Zugegeben: E-Mountainbiken ist nicht gerade günstig. Doch es ist nicht der Preis, der E-Mountainbikes ausmacht, sondern ihr Wert: Mehr Trails in weniger Zeit fahren zu können, mehr Spaß (bergauf) zu haben, mit der Familie oder Freunden mit unterschiedlichstem Leistungsniveau Touren zu fahren. Um die Vorteile eines E-Mountainbikes in vollen Zügen genießen zu können, muss man vor dem Kauf einiges beachten. Wir stellen dir die 10 wichtigsten Fragen, die ihr beim E-Mountainbike-Kauf beachten solltet und liefern dir die richtigen Antworten.

1. Welches Bike ist das richtige für mich?

Wir wären ganz schön blöd, wenn wir euch die Antwort bereits nach der ersten Frage liefern würden. Denn statt sich gleich über das Bike Gedanken zu machen, sollte man am Anfang erst mal über sich selbst nachdenken.

  • Fragt euch als Erstes: Was will ich mit dem Rad anstellen und welche Erwartungen habe ich an das Bike? Seid dabei realistisch. Fahrt ihr lange Forstweg-Touren oder sucht ihr maximalen Fahrspaß auf Trails? Letzteres erfordert aufgrund enormer Belastungen ein deutlich robusteres, hochwertigeres und letztlich teureres Bike.
  • Wie sieht es um euer technisches Verständnis, die eigenen Schrauber-Skills und den Geldbeutel für den zukünftigen Service nach dem Bikekauf aus? E-Mountainbikes sind einerseits wartungsintensiver als herkömmliche Mountainbikes. Andererseits bedürfen insbesondere die Federelemente sowie die ergonomischen Kontaktpunkte am Rad einer richtigen Abstimmung – Themen, denen wir uns hier bereits gewidmet haben. Wer sein Bike nicht selbst abstimmen oder servicen möchte, braucht einen Händler, dem er vertrauen kann. Online-Versender von E-Mountainbikes gibt es auch, hier sollte man sich im Vorfeld informieren, wie und wo z. B. der Service abgewickelt wird.
  • Der Geldbeutel von Vielfahrern wird nicht nur durch regelmäßige Wartung geschont, sondern auch durch die Tatsache, dass nicht die allerteuersten Schaltungselemente verbaut sind. Insbesondere Kette, Kassette und Kettenblatt leiden stark unter der hohen Motorenkraft. Speziell entwickelte Schaltungskomponenten wie die mit dem Design & Innovation Award ausgezeichnete SRAM EX1 sind bereits deutlich haltbarer.
Hardtail oder Fully? Beim E-Mountainbike keine Frage des Geschmacks sondern des Einsatzzwecks. Die Unterschiede sind gravierend!

2. Fully oder Hardtail?

Es gibt eigentlich keinen Grund, ein Hardtail zu fahren. Es sei denn, man muss stark auf den Preis achten, ist ohnehin nur auf sehr gut befestigten Wegen unterwegs oder möchte eine komplette Campingausrüstung an den Rahmen schnallen, um durch das australische Outback zu reisen (Problem: Wer keine Solarpanele dabei hat, wird dort eher unwahrscheinlich Steckdosen finden). In Sachen Komfort, Sicherheit, Traktion und Vielseitigkeit sind Fullys unschlagbar. Interessanterweise haben Bikes mit weniger Federweg keine größere Reichweite oder fahren sich besser – stimmt die Geometrie, hat man mit einem Bike mit mehr als 130 mm Federweg am meisten Spaß. Und dabei ist es egal, ob man das Bike als SUV im Stadtdschungel oder im alpinen Bikepark einsetzt. Die klassischen Mountainbike-Kategorien zählen bei E-Mountainbikes nicht mehr. Bei E-Mountainbikes gilt: The bigger the better!

3. Wie viel Geld muss ich für ein gutes E-Mountainbike ausgeben?

Qualität hat ihren Preis – die einzigen zwei Ausnahmen sind unser kostenloses Magazin und die Weite des Waldes, die sich mit dem E-Mountainbike so schön erkunden lässt. Für ein gutes E-Mountainbike sollte man mind. 4.000 € einkalkulieren, darunter wird häufig an Spaß fördernden, robusten oder sicherheitsrelevanten Details gespart. Dazu gehören ordentliche Reifen, robuste Laufräder (schlechte Laufräder gehen schnell kaputt!), kraftvolle Bremsen und schluckfreudige Federelemente genauso wie ein großer Akku (!) und eine Teleskopsattelstütze, die abseits des Trails genauso den Spaß potenziert wie darauf.

4. Welches ist die richtige Rahmengröße?

Oftmals steht man zwischen zwei Rahmengrößen. Im Idealfall kann man beide Größen beim Händler des Vertrauens austesten, ansonsten sollte man sich auf dessen Empfehlung verlassen. Im Zweifel gilt die einfache Faustregel: „Kleiner“ heißt agiler, aufrechter und verspielter, „größer“ bedeutet laufruhiger und gestreckter. Mit Anpassungen beim Cockpit und bei der Sattelposition kann man die Sitzposition auf dem Bike entscheidend

5. Neu oder gebraucht?

Ob man guten Gewissens ein gebrauchtes E-Mountainbike kaufen kann, können wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen, weil es immer auf den Einzelfall ankommt. Erfahrungsgemäß haben E-Mountainbikes aber speziell beim Antrieb, bei der Bremse und bei den Reifen einen sehr hohen Verschleiß. Nach weniger als 700 Kilometern muss häufig bereits mindestens die Kette gewechselt werden. Je nach Ausstattung der Bikes auch deutlich mehr – aufgrund des erhöhten Eigengewichts und der Motorkraft sind E-Mountainbikes einfach deutlich höheren Belastungen ausgesetzt. Dennoch: Bei lupenreiner Service-Historie und einem jungen Alter des Bikes kann man hier durchaus Schnäppchen finden. Achtet auch auf den Fahrertyp! Viele E-Mountainbikes werden ausschließlich auf der Straße oder auf sanften Schotterstraßen bewegt, wodurch sich der Verschleiß reduziert.

Augen auf beim Gebrauchtbike-Kauf! Versteckte Kosten machen aus einem vermeintlichen Schnäppchen schnell eine Spardose.

6. Welchen Motor soll ich fahren?

Für viele ist der Motor noch immer das Herzstück eines jeden Bikes – doch das stimmt nicht. Klar, ein guter Antrieb ist wichtig. Noch wichtiger ist aber seine Integration in das Gesamtkonzept des Bikes. Entscheidend für den Fahrspaß, den Komfort und die Sicherheit ist und bleibt der Rahmen. Dennoch beeinflusst auch der Antrieb das Handling – vor allem bergauf. Eine Übersicht der verschiedenen Antriebe findet ihr im Vergleichstest dieser Ausgabe. Als Käufer sollte man sich außerdem fragen: Wie wichtig ist ein herausnehmbarer Akku? Die Tatsache, ob der Akku fest verbaut oder herausnehmbar ist, entscheidet nämlich darüber, wo ihr das Bike laden könnt und ob ihr für lange Touren einfach einen Zweitakku im Rucksack mitführen könnt. In Sachen Service haben Bosch und Shimano die größten und am weitesten ausgebauten Service-Netzwerke. Zudem setzen sie in der Regel auf Standard-Akkus, die im Falle eines Akku-Versagens meist problemlos ausgetauscht werden können.

Der Shimano STEPS E8000-Antrieb ist die aktuell Benchmark

7. Ein Bike zu kaufen ist nicht genug!

Keine Sorge, wir wollen euch kein zweites Bike aufschwatzen. Aber wir wollen euch die richtige Ausrüstung empfehlen: Dazu gehören neben einem ordentlichen Helm, einer Sportbrille, einem Rucksack und einem zeitgemäßem Outfit (denkt an die Gesundheit eurer Mitmenschen, Stichwort: Augenkrebs) auch die richtigen Pedale mit passenden Schuhen. Wer Klickpedale fahren möchte, sollte bereits Erfahrung mitbringen. Schließlich ist der „Scheiße-ich-komm-nicht-mehr-aus-dem-Pedal-raus“-Moment mit dem schweren E-Mountainbike noch, ja – beschissener. Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt oder dort fährt, wo viele Fußgänger unterwegs sind, sollte zudem in Accessoires wie gute Lichter, eventuelle Schutzbleche und eine dezente Klingel investieren (ja es gibt auch schöne Klingeln!).

Das Bike ist nur die Halbe Miete, mindestens genauso wichtig ist die passende Ausstattung.

8. Welche Laufradgröße soll ich wählen?

Vorneweg: Egal ob 29″, 27,5″ oder 27+, es kommt nicht auf die Größe, sondern auf das Gesamtkonzept des Bikes an. Dennoch lässt sich zusammenfassen: 27,5″ ist am verspieltesten und agilsten, 29″ ist insbesondere für größere Fahrer die beste Wahl, dasselbe gilt für Fahrer, die öfter im Schlamm unterwegs sind; 27,5+ bietet unter den richtigen Bedingungen extrem viel Grip und Sicherheit. Mit einer neuen Generation immer besserer Reifen ist 27,5+ die Laufradgröße der Zukunft für E-Mountainbikes, zeigt derzeit aber gerade im Schlamm und in sehr weichen Untergründen je nach Modell noch Nachteile. Achtung: Nur mit dem richtigen Luftdruck funktionieren die Reifen optimal.

Bei E-Mountainbikes führt aktuell kein Weg an Plus-Reifen vorbei.

9. Kann ich Parts direkt beim Händler anpassen lassen?

Häufig sind nur kleine Anpassungen nötig, um aus einem guten Bike ein für euch perfektes zu machen. Speziell im Bereich Ergonomie entscheiden oft Millimeter. Es ist deshalb sinnvoll, direkt beim Händler das Cockpit oder den Sattel an die persönlichen Vorlieben anzupassen und den Preis dafür verrechnen zu lassen. Aber Achtung! Nicht jedes Bauteil darf getauscht werden, da sonst direkt die Garantie erlischt. Ein guter Händler weiß über die Risiken Bescheid und klärt seine Kunden darüber auf. Auf ein Motortuning solltet ihr aus Versicherungsgründen und aus Verantwortung gegenüber dem Sport unbedingt komplett verzichten!

10. Bei welchem Händler sollte ich kaufen?

Die Frage sollte in diesem Fall eher heißen: Wo finde ich den besten Service?
Der Händler des Vertrauens sollte die erste Anlaufstelle für jegliche Probleme und einen guten Service sein. Verfügt der Händler über eine moderne Werkstatt und vermittelt viel technisches Know-how, dann sollte das auch darüber mitentscheiden, wo man das Bike kauft. Denn wer ein Schnäppchen in einem Ramschladen macht, verliert mittelfristig vielleicht mehr Geld durch teure Reparaturen als jemand, der bei einem guten Händler die Serviceintervalle einhält. Ein guter Händler bietet zudem einen Service über die Hardware hinaus an – dazu gehören beispielsweise Software-Updates des Antriebs.

11. Was ist das beste E-Mountainbike? Was die sinnvollste Ausstattung?

Ja, wir haben einen elften Punkt hinzugefügt, der nicht direkt etwas mit den Kaufkriterien zu tun hat. Aber er ist umso wichtiger: Vertraut auf unsere Testberichte – das ist der einfachste Weg zu einem guten Bike. Versprochen. Unser Anspruch ist es, mit umfassenden und aufwendigen Praxis- wie Labortests die branchenweit besten Testberichte zu liefern und wir nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. Das hat uns im vergangenen Jahr über 40.000 € an Werbeeinnahmen von verärgerten Anzeigenkunden gekostet, aber ernsthaft: Wem an einer langfristigen Beziehung gelegen ist, muss ehrlich sein. Denn von einem beschönigten Test hat niemand etwas. Der Kunde wäre enttäuscht vom Magazin (Stichwort: Kaufempfehlung) und vom Hersteller (warum baut der so einen Mist?). Das Magazin hätte einen Leser weniger (und könnte es ihm nicht verdenken) und der Hersteller einen Kunden weniger (falsches Produktversprechen). Und ja, das Gleiche gilt auch für den Händler. Eine falsche Kauf- bzw. Produktempfehlung kann dazu führen, dass der Kunde nicht nur enttäuscht vom Produkt ist, sondern auch den Spaß am Fahren verliert. Aus diesem Grund gilt für uns: Ehrlichkeit first!

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Text: Robin Schmitt Fotos: Christoph Bayer

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