KTM steht voll hinter dem Thema E-Mountainbikes. Das beweist nicht nur das umfassende Produktportfolio, sondern auch die Positionierung auf der Website: ganz oben! Ob es für das neue MACINA Kapoho LT 723 in diesem Test auch nach ganz oben reicht?

KTM MACINA Kapoho
KTM MACINA Kapoho LT 273 | BOSCH | 23,12 kg | 4.599 €

Einen Titel hat das MACINA Kapoho LT 273 schon vor dem Test gewonnen: den für den kryptischsten Modellnamen. Ergänzt wird er eigentlich noch um das Kürzel „11S Deore XT“, das Aufschluss über die verbaute Schaltung zulässt. Wirft man dann einen Blick auf die Ausstattung, stellt man fest, dass KTM hier vieles richtig gemacht hat. Der kraftvolle Bosch Performance CX-Antrieb ist ebenso bewährt wie das RockShox-Fahrwerk mit 160 mm Federweg, bestehend aus einer Yari RC-Federgabel und einem Monarch Plus-Dämpfer. Leider sind es aber wie so oft die Details, die den Unterschied machen – und hier leistet sich KTM grobe Schnitzer. Der Vorbau ist mit 90 mm viel zu lang, die Front zu hoch und die Bremsscheiben der SLX-Bremse sind mit 180 mm für lange Abfahrten leider zu klein.

KTM MACINA Kapoho
„Hier hat man eher den Eindruck, auf einem Tiefeinsteiger-Damenrad als auf einem sportlichen E-Mountainbike zu sitzen.“
KTM MACINA Kapoho KTM MACINA Kapoho

KTM liefert das KTM MACINA Kapoho mit einem hochwertigen, sehr breiten Selle Italia Nepal-Sattel und nach wenigen Metern wird auch klar, warum. Aufgrund der kompakten Sitzposition, gepaart mit der hohen Front und einem steilen Sitzwinkel (74,5°), lastet sehr viel Druck auf dem Gesäß. Hier hat man eher den Eindruck, auf einem Tiefeinsteiger-Damenrad als auf einem sportlichen E-Mountainbike zu sitzen. Bergauf schiebt der Bosch Performance CX-Antrieb kraftvoll an, normale Steigungen erklimmt man souverän. Wird es aber technischer, ist die Sitzposition nicht ideal – hier fehlt es an Druck auf dem Vorderrad. In der Abfahrt steht man gut integriert zwischen den dicken 27.5+ Laufrädern. Die 160 mm Federweg sorgen für viel Komfort und halten das Rad sicher auf Kurs. Lenkimpulse werden jedoch nur sehr indirekt und undefiniert umgesetzt. Das Rad gerät zwar nie wirklich aus der Ruhe, vermittelt aber dennoch kein hohes Maß an Sicherheit.

KTM MACINA Kapoho
Helm Troy Lee A1 | Jersey iXS VIBE 6.1 | Rucksack USWE AIRBORNE 15 | Shorts Alpinestars Pathfinder

Das KTM MACINA Kapoho LT 273 im Detail

Federgabel RockShox Yari RC 160 mm
Dämpfer RockShox Monarch Plus RC3 160 mm
Motor / Akku Bosch Performance CX / 500 Wh
Bremsen Shimano SLX
Schaltung Shimano XT/SLX
Sattelstütze KindShock LEV DX
Vorbau KTM Team 90 mm
Lenker KTM Team HB-RB12L 740 mm
Reifen Schwalbe Nobby Nic Trailstar 2,8″
Felgen / Naben DT Swiss E512 / Shimano Deore XT

KTM MACINA Kapoho
Looks like a …
Die Motor- und Dämpferaufnahme erinnert optisch stark an die eines anderen großen E-Mountainbike-Herstellers. Laut KTM liegen die Vorteile des Systems auf der Hand, da es „bei gewissen Konstruktionen eine größere Gestaltungsfreiheit [bietet] und daher die Möglichkeit einer optimalen Auslegung von Bauteilen, wie z. B. der Motoraufnahmen des derzeitigen Bosch-Motors“ aufweist.
KTM MACINA Kapoho
Rettungsring
Das große 46-Zahn-Kettenblatt ermöglicht es theoretisch, selbst steilste Steigungen gelassen zu erklimmen.
KTM MACINA Kapoho
Einmal bis zum Mond
Der Vorbau am KTM ist mit 90 mm extrem lang. Das führt zu einem indirekten und undefinierten Handling. Wir empfehlen ein Modell mit 60 mm Länge.
KTM MACINA Kapoho
Unterdimensioniert
Gerade auf langen alpinen Abfahrten ist eine standfeste Bremse das A und O. Daher wünschen wir uns an der Front des KTM mind. eine 200-mm-Bremsscheibe für eine souveräne und konstante Verzögerung.

KTM MACINA Kapoho
Geometrie
KTM MACINA Kapoho LT 273

Fazit

Das KTM MACINA Kapoho leidet an einer Identitätskrise. Es suggeriert aufgrund seiner guten Ausstattung Abfahrtsspaß und Uphill-Performance. In der Praxis wird es jedoch durch das undefinierte Fahrwerk, die kompakte Geometrie und den zu langen Vorbau ausgebremst. Es eignet sich daher vor allem als komfortabler Forststraßen-Tourer für weniger sportliche Fahrer.

Stärken

– komfortables Fahrwerk
– hochwertige Ausstattung

Schwächen

– undefiniertes Handling
– kleine Bremsscheiben

Weitere Informationen findet ihr auf ktm-bikes.at

Einen Überblick über das Testfeld erhaltet ihr hier: 11 E-Mountainbikes unter 5.000 € im Vergleich

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Text & Fotos: Christoph Bayer

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