Die brachiale Optik, ein aggressives Konzept und ein Name, der nach Höchstleistung schreit. Kann das KTM Macina eGnition 27.5 11 CX5 den Erwartungen gerecht werden? Ursprünglich als 45 km/h schnelles E-MTB konstruiert, speckt KTM das Macina eGnition 27.5 11 CX5 für 2016 auf eine zulassungsfreie Version ab. Was bleibt: der überaus massiv dimensionierte Rahmen mit 1,5″-Steuerrohr, extrem steifem Hinterbau und entsprechendem Gewicht (22,3 kg).

Dieser Test ist Teil des E-Mountainbike Vergleichstest 2016.

UPDATE vom 26. Juni 2016: KTM hat uns nach diesem Test ein upgedatetes Macina eGnition 27.5 11 CX5 mit neuer Federgabel geschickt, wonach viele der unten genannten Kritikpunkte beim Handling behoben wurden. So fährt sich das KTM mit dem aktuellen Spec sehr ausgewogen und deutlich stabiler, was für ein hohes Maß an Sicherheit und Vertrauen auf dem Trail sorgt. Das Bike liegt super satt auf der Strecke und saugt grobe wie kleine Unebenheiten willig auf. Je schneller die Strecke, desto besser das KTM – nicht zuletzt aufgrund des steifen Chassis und der sehr langen Kettenstreben. Dank des kürzeren Vorbaus setzt das Rad Lenkimpulse willig und präzise um. Einzig das Fehlen der Teleskopsattelstütze mindert den Fahrspaß.

Massiv gebaut –trotzdem ist an eine aggressive Fahrweise nicht zu denken.
Massiv gebaut –trotzdem ist an eine aggressive Fahrweise nicht zu denken.

Für 4.599 € erhält man ein solide ausgestattetes Bike mit 11-fach Shimano XT-Schaltung und XT-Bremsen mit 203/180 mm Discs. Beim Fahrwerk vertrauen die Österreicher (übrigens komplett unabhängig vom gleichnamigen Motorrad-Hersteller) auf ein FOX-Fahrwerk mit 150 mm Federweg an der Front und 160 mm Federweg am Heck. Bereits hier sieht man sofort: Eine absenkbare Teleskopsattelstütze fehlt! Bei einem Rad von diesen Dimensionen und dieser Ausrichtung ist das absolute Pflicht.
Kompakt, aber zentral positioniert nimmt man auf dem Macina eGnition Platz. Bereits auf den ersten Metern wird klar – richtig ausgewogen fühlt sich das Bike nicht an. Und das bestätigt sich auch auf dem Trail: Die im Vergleich zum Hinterbau schwache Front aus dem recht weichem Ritchey-Cockpit mit 80 mm langem Vorbau und 750 mm breitem Lenker in Kombination mit der gefühlt unterdimensionierten Federgabel sorgt für ein unharmonisches Handling auf dem Trail. Erst beim Vermessen des Bikes in der Werkstatt fiel auf, dass das Bike zwar mit dem korrekten Gabel-Modell ausgestattet ist, die im Rad verbaute Version aber nur 135 mm statt der versprochenen 150 mm Federweg liefert. Auf Nachfrage beim Hersteller wurde uns mitgeteilt, dass das Bike noch ein Muster sei und leider mit der falschen Gabel geschickt wurde.

Das KTM lässt sich nur ungern schnell bewegen.
Kompakt, aber zentral positioniert nimmt man auf dem Macina eGnition Platz.

In dieser (falschen) Konfiguration kann das Bike leider absolut nicht sein volles Potenzial entfalten. Dabei bieten der extrem (!) steife Rahmen und der schluckfreudige Hinterbau die perfekte Basis für aggressive Mountainbiker. Extrem definiert und präzise würde man mit dem KTM die Trails hinabballern, wäre da nicht die schwache Front. Aufgrund des langen Radstands und der mit 494 mm sehr langen Kettenstreben liegen die Stärken des Bikes definitiv bei schnellen Highspeed-Sektionen. Verwinkelte Trails und enge Kurven eher weniger.
Lenkimpulse könnte das Bike (unabhängig vom falschen Federweg der Federgabel) präziser umsetzen: Eine potentere Federgabel (z. B. FOX 36 mit 160 mm) und ein kompakteres Cockpit mit kürzerem Vorbau könnten hier den entscheidenden Unterschied machen und für ein souveräneres wie direkteres Handling sorgen! Am Hinterrad sollte man definitiv einen grobstolligeren Reifen montieren – der Schwalbe Rock Razor in 2,4″ Breite und mit PaceStar-Mischung schafft es nicht, die Motor-Power in losem Gelände und auf steilen Anstiegen auf den Boden zu bringen. Ein häufig durchdrehendes Hinterrad ist die Folge.

Auch in den Kurven merkt man die schwache Front.
Auch in den Kurven merkt man die schwache Front.

Details

Der extrem steife Rahmen und der schluckfreudige Hinterbau liefern eine gute Basis für aggressive Fahrer.
Gutes Grundgerüst: Der extrem steife Rahmen und der schluckfreudige Hinterbau liefern eine gute Basis für aggressive Fahrer..
Die Federgabel unseres Prototypen-Testbikes stellte 15 mm Federweg weniger zur Verfügung, als sie eigentlich sollte – und verursachte so ein unausgewogenes Fahrverhalten. In Serie sollte das Bike sein ganzes Potenzial entfalten können.
Falsches Modell: Die Federgabel unseres Prototypen-Testbikes stellte 15 mm Federweg weniger zur Verfügung, als sie eigentlich sollte – und verursachte so ein unausgewogenes Fahrverhalten. In Serie sollte das Bike sein ganzes Potenzial entfalten können.
Das ehemals für 45 km/h ausgelegte Macina eGnition ist zwar super steif und solide ausgestattet, für eine aggressive Fahrweise wurde aber an den falschen Stellen gespart - zum Beispiel an einer Teleskopsattelstütze.
Philosophie: Das ehemals für 45 km/h ausgelegte Macina eGnition ist zwar super steif und solide ausgestattet, für eine aggressive Fahrweise wurde aber an den falschen Stellen gespart.
KTM Macina eGnition 27,5 11 CX5
KTM Macina eGnition 27.5 11 CX5

Ausstattung KTM Macina eGnition 27.5 11 CX5 2016

Federgabel: FOX 34 Float Factory
Dämpfer: Fox Float DPS
Motor: Bosch Performance CX
Batterie: Bosch Power Pack 500
Bremsen: Shimano XT 200/180
Schaltung: Shimano XT
Sattelstütze: Ritchey WCS Trail
Vorbau: Ritchey WCS Trail 80mm
Lenker: Ritchey WCS Trail Rizer 750mm
Reifen: Schwalbe Hans Dampf/ Rock Razor
Laufräder: KTM Team Trail/ DT Swiss XM442
Gewicht/Größe: 22,3 kg / Größe M
Preis: 4.599 €

Fazit

Im Testrad war eine Federgabel mit zu wenig Federweg verbaut, dabei bieten der steife Rahmen und der schluckfreudige Hinterbau die perfekte Basis für maximalen Trailspaß. In der korrekten Serienausstattung würde sich das Bike deutlich ausgewogener fahren. Mit nur wenigen Komponenten-Änderungen wie einer (noch) potenteren 160-mm-Gabel, einer Teleskopsattelstütze und grobstolligeren Hinterreifen könnte man aus dem KTM Macina eGnition 27.5 11 CX5 genau das machen, wonach es aussieht: ein absolutes Monster für aggressive Mountainbiker!

Stärken:

  • steifer, präziser Rahmen
  • super Ausgangsbasis für ein aggressives Bike
  • sehr gute Hinterbauperformance

Schwächen:

  • lautes Kettenschlagen
  • Ausstattung limitiert die Fahrperformance

Alle Bikes im Test: Bergamont E-Line Trailster C 8.0 | CUBE Stereo Hybrid 140 SL | FLYER Uproc6 8.90 | Haibike SDURO AllMtn Pro | LAPIERRE Overvolt FS 900 | ROTWILD R.X+ FS 27,5″ EVO | SCOTT E-Genius 710 Plus | Specialized Turbo Levo FSR Expert 6Fattie | KTM Macina eGnition 11 CX5

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Text: Christoph Bayer Bilder: Noah Haxel