„Kriegt man so was auch auf Rezept?“ Was bedeutet Mountainbiken für euch? Fitness, Entspannung, Freundschaft, Abenteuer, eine Möglichkeit zum Abschalten? Wie würdet ihr euch fühlen, wenn all das vorbei wäre? Ein Erlebnisbericht von einer, die es wissen muss.

Bis vor gar nicht langer Zeit war ich für jedes Abenteuer zu haben – und am glücklichsten, wenn ich mit nassen Füßen irgendwo auf einem Berg saß, zusammengekauert hinter einem Felsen irgendwas futternd, was ich in meiner Tasche fand. Urlaubsvorbereitung bedeutete, einen großen, wasserdichten Seesack zusammenzupacken, die Bikes zu checken und in freudiger Erwartung mit dem Finger die Linien auf der Landkarte entlangzufahren, einen neuen Ort zu erkunden. All das änderte sich letztes Jahr: Erst hatte ich noch darüber gegrummelt, wie weit ich mein Bike tragen musste, plötzlich brauchte ich Hilfe, um überhaupt in unsere Wohnung im ersten Stock zu kommen. Ich war krank, aber niemand konnte mir sagen, was ich hatte.

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„Mein Kopf war voller Fragen, ob ich wohl fit genug sein würde, wirklich dabei zu sein und Spaß zu haben“

Am Neujahrstag waren wir, wie so oft, mit Freunden in den Lake District gefahren, doch in diesem Jahr galten völlig andere Spielregeln. Nach einer Lebensmittelvergiftung, die ich mir im Skiurlaub eingefangen hatte, diversen Viruserkrankungen und Pfeifferschem Drüsenfieber hatte ich den Großteil des Jahres damit gekämpft, einigermaßen klarzukommen. Das Jahr war ganz anders verlaufen als das davor und all die Tests und Untersuchungen hatten keine Erklärung für meine extreme Erschöpfung liefern können. Schließlich diagnostizierte der Arzt bei mir ME, ein chronisches Erschöpfungssyndrom, etwas, das auch Mediziner nicht wirklich verstehen. Mein Kopf war voller Fragen, ob ich wohl fit genug sein würde, wirklich dabei zu sein und Spaß zu haben, wie ich der Gruppe meine Abgeschlagenheit erklären würde, und ob ich mein Level an Aktivität richtig einschätzen könnte, um während des Trips nicht krank zu werden.

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Ich fühlte mich nicht mehr wohl in meiner Haut und kam mir vor wie ein Aufschneider, wenn wir in der Runde saßen und ich Geschichten aus meiner Zeit in Vancouver erzählte oder davon, wie ich hier in Schottland mein Bike ein paar Berge hochgetragen hatte – so, als hätte ich mir das alles vielleicht nur eingebildet. Ich wusste, dass ich die Situation akzeptieren und einfach das tun musste, was ich konnte, doch es locker zu nehmen und einfach rumzusitzen liegt nicht in meiner Natur. Ich hatte das Biken nicht ganz aufgegeben, dank sorgfältiger Planung und einer sehr bedachten Tourenwahl hatte ich es dreimal mit dem Bike rausgeschafft in diesem Jahr, doch das war nicht genug! Langsam verstärkte ich meine Aktivitäten, doch die Spezialisten sagten mir, ich solle mich nicht überanstrengen. Im Gelände biken war also keine Option. Doch dann änderte sich alles: Eine zufällige Begegnung mit einem CUBE Sting WLS Hybrid E-Mountainbike in einem Bike-Shop brachte mich zum Nachdenken. Vielleicht sollte ich es mal mit einem E-MTB versuchen?

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Ich hatte noch nie groß über E-Mountainbikes nachgedacht. Klar wusste ich, dass die Technologie im Kommen war. Aber ich dachte immer, das sei nur etwas für Leute, die mit dem Rad zur Arbeit fahren wollen, ohne dabei ins Schwitzen zu geraten, oder vielleicht sogar etwas für mich, wenn ich mal älter und nicht mehr so fit sein würde. Ich hatte keine besonders ausgeprägte Meinung zu den Bikes, solange die Fahrer verantwortungsvoll mit der extra Power umgingen. Doch wie war das jetzt? Die Möglichkeiten, die mir ein E-MTB bot, sahen nun ganz anders aus, es versprach – potenziell – Freiheit.

Es war ein warmer, sonniger Tag im Tweed Valley, ich hatte das CUBE Sting WLS Hybrid im Shop abgeholt und die Spannung auf das, was da kommen würde, lag in der Luft. Im Van warteten einige meiner alten Bike-Freunde und natürlich meine bessere Hälfte Chris, allesamt neugierig, was dieses neumodische Gerät so drauf hatte. Für mich war das Ziel des Tages klar: Ich wollte einfach mit meinen Freunden biken. Wenn ich ehrlich bin, hatten sowohl Chris als auch ich insgeheim kaum Erwartungen an das Handling des Bikes. Ich fuhr schon seit einigen Jahren Mountainbike, hatte in ein paar gute Bikes investiert und erst vor Kurzem mit viel Liebe mein eigenes ultraleichtes Hardtail komplett aufgebaut. Das ganze Zusatzgewicht durch den Motor und die Batterie mussten ja wohl die Trail-Performance beeinträchtigen, oder?

„Es war mir sogar gelungen, eine steile, verblockte Passage hochzujagen, während ich kicherte und Witze darüber machte, dass es diese Dinger eigentlich auf Rezept geben müsste.“
„Es war mir sogar gelungen, eine steile, verblockte Passage hochzujagen, während ich kicherte und Witze darüber machte, dass es diese Dinger eigentlich auf Rezept geben müsste.“

Für mich ging es an diesem Tag nicht nur darum, Mountainbike zu fahren, sondern auch darum, wieder Teil der Gruppe zu sein, wieder ich zu sein. Also beschlossen Chris und ich, dass wir versuchen würden, eine Weile mit den anderen zu fahren und uns zurückzuziehen, falls es nicht mehr ging. Wir luden das Bike aus und die Jungs wuselten drum herum, inspizierten es, stellten hier und da etwas ein, checkten alle Details und ehe ich mich versah, waren wir bereit. Es gab noch einige warnende Worte, „Sei vorsichtig!“, „Übertreib’s nicht!“, und schon waren wir unterwegs. Unterwegs an einen vertrauten Ort – doch für mich fühlte es sich wie ein großes Abenteuer an. Die Bedienung fiel mir von Anfang an leicht, das beruhigende Surren des Motors spornte mich an und so rollte ich glücklich mit meinen Freunden dahin, fast beiläufig arbeiteten wir uns höher und höher durch den Glentress Forest und gelangten schließlich zum höchsten Punkt. Ich war schon viele Male zuvor hier gewesen, doch diesmal fühlte es sich an wie der Gipfel der Welt. Es war gut gelaufen, das Bike fuhr sich komfortabel, intuitiv und reagierte sehr viel besser auf Veränderungen in Steigung und Untergrund, als ich es erwartet hätte. Es war mir sogar gelungen, eine steile, verblockte Passage hochzujagen, während ich kicherte und Witze darüber machte, dass es diese Dinger eigentlich auf Rezept geben müsste.

„Für mich ging es an diesem Tag nicht nur darum, Mountainbike zu fahren, sondern auch darum, wieder Teil der Gruppe zu sein, wieder ich zu sein.“

Als die Abfahrt mit ein paar schnellen Kurven begann, war ich konzentriert und fühlte mich selbstsicher, das Bike nahm schnell Geschwindigkeit auf und hielt sie auch. Das zusätzliche Gewicht brachte Laufruhe und Sicherheit, die ich nicht erwartet hatte, und das trieb mich an, es noch etwas weiter zu pushen und die Sprünge auf dem bekannten Spooky-Wood-Trail easy mitzunehmen. Mein Versprechen an mich selbst, vorsichtig zu sein, es langsam angehen zu lassen, hatte ich weit hinter mir gelassen, es lag irgendwo hinter der ersten Kurve und japste nach Luft, das hier machte einfach viel zu viel Spaß!

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Das CUBE Sting WLS Hybrid hielt, was es optisch versprochen hatte, die Power war elektrisierend – außer man fährt im Eco Mode. Auf steilen, kurvigen Abschnitten schoss mich das Bike einfach mal fix nach Narnia und ich hatte dabei nicht mal Zeit, mit dem weißen Kaninchen Mr. Tumnus zu sprechen. Während ich durch Kurven jagte, hatte ich zwar meine Kraftreserven noch im Hinterkopf, doch in erster Linie war ich einfach nur wahnsinnig glücklich über all die Möglichkeiten, die sich mit diesem Bike eröffneten. Die Rückkehr zum Parkplatz gab mir an diesem Tag nicht das Gefühl, völlig k.o. zu sein, wie man es nach einem harten Tag auf einem Non-E-Bike oft hat. Stattdessen feierten die Endorphine in meinem Körper wilde Partys angesichts der neuen Optionen. Ich dachte an Tagestouren, Kurztrips, daran herauszufinden, wie lange die Akkus (meine und die des Bikes) halten würden. Am wichtigsten: Ich dachte endlich wieder daran, einfach rauszugehen und das zu tun, was ich liebe. Mit diesem Gerät, so schien es mir, könnte der Weg zur Genesung deutlich mehr Drifts, Flow und Sprünge bereithalten, als ich gedacht hatte.

Mein Versprechen an mich selbst, vorsichtig zu sein, es langsam angehen zu lassen, hatte ich weit hinter mir gelassen, es lag irgendwo hinter der ersten Kurve und japste nach Luft, das hier machte einfach viel zu viel Spaß!
Mein Versprechen an mich selbst, vorsichtig zu sein, es langsam angehen zu lassen, hatte ich weit hinter mir gelassen, es lag irgendwo hinter der ersten Kurve und japste nach Luft, das hier machte einfach viel zu viel Spaß!

Ich hoffe, dass ich das CUBE nach und nach als Werkzeug einsetzen kann, dass ich seine Power allmählich zurücknehmen und die Dauer der Touren, die ich schaffe, verlängern kann. Ich habe nun das Selbstbewusstsein, Ausfahrten mit Freunden zu unternehmen, ohne mir vorher den Kopf darüber zu zerbrechen, wie lange wir unterwegs sein werden oder wie steil der Anstieg sein wird. Das E-MTB hat mich zurückgebracht in das Leben mit den nassen Füßen und den Daunenjacken, in ein Leben, das ich liebe. Ich kann jetzt wieder davon träumen, besondere Orte zu entdecken, mit Kettenfett unter den Fingernägeln und Mücken im Tee – ja Mücken gibt es in Schottland en masse.

Auf jeder Ausfahrt fühle ich mich wie Superwoman.
Auf jeder Ausfahrt fühle ich mich wie Superwoman.

Noch hat mich die Krankheit im Griff, aber nach und nach gewinne ich wieder die Oberhand. Auf jeder Ausfahrt fühle ich mich wie Superwoman. Immerhin geht es beim Biken nicht nur um Fitness oder Strava oder Können! E-MTB fahren ist nicht „schummeln“. Es erlaubt mir, rauszugehen und Spaß zu haben, ganz abgesehen davon, wie gut es meiner psychischen Verfassung und meinem allgemeinen Wohlbefinden tut. Und das Wichtigste: Ich kann das nächste Abenteuer planen und muss dabei nur eine einzige Sache beachten – ich sollte das Bike wirklich nie tragen müssen!

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Text: Aileen Brand Fotos: Trev Worsey