Um die Reichweite seines E-Mountainbikes zu erhöhen, braucht man mehr Akkukapazität? Nicht unbedingt, mit der richtigen Fahrtechnik und einigen Tricks kann man die Reichweite schon deutlich steigern – ohne Geld für zusätzliches Zubehör ausgeben zu müssen! Wir haben für euch die wichtigsten Tipps zusammengestellt.

Wer einmal mit dem E-Mountainbike-Virus infiziert ist, will nur noch eins: höher, schneller und weiter fahren! Das größte Problem und eine häufige Spaßbremse ist die Akkureichweite. Deshalb scheint für viele der Kauf eines teuren Wechselakkus unvermeidbar. Es gibt jedoch einige Tricks, mit denen man die Reichweite signifikant verbessern kann, ohne gleich tief in die Tasche greifen zu müssen. E-Mountainbikes sind per Hybrid angetriebene Fahrzeuge (Motor und Muskel), die vor allem eines benötigen: die richtige Abstimmung zwischen Mensch und Maschine. Die folgenden Tipps betreffen zum einen das Setup des Bikes, zum anderen aber auch euer Fahrverhalten. Denn oft ist es der Faktor Mensch, der die Reichweite des Antriebs extrem limitiert.

1. Weniger Luftdruck, mehr Traktion

Ein hartnäckiger Mythos besagt, mehr Luftdruck würde den Rollwiderstand reduzieren – insbesondere im Gelände ist das jedoch falsch. Gerade beim E-Mountainbike ist ein geringer Luftdruck auch bergauf wichtig, um die Kraft des Antriebs auf den Untergrund zu übertragen. Schlupf ist der größte Feind der Reichweite. Wir empfehlen, je nach Fahrstil und Gewicht, 0,9–1,3 bar bei Plus-Reifen und 1,6–2,0 bar bei 2,4″ breiten Pneus.

Geringer Reifendruck sorgt für Traktion und ermöglicht es dem Reifen, Unebenheiten einfacher zu überrollen.

2. Open your mind – open your Fahrwerk

Der Lockout ist als Verkaufsargument beim E-Mountainbike absolut überflüssig. Das Blockieren der Federgabel oder des Hinterbaus reduziert nicht nur den Komfort, es kostet auch Akku-Balken. Ein offenes und korrekt eingestelltes Fahrwerk ermöglicht es dem Rad, Hindernisse leichter zu überrollen, statt an ihnen hängen zu bleiben. Also Finger weg vom Lockout-Hebel!

3. Kein Schlauch, weniger Probleme

Mit einem Schlauch im Reifen steigt nicht nur das Pannenrisiko, es sinkt auch die Reichweite. Tubeless montierte Reifen können sich dem Untergrund besser anpassen und dämpfen kleine Unebenheiten sanfter. So bleibt das Rad weniger an Hindernissen hängen und überrollt diese besser.

Merke: Jeder Verlust von Schwung kostet Akkukapazität.“

4. Angepasste Unterstützungsstufen

„So wenig wie möglich, so viel wie nötig“ lautet das Motto bei der Wahl der Unterstützungsstufen. Eine Tour nur im Eco-Modus zu fahren, macht einfach keinen Spaß. Wer sich jedoch nur vom Motor bergauf ziehen lässt, verbrät ohne Ende Akku-Power.

5. Große Kassette, große Wirkung

Eine große Kassette mit einem 46- oder 48-Zahn-Ritzel ermöglicht es nicht nur, auch sehr steile Anstiege zu erklimmen. Sie macht es auch einfacher, mit der richtigen Trittfrequenz zu pedalieren – bei Elektromotoren entscheidend, um den optimalen Wirkungsgrad zu erhalten.

Bandbreite, Baby! Eine große Übersetzung ist am E-Mountainbike Pflicht.

6. Gut geschmiert

Reibung killt Reichweite, vor allem bei der Schaltung. Kraft, die bereits auf dem Weg vom Motor zum Hinterrad verloren geht, kann nicht in Vortrieb umgewandelt werden. Ein sauberer und gut geschmierter Antrieb ist daher essenziell. Am besten die Kette nach jeder Tour mit einem trockenen Tuch reinigen und leicht ölen.

7. Optimale Trittfrequenz

Wie im vorherigen Punkt erwähnt, ist die Trittfrequenz entscheidend. Die meisten Antriebe arbeiten in einem Bereich ab 75 Umdrehungen besonders effektiv. Wer sich mit geringer Frequenz von seinem Rad ziehen lässt, für den ist ganz schnell Schluss. Weiter fahren bedeutet also schneller treten, auch wenn es sich anfangs etwas unnatürlich bzw. zu schnell anfühlt. In diesem Fall muss sich der Mensch an die von Motoren-Herstellern teils zu hoch angesetzten Trittfrequenzbereiche anpassen, in denen der Motor den optimalen Wirkungsgrad besitzt.

Wer weit fahren will, muss schnell treten!

8. Vorausschauende Fahrweise (Linienwahl)

Damit das Fahrwerk gar nicht erst die ganzen dicken Brocken schlucken muss, ist eine vorausschauende Fahrweise wichtig. Statt stur über jede Wurzel oder jeden Stein zu holpern, lohnt es sich, Hindernisse zu umfahren. Mit der Zeit lernt man immer besser, das Gelände zu lesen. Der Blick sollte dafür einige Meter vor das Vorderrad gerichtet sein.

Geradeaus über die Steine zu fahren wäre schneller, links herum schont jedoch den Akku.

9. Mit Schwung um die Kurve

Mit der richtigen Kurventechnik nimmt man auf dem Trail mehr Schwung durch die Kurve mit und muss im Anschluss weniger stark antreten – auch das spart Kraft und Akkukörner.

Die äußere Linie ist in Kehren meist flacher – das ist zwar länger, spart aber Energie.

10. Trete dich rund!

Wer beim Auto ständig mit dem Gaspedal spielt, vergeudet unnötig Sprit. Und so ist es auch beim E-Bike. Ein runder und konstanter Tritt mit gleichmäßigem Druck sorgt für ein gleichmäßiges Signal an den Motor – das spart Energie.

Am leichtesten und sinnvollsten lässt sich Gewicht am Rucksack sparen.

11. Weniger Gewicht, mehr Reichweite

Das Systemgewicht aus E-Mountainbike und Fahrer (sowie Ausrüstung) beeinflusst die Reichweite enorm. Dabei ist das Gesamtgewicht entscheidend. Am einfachsten lässt es sich durch einen kritischen Blick in den Tourenrucksack reduzieren – was muss wirklich mit? Am Rad selbst ist Gewichtstuning meist eher deplatziert, lieber sollte man auf sich selbst schauen. Die gute Nachricht: Wenn ihr mehr E-Mountainbiken geht, nehmt ihr von alleine ab und eure Reichweite steigt! Viel Spaß!

Mr. Reichweite: Franz hat mit seinem ROTWILD X+ mit 518-Wh-Akku bereits Touren über 2.700 hm unternommen – ohne nachzuladen und ohne Wechselakku. Respekt!

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Text & Fotos: Christoph Bayer