Die italienische Newcomer-Marke THOK ist zwar noch ganz frisch auf dem E-MTB-Markt, doch ihr Gründer Stefano Migliorini ist als ehemalige BMX- und DH-Profi kein unbeschriebenes Blatt. Wir haben das 3.999 € günstige THOK MIG getestet und verraten euch ob es das Potenzial hat, bei den etablierten Marken mitzuspielen.

THOK MIG – Federweg: 150/140 mm (v/h) – Preis: 3.999 €

Nachdem er alle bekannten Motoren getestet hatte, war Stefano klar, dass er seine Bikes auf dem Shimano STEPS E8000 aufbauen wollte. Die kompakte Bauform, das natürliche Fahrverhalten und die aufgeräumte Optik waren genau das, was der Entwickler suchte. Außergewöhnlich ist die Positionierung des Akkus unter dem Unterrohr, die für einen tieferen Schwerpunkt und damit für ein besseres Handling sorgen soll. Zudem schafft diese Bauform Platz für einen Flaschenhalter im Rahmendreieck, eine Batterieabdeckung schützt den Akku vor Schlägen und Stößen.

Einzigartig: Der Akku sitzt unter dem Unterrohr, das senkt den Schwerpunkt und schafft Platz für einen Flaschenhalter.

Die Geometriedaten machen deutlich, dass das MIG für ambitionierte Trailbiker gebaut ist. Der Lenkwinkel fällt mit 66° recht flach aus, der Reach ist mit 450 mm in Größe L angenehm lang. Relativ kurze Kettenstreben mit 450 mm sollen für Wendigkeit sorgen, der 74,5° steile Sitzwinkel für eine angenehme Sitzposition beim Pedalieren.

Größe S M L XL
Oberrohr 560 mm 585 mm 615 mm 650 mm
Sattelrohr 400 mm 435 mm 470 mm 520 mm
Steuerrohr 100 mm 100 mm 130 mm 150 mm
Lenkwinkel 66° 66° 66° 66°
Sitzwinkel 74,5° 74,5° 74,5° 74,5°
Kettenstreben 450 mm 450 mm 450 mm 450 mm
BB Drop 16 mm 16 mm 16 mm 16 mm
Radstand 1.157 mm 1.183 mm 1.214 mm 1.251mm
Reach 405 mm 426 mm 450 mm 479 mm
Stack 596 mm 606 mm 624 mm 642 mm

Ausstattung des THOK MIG

Außer einem limitierten und bereits ausverkauften Topmodell gibt es das THOK MIG in zwei regulären Ausstattungsvarianten. Wir sind das günstigere Modell gefahren, das mit einfacher, aber funktionaler Ausstattung aufwartet. Das RockShox-Fahrwerk besteht aus einer Yari-Federgabel mit 150 mm Federweg und einem Deluxe R, der die 140 mm Federweg am Heck im Zaum hält. Eine SRAM NX-Schaltung sorgt für die Gangwechsel, MAXXIS Minion DHR und Rekon in 2,8″ Breite liefern ordentlich Grip. Shimano Deore-Bremsen mit großen 203-mm-Scheiben vorne und hinten runden das stimmige Paket ab. Wer es etwas hochwertiger mag, bekommt für 1.000 € Aufpreis das MIG-R, das in allen Bereichen noch eine Schippe drauflegt.

SRAMs NX-Schaltung ist zuverlässig und günstig, für preisbewusste Käufer eine hervorragende Wahl.
Die Shimano Deore-Bremsen sorgen nicht gerade für feuchte Hände, doch mit ihren 203 mm großen Scheiben bieten sie in der Praxis genügend Power.

Federgabel RockShox Yari RC 150 mm
Dämpfer RockShox Deluxe R 140 mm
Motor / Akku Shimano STEPS E8000 / 504 Wh
Bremsen Shimano Deore
Schaltung SRAM NX
Sattelstütze THOK dropper post
Vorbau THOK CNC 35 mm
Lenker THOK Oversize bar
Reifen MAXXIS – DHR 27,5×2.8 / Rekon 27,5×2.8 EXO TR
Laufräder NOVATEC
Preis 3.999 €

Das THOK MIG auf dem Trail

Beim Bike-Festival am Gardasee hatten wir die Gelegenheit, eine Testrunde mit dem THOK MIG zu drehen. Bereits nach wenigen Metern fühlten wir uns pudelwohl auf dem MIG, der Shimano-Motor glänzte wieder einmal mit seiner natürlichen Kraftentfaltung und dem aufgeräumten Cockpit. Die SRAM NX-Schaltung erledigt die Gangwechsel zuverlässig, das Fahrwerk präsentiert sich recht antriebsneutral. Dank der ausgewogenen Geometrie fährt sich das MIG sehr angenehm im Uphill, der steile Sitzwinkel sorgt stets für ausreichend Druck am Vorderrad.

Der Hinterbau des THOK MIG kann voll überzeugen und passt hervorragend zum Einsatzzweck.

Doch trotz guter Uphill-Qualitäten ist die Auffahrt nur Mittel zum Zweck, das MIG lechzt förmlich nach den rauen Gardasee-Abfahrten. Kaum zeigt der Trail in Richtung Tal, wird das THOK zum Leben erweckt und sorgt für ein breites Grinsen bei seinem Piloten. Das Fahrwerk arbeitet satt, vermittelt aber stets genügend Feedback vom Untergrund und fördert damit eine aktive und verspielte Fahrweise. Sprünge und schnelle Richtungswechsel bereiten dem MIG ebenso wenig Probleme wie fiese Steinfelder. Geometrie und Handling treffen den Sweet-Spot zwischen Wendigkeit und Laufruhe. Kritik? Fehlanzeige!
Klar, die Komponenten des Basis-MIG sind nichts Besonderes, für den Preis von 3.999 € sind sie aber durchaus stimmig gewählt, echte Schwächen sucht man hier vergeblich. Über Optik lässt sich ja bekanntlich streiten und der Batterie-Schutz am Unterrohr ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch in diesem Fall gefällt uns der Form-Follows-Function-Ansatz sehr gut.

Als uns der Trail wieder ausspuckte, klangen die Marketing-Stimmen der großen Bike-Konzerne in unseren Ohren, die uns von der Überlegenheit ihrer Produkte überzeugen wollten. Die kleine Marke THOK scheint das gar nicht nötig zu haben, denn was Stefano mit seinem Erstlingswerk MIG geschaffen hat, spricht für sich: Es ist einfach ein verdammt gutes E-MTB!

Fazit

Ausgewogene Geometrie, tiefer Schwerpunkt, stimmige Ausstattung – das alles zu einem fairen Preis. Was die noch junge Marke mit ihrem ersten Bike auf die Beine gestellt hat, ist beeindruckend und lässt viele etablierte Marken blass aussehen. Das THOK MIG ist ein rundum gelungenes E-Mountainbike und damit ein echter Geheimtipp! Wir sind gespannt, wie es sich bei einem ausführlicheren Test schlagen wird.

Mehr Infos auf der THOK Website. Die Bikes sind nur direkt bei THOK erhältlich.

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Text: Moritz Dittmar Fotos: Valentin Rühl

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Moritz Dittmar