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Interview mit Lutz Scheffer – Leiter des ROTWILD Concept Design Center

Wer sind die Köpfe hinter den bekanntesten E-Mountainbike-Marken? Wir haben Designer, Ingenieure und Produktmanager interviewt, um mehr über sie und über die Philosophie hinter ihren Entwicklungen zu erfahren. Heute im Gespräch: Lutz Scheffer, Leiter des ROTWILD Concept Design Center in Garmisch.

Bevor wir über die Produkte sprechen, lass uns kurz über dich reden: Woher kommst du und was ist deine größte Leidenschaft?
Hallo, ich bin gebürtiger Freiburger und meine größte Leidenschaft ist es, draußen in der Natur zu sein, Berge und Landschaften zu erkunden und dabei Tiere und Pflanzen zu bestimmen und zu beobachten.

Du arbeitest bei ROTWILD, für was bist du dort genau zuständig?
Ich bin diplomierter Industriedesigner und leite das ROTWILD Concept Design Center in Garmisch. Hier beschäftige ich mich mit der Konstruktion von neuartigen Mountainbikes am CAD-Computer. Dazu gehört untrennbar das Testfahren von diversen Prototypen und Serien-Fahrrädern, um die Stärken und Schwächen zu erfühlen sowie neue Anwendungsgebiete zu erkunden.

Wie bist du zu E-Mountainbikes gekommen?
Ich habe mich schon immer für neue oder kommende Sportarten begeistert. Lange, bevor es Mountainbikes gab, habe ich mir Ende der 1970er-Jahre aus alten Fahrrad- und Mofateilen Geländefahrräder zusammengebaut – später habe ich Federgabeln und vollgefederte Bikes konstruiert für VOTEC und Bergwerk. Mich hat es immer gereizt, Neuland auf schwierigen Trails zu erfahren, und ich war extrem skeptisch gegenüber E-MTBs eingestellt. Anfang 2016 wollte ich im Rahmen eines Selbstexperiments herausfinden, wie viel Höhenmeter man mit einem E-MTB in einem Jahr möglichst nur auf Singletrails fahren kann. Am Ende des Jahres waren 250.000 Höhenmeter zusammengekommen – und ich war restlos dem E-MTB-Virus verfallen.

Was war deine letzte Ausfahrt auf einem E-Mountainbike
Meine letzte Tour war am vergangenen Wochenende, zusammen mit meinem 22-jährigen Sohn in Garmisch rund um den Eibsee auf frisch verschneiten Trails bei herrlichem Sonnenschein.

Was war bislang deine beste Ausfahrt auf einem E-Mountainbike und warum?
Ich habe so viele beste Touren gemacht, dass es mir schwerfällt, eine spezielle herauszustellen. Eine Tour war von der Stimmung sehr schön: Ich bin von Zuhause aus am späten Sommernachmittag eine 55 km lange Runde mit 2.500 Hm ins Karwendel gefahren, auf alten Pfaden von König Ludwig II. Dieser hatte als großer Naturliebhaber von seinen Bergschlössern aus viele heute noch befahrbare Reitwege abenteuerlich im Hochgebirge anlegen lassen. Die Jagd war in seinem Umkreis während seiner Anwesenheit auf den Berghäusern übrigens verboten. Es ist etwas Besonderes, auf diesen alten, halb verfallenen und fast vergessenen Pfaden mit dem E Bike zu fahren und daran zu denken, wie verwegen und „spinnert“ damals der Gedanke war, nur aus Liebe zur Natur durch die Berge zu reiten. König Ludwig war ein ausgezeichneter Reiter und hatte die besten und mutigsten Pferde der Welt. Man könnte sagen, er war der geistige Vorläufer des „elektrischen Reitens“.

Wo bist du überwiegend mit dem E-Bike unterwegs und wo am liebsten?
Überwiegend bin ich direkt von Garmisch aus in den umliegenden Bergen des Ammergebirges, im Wetterstein und Karwendel unterwegs.

Wie würdest du deinen Fahrstil beschreiben?
Alpines Trailriden.

Fährst du auch noch ohne „E“?
Nur noch beim Bike-Bergsteigen – dabei trägt man mehrere Stunden sein Bike auf den Gipfel eines Bergs, um spannende technische Trails bergab zu fahren.

Was zeichnet deiner Meinung nach ein gutes E-Mountainbike aus?
Ein gutes E MTB fährt genauso gut und sicher schwierige Trails bergauf wie bergab.

Wo liegen deiner Meinung nach zukünftig die größten Herausforderung bei der Entwicklung von E-Mountainbikes?
Alle E-MTBs erreichen derzeit zu wenig Höhenmeter. Nach meinem Mammut-Trailriding-Experiment kann ich exakt sagen, dass ich pro Tour im Durchschnitt 1.800 Höhenmeter gefahren bin. Dafür musste ich immer eine zweite Batterie im Rucksack mitnehmen. Die Option, mit niedrigen, sparsamen Unterstützungsstufen zu fahren, ist im Gebirge auf technisch schwierigen Trails größtenteils nicht möglich (und würde auch keinen Spaß machen). Daher: Mehr Akkulaufzeit bei möglichst niedrigem Gewicht ist ein bleibendes Thema und wichtiges Entwicklungsziel in Zukunft.

Was ist dein persönliches Highlight aus eurer E-Mountainbike-Modellpalette und warum? Worauf lag der Fokus bei der Entwicklung dieses Modells?
Aktuell ist ein modifiziertes ROTWILD R.X+ FS mit einem herausnehmbaren 660-Wh-Akku in einer neuen, nach unten offenen Carbon-Ummantelung mein Lieblingsbike.
Hier komme ich mit einer Akkuladung fast an meine „Wunschreichhöhe“ von sicher erreichbaren 2.000 Höhenmetern. Mit einer fantastischen Kapazität von insgesamt 1.320 Wh mit Zweitakku im Rucksack steht absoluten alpinen Trail-Abenteuer-Touren nichts mehr im Weg.

Was ist deine Vision für die Zukunft der E-Mountainbikes?
Ein gutes E-MTB ist „ein E-MTB für alles“: gut auf einfachen Touren und ausgezeichnet auf schwierigen Touren – bergauf wie bergab. Eine neue Kinematik, bei der der Kettenzug die Federung nicht verhärtet, und unterschiedliche Reifengrößen für vorne und hinten, das werden die äußeren Merkmale sein. Innen arbeitet ein E-Motor, der noch feinfühliger agiert als bisher und über eine noch größere Effizienz und einen besseren Wirkungsgrad verfügt. Mensch und Maschine müssen sich noch besser verstehen.
In Zukunft muss ein E-MTB (es hat schließlich das Wort „Mountain“ im Gepäck) mindestens 2.000 Höhenmeter mit einer Batterieladung bei hohen Unterstützungsstufen fahren können. Wenn das ganze Bike anschließend noch die 20-Kilo-Marke knackt, wäre das ein großer Traum.

Lutz erläuterte bei seinem Besuch in unserer Redaktion seine Vorstellungen von einem optimalen Fahrwerk.
Aus einer kurzen Stippvisite wurde ein interessanter langer Abend.

Lutz, wir danken für das Gespräch!


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Text: Manne Schmitt Fotos: Lutz Scheffer, Christoph Malin, E-MOUNTAINBIKE Magazine