Was hat das BMC Trailfox AMP LTD mit einer Rolex Daytona gemeinsam? Beide Produkte kommen aus der Schweiz, beide stehen für Qualität, beide sind teuer und bei beiden kann nur der Käufer für sich entscheiden, ob ihm das Teil wirklich so viel Geld wert ist. Wir können euch allerdings verraten, wie sich das erste BMC-E-Mountainbike fährt.

BMC Trailfox AMP LTD | 150/150 mm (v/h) | 21,6 kg | 11.999 €

„Gut Ding will Weile haben“ hat sich BMC wohl gedacht und ist nicht von Anfang an auf den E-Mountainbike-Zug aufgesprungen. Jetzt präsentieren die Schweizer mit dem BMC Trailfox AMP ein E-Mountainbike mit 150 mm Federweg, breiter 2,8″-Bereifung und einem in den Carbonhauptrahmen integrierten Shimano STEPS E8000-Antrieb. Optisch fügt sich das Rad gut in das bereits bestehende Mountainbike-Line-up ein und verfügt auch über das von BMC bekannte APS-Hinterbaukonzept. Um aber den höheren Belastungen gerecht zu werden, wurde der Umlenkhebel deutlich größer dimensioniert und es wurde auch eine stabilere Lagerung verbaut. Den Hinterbau fertigt BMC aus Aluminium. Smarte Details wie der integrierte Speedsensor in der Kettenstrebe, das leicht erhöhte Tretlager (BB-Drop 17 mm) und die aufgeräumte Zugführung beweisen, dass das Team von BMC seine Hausaufgaben gemacht hat und weiß, worauf es bei einem E-Mountainbike ankommt.

Agil und verspielt meistert das BMC auch enge Sektionen.

Zugegeben, bei einem Preis von 11.999 € wäre auch nur die kleinste Schwäche in der Ausstattung am Trailfox AMP eine herbe Enttäuschung. Es ist also nicht verwunderlich, dass BMC nur Top-Of-The-Line-Produkte verbaut. DT Swiss HXC 1200-Carbonlaufräder und eine Shimano XTR-Di2-Schaltung sind zwar das Feinste vom Feinsten, bringen aber ehrlich gesagt kein spürbares Performance-Plus am E-Mountainbike. Grund zur Kritik gibt es zudem für das aufwendige Setup des DB Inline-Dämpfers und den etwas flach profilierten MAXXIS Rekon-Hinterreifen. Auch die Race Face Turbine-Sattelstütze mit ihrem wackeligen Remotehebel wird dem Bike nicht gerecht. Die FOX 36 Factory-Federgabel funktioniert dagegen ebenso wie die standhaften Shimano Saint-Bremsen tadellos!

BMC empfiehlt bei einer Körpergröße von 180 cm ein Trailfox AMP in Größe Medium – und das passte perfekt. Eher aufrecht, aber sehr komfortabel sitzt man auf dem Rad. Hat man den Shimano-Antrieb über den kleinen Knopf am Unterrohr gestartet, marschiert das Rad gewohnt kraftvoll nach vorn. Die meiste Zeit des Tests verbrachten wir im Trail-Mode. Hier begeistert der Antrieb mit seiner angenehmen Charakteristik und guter Power.

Das BMC Trailfox AMP LTD im Detail

Federgabel Fox 36 Float Factory E-Bike 150 mm
Dämpfer Cane Creek DB Inline 150 mm
Motor Shimano E8000
Akku Shimano E8020 504 Wh
Bremsen Shimano Saint
Schaltung Shimano XTR Di2
Sattelstütze Race Face Turbine Dropper
Vorbau Race Face Turbine R 35
Lenker Race Face Next R Carbon
Reifen Maxxis Highroller II+ / Maxxis Rekon+
Laufräder DT Swiss HXC1200
Preis 11.999 €

Kompliziert
Beim Setup des Cane Creek DB Inline sind Geduld und Expertise gefragt. Ein Base-Setup-Finder erleichtert allerdings die Abstimmung.
Clever
Der Speedsensor sitzt gut geschützt in der Kettenstrebe, der Magnet direkt auf der Bremsscheibe.
Praktisch
Der auf den Umlenkhebel gedruckte SAG-Indikator erleichtert das Setup deutlich. Schon im Sitzen oder Stehen sieht man direkt, ob der Luftdämpfer mit dem richtigen Druck befüllt ist.
Formschön
Der Akku wird von unten in das Unterrohr geschoben. Das schafft Platz für einen Flaschenhalter im Rahmendreieck. Dank des zweiteiligen Farbkonzepts wirkt das voluminöse Unterrohr etwas schlanker. Bei schlechtem Wetter klebt allerdings massig Dreck direkt am Akku.

Die Geometrie des BMC Trailfox AMP LTD

Größe S M L
Sitzrohr 400 mm 440 mm 480 mm
Oberrohr 573 mmm 616 mm 645 mm
Steuerrohr 91 mm 103 mm 118 mm
Lenkwinkel 66° 66° 66°
Sitzwinkel 74° 74° 74°
Kettenstrebe 445 mm 445 mm 445 mm
Radstand 1162 mm 1207 mm 1238 mm
Reach 405 mm 445 mm 469 mm
Stack 595 mm 606 mm 620 mm

Das BMC Trailfox AMP auf dem Trail

Bei technischen Uphills begeistert das Trailfox mit seinem feinfühligen Hinterbau. Dieser sorgt nicht nur für viel Traktion, sondern sackt auch ohne zugeschaltete Druckstufe nicht weg. So steht selbst steilsten Anstiegen nichts im Weg. Im verblockten Gelände hätten wir uns noch minimal kürzere Kurbeln gewünscht, bei 98 % der Fahrsituationen gab es aber keinerlei Probleme.

Helm Specialized Ambush | Brille Oakley Jawbreaker | Shirt Mons Royale Redwood ¾ Raglan T Dirt | Shorts Alpinestars Pathfinder

Bergab begeistert das BMC Trailfox AMP trotz seines durchschnittlichen Gewicht von 21,6 kg mit seinem sehr direkten und agilen Handling. Es lässt sich sehr willig und leichtfüßig durch Kurven manövrieren. Auf weichen Waldböden gerät der verbaute MAXXIS Rekon-Hinterreifen leider schnell ans Limit und bietet wenig Seitenführung, wodurch das Heck immer wieder ausbrach. Hier lohnt das Upgrade auf einen 2,8″ breiten HighRoller oder Minion DHR. Das Fahrwerk arbeitet sehr feinfühlig und dennoch definiert. Zusammen mit dem flachen Lenkwinkel sorgt das dafür, dass das Trailfox AMP auch bei höheren Geschwindigkeiten sehr sicher und gut berechenbar auf dem Trail liegt.

Fazit

Wenn man vernünftig ist, kauft man das BMC Trailfox AMP LTD nicht – und das, obwohl das Bike mit einem sehr guten Handling und feinster Ausstattung überzeugt. Wer sich aber in den schicken Carbonrahmen mit dem formschön integrierten Akku verliebt hat, kann sich sicher sein, für jede Menge Geld ein sehr gutes E-Mountainbike zu erhalten. Sinnvoller ist der Griff zum günstigeren Trailfox AMP Two.


Stärken

  • agiles Handling
  • feinfühliges Fahrwerk
  • sehr schicke Formsprache

Schwächen

  • unglaublich teuer
  • Hinterreifen und Sattelstütze werden dem Bike nicht gerecht
  • Dämpfer-Setup sehr aufwändig

Mehr Infos findet ihr unter: bmc-switzerland.com

Text: Christoph Bayer Fotos: Antonia Buckenlei, Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer