man ihn korrekt einstellt? Falls nicht, ist es Zeit für eine kleine Lektion, denn einige wenige Veränderungen können hier große Verbesserungen bringen. Das Fahrwerk eures E-MTBs ist sehr ausgereift –, um perfekt zu funktionieren, muss es aber optimal eingestellt sein. In dieser Anleitung führen wir euch durch ein Zehn-Minuten-Programm, um eure Gabel (und euren Dämpfer, falls vorhanden) perfekt einzustellen und den Spaß auf dem Trail zu maximieren.

Ihr seid mehr als nur eine Zahl

Ziel dieser Lektion ist es, das Fahrwerks-Setup zu finden, das für euch persönlich optimal ist. Wenn man einfach die Vorgaben der Hersteller befolgt oder die Einstellungen der Kumpel kopiert, wird das Fahrwerk okay – aber nicht perfekt. Wenn ihr dieser Lektion folgt, bekommt ihr die optimale Einstellung und lernt, euer Bike noch besser zu verstehen.

Viele Fahrwerke, die sich inzwischen an E-MTBs finden, sind an die speziellen Erfordernisse eines E-MTBs angepasst.

Wie funktioniert euer Fahrwerk eigentlich?

Bevor wir anfangen, sollten wir uns über die Funktionsweise eures Fahrwerks unterhalten. In eurer Gabel (oder eurem Dämpfer) gibt es zwei Hauptgruppen, die Feder und die Dämpfung. Die Feder, meist bestehend aus komprimierter Luft, fängt Einschläge ab und erlaubt es dem Bike, auf diese zu reagieren, statt sie an den Fahrer weiterzugeben. Die Dämpfung bremst Gabel oder Dämpfer bei dieser Reaktion ab und unterbindet so ein Hüpfen oder Pogo-Stick-Gefühl, indem sie kinetische Energie in Wärme umwandelt. Die meisten Dämpfungen funktionieren mit Öl, das durch kleine Löcher gepresst wird. Je schneller und heftiger der Einschlag, desto schneller muss das Öl durch diese Löcher gepresst werden und desto mehr Energie ist dafür vonnöten. Auf diesem Weg wird die Bewegung der Gabel gebremst.

Was ist SAG?

Damit eure Federgabel richtig funktioniert, muss sie auf alle Veränderungen des Trails reagieren können. Uns allen ist klar, dass die Gabel komprimiert wird, wenn sie auf ein Hindernis trifft. Um den Grip aufrechtzuerhalten, muss das Fahrwerk aber auch Löcher ausgleichen können, indem es das Rad am Boden hält. Damit das Fahrwerk der Kontur des Trails folgen kann, muss sie durch unser Körpergewicht vorgespannt sein. Der Grad dieser Vorspannung, wenn man auf dem Rad sitzt, nennt man SAG oder Negativfederweg.

Was braucht ihr zur Einstellung des SAG?

Für diese Lektion müsst ihr euer komplettes Ride-Outfit tragen, inkl. Helm, und Rucksack und allen Werkzeugen und Flüssigkeiten, die ihr auch sonst dabeihabt. Das perfekte Setup hängt vom Gewicht ab – stundenlang zu feilen macht also keinen Sinn, wenn ihr euch erst danach euren 5-kg-Rucksack aufschnallt. Für das Setup braucht ihr eine Dämpferpumpe (nicht eine normale Handpumpe für die Reifen!), ein Maßband oder einen Meterstab, einen Taschenrechner und eine(n) willige(n) Assistent(in).

Die einzigen Hilfsmittel, die ihr für euer Fahrwerkssetup braucht, sind eine Dämpferpumpe, ein Taschenrechner und etwas zum Messen.

Den SAG der Gabel einstellen

Bevor ihr anfangt, müsst ihr eins kurz checken: Viele Gabeln erlauben eine Einstellung der Druckstufe, über die man einstellen kann, wie „straff“ das Fahrwerk ist, was bei Uphills helfen kann. Stellt also zu Beginn des SAG-Setups alle Einstellungen auf „weich“ oder „offen“, die Veränderung merkt ihr schnell.

Fangen wir an. Um den SAG eurer Gabel einzustellen, solltet ihr euch einen Ort mit viel Platz suchen. Es hilft, wenn ihr euch zur Not irgendwo anlehnen könnt. Schraubt den Deckel des Gabelventils ab und bewahrt ihn sicher auf.

Schraubt den Deckel des Gabelventils ab und bewahrt ihn sicher auf.

Bittet euren Assistenten oder eure Assistentin, das Bike von vorne festzuhalten, während ihr in voller Montur aufsteigt. Falls nötig, sucht euch eine Wand zum Anlehnen. Nun hüpft ihr, während ihr eine Bremse betätigt (nicht beide, das führt zu Fehlmessungen), auf eurem Bike etwa 5–10 Mal auf und ab (passt auf euren Assistenten auf!), um euer Fahrwerk einzustimmen. Passt dabei auf euren Assistenten auf! Nehmt dann eure normale Abfahrtsposition ein, gebt dem Fahrwerk etwas Zeit, um sich zu „beruhigen“ und bittet euren Assistenten dann, den O-Ring der Gabel auf die Staubdichtung zu schieben.

Nehmt eure normale Abfahrtsposition ein.
Während ihr auf dem Bike steht, schiebt euer Assistent den O-Ring der Gabel bis auf die Staubdichtungen hinunter.
Steigt vorsichtig vom Bike und messt, wie weit die Gabel unter eurem Körpergewicht komprimiert wurde.

Verlagert euer Gewicht jetzt vorsichtig nach hinten und steigt vom Bike, ohne die Gabel weiter zu komprimieren. Messt, wie weit der O-Ring jetzt von der Staubdichtung entfernt ist. Teilt diesen Wert durch euren Gesamtfederweg und multipliziert diesen Wert mit 100, um den Prozentwert eures SAGs zu erhalten (z. B. 32 mm / 160 mm x 100 = 20 %). Wir empfehlen 20 % SAG für ein gutes Gabel-Setup. Wenn der SAG nicht stimmt, könnt ihr ihn durch eine Veränderung des Luftdrucks mittels eurer Dämpferpumpe anpassen. Wenn ihr weniger SAG braucht, erhöht den Druck in Schritten von 10 psi und wiederholt das obige Prozedere. Falls ihr mehr SAG braucht, lasst mit der Pumpe entsprechend Luft in Schritten von 10 psi aus der Gabel ab – und testet erneut. Verändert den Luftdruck und wiederholt den O-Ring-Test, bis ihr den gewünschten SAG erreicht habt.

Erhöht oder reduziert den Luftdruck mit der Dämpferpumpe. Wenn ihr den Luftdruck erreicht habt, der zu 20 % SAG führt, notiert den Wert und schraubt die Ventilkappe wieder auf.

„Ein ausgewogenes Fahrwerkssetup ist sehr wichtig. Grip kommt nicht nur von den Reifen und dem Untergrund, sondern auch von der Kraft, die der Fahrer auf Vorder- und Hinterrad bringen kann. Die Anpassung des SAG ist der erste Schritt zu einem ausgewogenen Fahrwerk.“

– Mark Fitzsimmons, FOX Suspension Program Manager

SAG-Setup eurer Gabel auf einen Blick:

  • zieht euch an, als wolltet ihr auf den Trail – inkl. Helm und normalem Gepäck
  • stellt eure Gabel auf „Abfahrt“, falls sie eine solche Funktion hat
  • nehmt eure normale Abfahrtsposition ein und lehnt euch, falls nötig, gegen eine Wand oder einen Freund
  • bittet euren Assistenten in dieser Position, den O-Ring der Gabel auf die Staubdichtung zu schieben
  • steigt vom Rad und wie viel % des Federwegs euer SAG ausmacht
  • ist der SAG kleiner als 20%, lasst Luft aus der Gabel ab; pumpt Luft hinzu, falls er über 20 % liegt
  • notiert euch den Druck für 20% SAG und ab auf den Trail!

Einstellung des Dämpfer-SAG

Wenn ihr ein Fully habt, müsst ihr auch euren Dämpfer optimieren. Das ist ein einfacher Prozess und ähnelt dem an der Front. Bevor ihr anfangt, müsst ihr auch euren Dämpfer auf „offen“ stellen – oder auf „Abfahrt“, falls es diese Einstellung gibt.

Manche Bikes, wie dieses Moustache Samedi Race 9, haben eine nützliche SAG-Anzeige, die eine unkomplizierte optische Kontrolle erlaubt.
Schraubt den Ventildeckel eures Dämpfers ab und verwahrt ihn an einem sicheren Ort.

Schraubt den Ventildeckel eures Dämpfers ab und verwahrt ihn an einem sicheren Ort. Bittet euren Assistenten oder eure Assistentin wieder, das Bike von vorne zu halten, während ihr aufsteigt. Und sucht, falls nötig, auch wieder die Nähe zu einer Wand). Auch diesmal hüpft ihr, während ihr eine Bremse betätigt, auf eurem Bike etwa 5–10 Mal auf und ab, um euer Fahrwerk einzustimmen. Nehmt dann eure normale Abfahrtsposition ein, gebt dem Fahrwerk etwas Zeit, um sich zu „beruhigen“ und bittet euren Assistenten dann, den O-Ring des Dämpfers auf die Staubdichtung zu schieben.

Bittet euren Assistenten, den O-Ring auf die Staubdichtung des Dämpfers zu schieben, während ihr in voller Montur auf dem Bike steht.

Verlagert euer Gewicht jetzt vorsichtig nach vorne und steigt vom Bike, ohne den Dämpfer weiter zu komprimieren. Messt, wie weit der O-Ring jetzt von der Staubdichtung entfernt ist. Teilt diesen Wert durch den Hub des Dämpfers (z. B. 12 mm / 63 mm) und multipliziert diesen Wert mit 100, um den Prozentwert eures SAGs zu erhalten. Wir empfehlen 30 % SAG für ein gutes Dämpfer-Setup. Wenn ihr weniger SAG braucht, erhöht den Druck in Schritten von 10 psi und wiederholt das obige Prozedere. Falls ihr mehr SAG braucht, lasst mit der Pumpe entsprechend Luft in Schritten von 10 psi aus dem Dämpfer ab – und testet erneut.

Bei manchen Dämpfern steht schon der prozentuelle SAG, ansonsten müsst ihr zum Taschenrechner greifen.
Benutzt eine Dämpferpumpe, um den Druck in eurem Dämpfer zu verändern. Mehr Druck = weniger SAG, weniger Druck = mehr SAG. Der Druck im Dämpfer ist meist höher als in der Gabel.

SAG-Setup eures Dämpfers auf einen Blick

  • zieht euch an, als wolltet ihr auf den Trail – inkl. Helm und normalem Gepäck
  • stellt euren Dämpfer auf „Abfahrt“, falls er eine solche Funktion hat
  • nehmt eure normale Abfahrtsposition ein und lehnt euch falls nötig gegen eine Wand oder einen Freund
  • bittet euren Assistenten in dieser Position, den O-Ring des Dämpfers auf die Staubdichtung zu schieben
  • steigt vom Rad und schreibt auf, wie viel % des Federwegs euer SAG ausmacht
  • ist der SAG kleiner als 30 %, lasst Luft aus dem Dämpfer ab; pumpt Luft hinzu, falls er über 30 % liegt
  • notiert euch den Druck für 30 % SAG und ab auf den Trail!

Das war’s auch schon. Wenn ihr an der Front 20 % und am Heck 30 % SAG eingestellt habt, seid ihr bereit für die nächste Abfahrt. In unserer nächsten Lektion werden wir euch zeigen, wie ihr eure Zugstufe für perfekte Performance einstellt.

Text & Fotos: Trev Worsey

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Trev Worsey