27,5″- oder 29″-Laufräder? Kaum ein Thema eignet sich besser für Stammtischrunden und Tech-Talk unter Bikern. Haibike hat mit dem HardSeven und dem HardNine zwei Bikes im Programm, die außer der Laufradgröße praktisch identisch sind – perfekt für einen Vergleich. Welches der Carbon-Hardtails hat die Nase vorn?

Bereits auf den ersten Blick wird klar, dass man es hier mit zwei Haibikes zu tun hat. Beide Carbonrahmen weisen die typische Haibike-Designsprache mit ihrem geschwungenen Oberrohr auf. Der bekannte Bosch CX-Motor ist sauber integriert, der 500-Wh-Akku fügt sich schick in das Gesamtbild ein. Die Züge wurden im Rahmen verlegt und unterstreichen so die cleane Optik.

Die Ausstattung der E-MTBs ist außer der Laufradgröße bis ins kleinste Detail identisch.

Ausstattung

Stehen die beiden Haibikes nebeneinander, glaubt man auf den ersten Blick, zwei Mal das gleiche Rad vor sich zu haben: Die Ausstattung der E-MTBs ist außer der Laufradgröße bis ins kleinste Detail identisch. Vorne dämpft eine leichte SR SUNTOUR Axon RL-R Cross-Country-Federgabel mit 100 mm Federweg, eine TEKTRO Gemini-Bremse mit 203-mm-Scheibe vorne und 180-mm-Scheibe hinten sorgt für die Verzögerung. Geschaltet wird mit SRAMs Einsteigergruppe NX, die 11 Gänge mit einer 11–42-Abstufung zur Verfügung stellt. Die restlichen Parts stammen überwiegend von Haibikes Eigenmarken Haibike Components und XLC. Beide Bikes rollen auf Schwalbes Rocket Ron-Reifen. Man muss bei den je 3.999 € teuren Haibikes für den schicken Carbonrahmen also mit günstigeren Parts vorliebnehmen, ohne dabei jedoch echte Kompromisse einzugehen.

Haibike XDURO HardNine
Haibike XDURO HardSeven
Leichtgewicht
SR SUNTOURs Axon wurde für leichte Cross-Country-Bikes entwickelt und ist daher nicht besonders steif, im bevorzugten Einsatzbereich der Bikes macht sie dennoch eine gute Figur.
Lang, länger, Vorbau
Der 100-mm-Vorbau sorgt für eine sehr gestreckte Sitzposition, der 740-mm-Lenker ist dafür ausreichend breit.
Saubere Sache
Innenverlegte Züge unterstreichen die cleane Optik des Carbonrahmens.
Knackig
SRAMs NX-Schaltung merkt man den günstigen Preis nicht an, sie schaltet präzise und schont langfristig den Geldbeutel dank bezahlbarer Verschleißteile.

Geometrie

Beide unserer Testbikes hatten eine Rahmenhöhe von 45 cm, beim HardNine entspricht das Rahmengröße S, beim HardSeven M. Wie zu erwarten verfügt das 29er HardNine über längere Kettenstreben, einen höheren Stack und einen längeren Radstand als sein kleinerer Bruder. Weniger typisch ist der Lenkwinkel des HardNine ein Grad flacher (68° statt 69°) als der des HardSeven. Beide Bikes haben einen recht kurzen Reach von 405 mm bzw. 399 mm, der jedoch durch den langen Vorbau wieder ausgeglichen wird.

Bikes Haibike HardNine (M) vs. Haibike HardSeven (M)
Sattelrohr [B] 500 mm 450 mm
Oberrohr [A] 610 mm 580 mm
Steuerrohr 110 mm 120 mm
Lenkwinkel [F] 68 ° 69 °
Sitzwinkel [E] 73 ° 73 °
Kettenstrebe [C] 472 mm 455 mm
Tretlager Absenkung [J] -60 mm -40 mm
Radstand [D] 1164 mm 1109 mm
Reach [G] 422 mm 399 mm
Stack [H] 615 mm 593 mm

Das Haibike HardNine vs. HardSeven in der Praxis

Um der Frage nachzugehen, mit welcher Laufradgröße das Bike besser ist, haben wir die beiden Hardtails auf abwechslungsreichen Testrunden im italienischen Massa Marittima gegeneinander antreten lassen. Massa Marittima mit seinem traumhaften Marktplatz liegt hoch am Berg, wer hier seinen Cappuccino mit Blick auf die Kirche genießen will, muss ihn sich erst mal verdienen. Mit den beiden Carbon-Hardtails wird der Anstieg jedoch zum Kinderspiel. Der Bosch CX-Motor zeigt sich gewohnt souverän und katapultiert die nur 19,3 bzw. 19,4 kg schweren Bikes förmlich nach oben. Die leicht rollenden Reifen und die sportliche Sitzposition tun ihr Übriges, diese E-MTBs klettern hervorragend.

In der Ebene werden dann erste Unterschiede deutlich. Die malerischen Gassen des kleinen Ortes laden zum Erkunden ein und begeistern mit ihrem toskanischem Flair. Beide Bikes zeigen sich hier sehr wendig, doch mit dem 27,5″-HardSeven sind schnelle Richtungswechsel noch eine Ecke spritziger. Kommt man dann jedoch in Fahrt, hat das 29″-HardNine wieder klar die Nase vorne. Es rollt laufruhiger und stabiler, die etwas aufrechtere Sitzposition ist auf Dauer angenehmer. Die großen Laufräder halten zudem die Geschwindigkeit deutlich besser, wenn man es rollen lässt – gerade weil man mit diesen Bikes leicht über die 25-km/h-Marke kommt, ist das ein echter Vorteil.

„Mit den beiden Carbon-Hardtails wird der Anstieg zum Kinderspiel.“

Doch Massa Marittima ist natürlich auch für seine fantastischen Trails bekannt und wir waren gespannt, wie sich die Haibike-Zwillinge im Gelände schlagen würden. Hier werden die Grenzen der Hardtails dann relativ schnell deutlich. Die leichte XC-Gabel ist nur mäßig steif, die Bremsen lassen etwas Power vermissen und die dünnen Reifen bieten nur wenig Grip. Mit der sportlichen Sitzposition lastet viel Druck auf dem Vorderrad, eine absenkbare Sattelstütze hätte hier zum Teil geholfen. Im direkten Vergleich kann im Gelände das HardNine erneut punkten, die großen Laufräder rollen schlichtweg viel besser über Hindernisse und bieten damit mehr Grip und Komfort. Außerdem sorgen sie im Zusammenspiel mit dem flacheren Lenkwinkel für mehr Laufruhe. Doch seien wir fair, diese Carbon-Geschosse wurden nicht für den harten Traileinsatz gebaut, sondern fühlen sich vielmehr auf Schotterwegen zu Hause, wo sie mit viel Vortrieb glänzen können.

Fazit

Die Frage, welches der beiden Haibikes die Nase vorne hat, können wir guten Gewissens beantworten: das 29″-HardNine! Es rollt besser über Hindernisse, ist laufruhiger und bietet mehr Sicherheit im Gelände. Doch beide E-MTBs machen auf Forstwegen und in der Altstadt eine gute Figur und empfehlen sich damit als schnelle Tourenräder. Wer jedoch gerne mal einen Abstecher ins Gelände macht, sollte sich lieber nach einem Hardtail mit Plus-Reifen oder nach einem Fully umschauen.


Tipps zur Region

Etwa 8 Autostunden von München entfernt, ist rund um den malerischen Ort Massa Marittima ein echtes Bike-Eldorado entstanden. Lange Touren durch die endlosen Zypressen-Alleen lassen einen schnell den Alltag vergessen, während in Zentraleuropa der Winter die Zügel noch fest im Griff hat. Bereits ab Januar ist es hier angenehm warm, sodass echte Frühlingsgefühle aufkommen. 25 km entfernt liegt der Ort Follonica am Mittelmeer, man sollte jedoch die stark befahrene Hauptstraße mit dem Rad meiden. Radfahrer steigen am besten im Hotel und Landgut Massa Vecchia ab, das bestens auf Biker eingestellt ist. Vor der Heimreise nicht vergessen, ein paar lokale Köstlichkeiten mitzunehmen: Mit Olivenöl und Wein kommt ein Stück Toskana mit in die Heimat.

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Text: Moritz Dittmar Fotos: Christoph Bayer