Der aktuelle Brose-Antrieb hört auf den Namen Drive T und hat viele Fans. Seine angenehme Kraftentfaltung und das sehr natürliche Fahrverhalten sind im Vergleich zur Konkurrenz einzigartig. Es gab aber immer einen Kritikpunkt: die Power. Brose hat den Motor im Inneren jetzt komplett überarbeitet, 16 neue Elektronikbauteile verbaut und die Software optimiert. Wir konnten den Drive S-Antrieb exklusiv im direkten Vergleich mit dem Vorgänger testen.

Äußerlich gibt es zwischen dem bekannten und dem neuen Brose Drive-Antrieb keinen Unterschied, im Inneren dagegen schon. Wir haben beide im direkten Vergleich getestet.

Was ist neu am Brose Drive S?

Beim brandneuen Brose Drive S hat der deutsche Hersteller ordentlich die inneren Werte optimiert. Insgesamt wurden 16 neue Elektronikbauteile verbaut und die Anordnung vieler Kleinteile wurde optimiert. Schon allein der Austausch einer Stahlschraube gegen ein Edelstahlmodell zum Halten einer Platine macht den Drive S um 1,25 % effizienter. Das klingt nicht nach viel, am Ende ist es aber die Summe an Optimierungen, die den neuen Antrieb gut 15 % kraftvoller und gleichzeitig sparsamer machen soll. Obendrein soll auch die Wärmeableitung dank neuer Dichtungen optimiert und die Sensorik des Antriebs noch weiter verbessert worden sein.

Alt vs. neu
Der einzige optische Unterschied ist die Seriennummer. Der Drive T trägt die Bezeichnung C 911, der neue Drive S die Bezeichnung C 972.
Eine optimierte Wärmeableitung soll die Effizienz erhöhen und eine wärmebedingte temporäre Drosselung bzw. ein Abschalten verhindern.
Einer der größten Vorteile des Riemenantriebs – kein interner Widerstand beim Pedalieren über 25 km/h oder bei ausgeschaltetem Bike.
Unser Test-Setup
Im wunderschönen Aschau im Chiemgau haben wir beide Antriebe back to back getestet.

Mehr Power über das gesamte Trittfrequenzband

Rein auf dem Papier hat schon der Brose Drive T mit 90 Nm Drehmoment die Konkurrenz hinter sich gelassen. In der Praxis war von dieser Leistung aber wenig spürbar, sie wurde lediglich bei Peaks sehr kurzzeitig zu Verfügung gestellt. Das soll sich mit dem neuen Antrieb nun ändern. Der Drive S soll bei einem deutlich größeren Trittfrequenzband konstant mehr Leistung zur Verfügung stellen, ohne dabei den natürlichen Charakter des Brose Drive T-Antriebs zu verlieren.

Um die Antriebe direkt zu vergleichen, haben wir sie nacheinander an ein ROTWILD R.E+ montiert.
Beide Antriebe wurden mit dem Standard-Motorcover getestet.

Der Brose Drive S auf dem Asphalt-„Prüfstand“

Herstellerangaben sind gut und schön, die entscheidende Frage ist jedoch: Wie fährt sich der Antrieb in der Praxis? Wir hatten dank ROTWILD exklusiv die Möglichkeit, den Drive T im direkten Vergleich mit dem Drive S zu testen. Das Ergebnis spricht für sich. Auf einer 650 m langen Teststrecke mit 82 m Höhendifferenz und durchschnittlich 12 % Steigung unternahmen wir mit beiden Antrieben vier Testfahrten. Dabei haben wir die Trittfrequenz (ca. 80 rpm) und die Eigenleistung des Fahrers (ca. 140 W) bestmöglich mit einem Garmin-Wattmesssystem überwacht. Bei der Bewertung haben wir dann den Mittelwert aus den beiden konstantesten Fahrten ermittelt. Dabei war der neue Brose Drive S-Antrieb mit einer Fahrzeit von 3,06 Minuten satte 20 s schneller als der bisherige Brose Drive T.

Motor Eigenleistung Trittfrequenz Geschwindigkeit Fahrzeit
Brose Drive S 139 W 79 rpm 12,65 km/h 3,06 min
Brose Drive T 142 W 81 rpm 11,31 km/h 3,27 min
Das Garmin-Wattmesssystem ermöglicht vergleichbare Ergebnisse.

Das Ergebnis basiert natürlich nur auf einem inszenierten Test-Szenario, zeigt aber dennoch, dass der Antrieb deutlich mehr Leistung entfaltet. Vergleicht man das Ergebnis mit einer vor mehreren Wochen durchgeführten Messung mit den Antrieben von Bosch, Shimano, Yamaha und Panasonic, wird klar, dass der neue Brose-Antrieb durchaus das Potenzial hat, mit der Konkurrenz mitzuhalten.

Immer konstant zu pedalieren ist nahezu unmöglich, daher liefert diese Messung auch nur eine Tendenz statt einem fixen Ergebnis. Fest steht aber: Der neue Drive S ist spürbar kraftvoller.
Mit dem neuen Brose Drive S haben wir im Vergleich zum alten Modell mehr als 20 s Zeit auf derselben Strecke gewonnen.

Das Fahrgefühl des neuen Brose Drive S

Die größte Stärke des Brose Antriebs, der mit einem Riemen angetrieben wird, war bisher immer sein sehr natürliches Fahrgefühl. Verliert er das nun aufgrund der Kraftspritze? Keineswegs! Er arbeitet noch immer genauso gefühlvoll und leise wie der bisher bekannte Brose. Positiv ist allerdings, dass der Motor nun spürbar besser am Pedal hängt und schon bei geringer Trittfrequenz mehr Leistung zur Verfügung stellt. So lassen sich technische Uphills noch besser bewältigen. Die Kraft stellt der Antrieb nach wie vor eher progressiv zur Verfügung. Wer maximale Power ab der ersten Kurbelumdrehung sucht, wird hier vermutlich nicht fündig.

Mehr Power = mehr Akkuverbrauch?

Bisher war der Brose-Antrieb für seine hohe Reichweite bekannt. Der neue Drive S soll jetzt noch sparsamer geworden sein. Wir konnten das in der Praxis leider noch nicht überprüfen. Fest steht: Wer viel Leistung abruft, braucht auch viel Energie! Wer also ständig auf Volllast fährt, verbraucht entsprechend schnell Akkukapazität. Wer sich die Unterstützung dagegen einteilt, für den sind auch sehr lange Touren kein Problem.

Testbike und Testtrack – Ein 650 m langer Anstieg mit 82 Höhenmetern.

Wie sieht es mit der Zuverlässigkeit des Brose Drive S-Antriebs aus?

Über die Dauerhaltbarkeit des in Deutschland gefertigten Antriebs können wir momentan noch keine Aussagen treffen. Brose empfiehlt für das Drive T-Modell aktuell ein Service-Intervall von 15.000 km (Riemenwechsel). Dieses Intervall besteht auch beim Drive S weiterhin.

Ab wann ist der neue Antrieb verfügbar?

Der neue Brose Drive S-Antrieb wird in Rädern des Modelljahres 2018 ab Ende des Jahres verbaut und ausgeliefert.

Die Anschlüsse und die Motoraufnahme bleiben unverändert, ein nachträgliches Upgrade ist daher möglich.

Kann ich mein bisheriges E-Mountainbike upgraden?

Ja, ein Upgrade ist möglich. Derzeit wissen wir noch nicht, was es kostet und ab wann ein Upgrade verfügbar ist. Da die Motoraufnahme und auch die Verkabelung identisch ist, lässt sich der Antrieb aber in den meisten bisherigen Brose-Bikes nachrüsten. Allerdings kann je nach Hersteller ein Update des Akkus nötig sein, da der Drive S in Spitzen mehr Strom vom Akku zieht. Außerdem wird Brose auch für die bereits verbauten Drive T-Antriebe weitere Software-Updates entwickeln, um den Antrieb noch etwas kraftvoller und sparsamer zu machen.

Außen unverändert, überzeugt der neue Drive S mit seinem überarbeiteten Innenleben.

Unser Fazit zum neuen Brose Drive S-Antrieb

Respekt, Brose! Der neue Drive S-Antrieb liefert spürbar mehr Maximalpower und Durchzugskraft. Viel wichtiger ist jedoch: Er besitzt noch immer das sehr natürliche Fahrverhalten und arbeitet noch genauso leise wie der Vorgänger. Ach ja, und pedaliert man einmal über 25 km/h, ist keinerlei interner Widerstand spürbar. Wir sind gespannt auf die ersten Serienantriebe und einen ausführlichen Fahrtest.


Mehr Informationen findet ihr unter brose-ebike.com

Text & Fotos: Christoph Bayer